Masterarbeit, 2012
77 Seiten
1 Einleitung
2 Kunst
2.1 Was ist Ästhetik
2.2 Vorbilder und Einflüsse
2.2.1 Dramenanalyse - Tod des Aristoteles
2.2.2 Ästhetizismus - Gustave Flaubert – ein ästhetisches Vorbild Kubricks?
2.2.3 Spätromantik - Psychologisierung und Transzendierung des Lebens
2.2.4 Moderne - Schmerz und Verzweiflung innerhalb eines sinnlosen Lebens
3 Gewalt
3.1 Uhrwerk Orange
3.1.1 Literaturwissenschaftlich
3.1.2 Medienwissenschaftlich
4 Kunst und Gewalt
4.1 Wie lässt sich die Zensur des Films verstehen
4.2 Warum wird nicht jeder gewalttätig, und wer wird überhaupt wodurch gewalttätig?
5 Fazit
Diese Masterarbeit untersucht die vielschichtigen Bezüge zwischen Ästhetik und Gewalt am Beispiel von Stanley Kubricks Romanverfilmung „Uhrwerk Orange“. Ziel ist es, die künstlerische Eigenart Kubricks zu analysieren, ohne diese durch einen primär ethischen Diskurs zu verstellen, und nachzuweisen, dass Gewalt in seinem Werk als ästhetisches Stilparadigma fungiert.
2.2.1 Dramenanalyse - Tod des Aristoteles
Der Held bei Kubrick befindet sich ständig in einer Revolte. Diese ist jedoch nicht so offensichtlich wie zum Beispiel ein anarchisches Aufbegehren gegen gesellschaftliche oder politische Maßregelungen. Sie ist subtiler und rührt an dem Selbst und Weltverständnis eines jeden Individuums. Damit erzeugt er sozusagen eine innerpsychische Revolte, indem er den einfachen Menschen der komplexen Umwelt gegenüberstellt. Die Umwelt kann dabei in seinen Filmen verschiedene Ausmaße nehmen. Im besagten Film „Uhrwerk Orange“ ist es der Staat, der gegenüber gestellt wird, beim Film „Spartacus“ ist es die Gladiatorenschule und bei „Full Metal Jacket“ sind es die vietnamesischen Feinde. Kubrick benutzt diese Dialektik, um beide Seiten miteinander zu verschränken. Gerade der Film „Uhrwerk Orange“ kann hier als ein Paradebeispiel angeführt werden. Zunächst wird dem Zuschauer suggeriert, dass der Held Alex als der Bösewicht des Films zu gelten habe, dem nur Antipartie entgegengebracht werden könne. Als Alex jedoch vom Staat zu einer Gehirnwäsche verurteilt wird, ist der Zuschauer geneigt Mitleid mit ihm zu empfinden, und den Staat als grausam zu verurteilen. Doch welche Gewalt wiegt nun schwerer? Und kann man sich als Zuschauer überhaupt noch mit den Figuren identifizieren?
Hier könnte man sich fragen, ob überhaupt eine Identifikation beabsichtigt gewesen ist. Ich bin der Meinung, dass er konsequent Identifikation verhindern wollte, um einen Anreiz zum Nachdenken zu geben. Wenn man nun Kubricks Stil überträgt auf die Analyse von Dramentheorien lässt die Vermeidung von Identifikation Assoziation zum Epischen Theater zu. Diese Konzeption nach Bertholt Brecht nutzt den sogenannten Verfremdungseffekt, um die Bühnenillusion als solche zu offenbaren. Dieser Effekt kann zum Beispiel im Theater dadurch geschaffen werden, dass der Erzählrahmen durch direkte Ansprache an das Publikum zerstört wird. Auch die Darsteller können dem Publikum ihre Rolle zeigen, anstatt sie zu verkörpern, indem sie zum Beispiel sagen: Jetzt spiele ich einen seriösen Geschäftsmann. Folglich hebt alles die Illusion auf was zur Distanz zum aufgeführten Geschehen führt und verhindert damit eine Identifikation. Diese Distanz ist auch notwendig, denn der Zuschauer soll aufgeschreckt werden und sich Fragen stellen wie: Wieso macht der Regisseur das so?
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Verbindung von Ästhetik und Gewalt sowie Erläuterung des Forschungsgegenstandes anhand von Kubricks Film „Uhrwerk Orange“.
2 Kunst: Theoretische Grundlegung des Ästhetikbegriffs, diskutiert im Kontext historischer Strömungen wie dem Ästhetizismus, der Spätromantik und der Moderne.
3 Gewalt: Eingehende Analyse der filmischen Gestaltungsmittel und der Symmetrie bei Kubrick, illustriert an Beispielen wie „Uhrwerk Orange“ und dem Motiv des Auges.
4 Kunst und Gewalt: Untersuchung der Zensurgeschichte des Films sowie Diskussion über die Wirkung medialer Gewaltdarstellungen auf den Rezipienten.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über Kubricks „kaltes“ ästhetisches Programm und die Rolle des Künstlers als Schöpfer und Zerstörer.
Ästhetik, Gewalt, Stanley Kubrick, Uhrwerk Orange, Kunst, Moderne, Spätromantik, Zuschauer, Identifikation, Distanzierung, Symbolik, Medienwirkung, Zensur, Doppelgänger, Dialektik.
Die Arbeit untersucht, wie Stanley Kubrick Gewalt in seinen Filmen, insbesondere in „Uhrwerk Orange“, als ästhetisches Stilparadigma einsetzt.
Im Zentrum stehen die Beziehung zwischen Kunst und Gewalt, der Einfluss historischer Geistesepochen auf das Werk des Regisseurs sowie die mediale Gestaltung und Wirkung von Filmen.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu belegen, dass Gewalt bei Kubrick kein bloßer Inhalt ist, sondern ein gezieltes ästhetisches Verfahren, das zur Auseinandersetzung mit der Sinnlosigkeit moderner Existenz dient.
Es werden filmwissenschaftliche Analysemethoden, ein Vergleich mit kunstgeschichtlichen und literarischen Epochen sowie eine rezeptionsästhetische Betrachtung angewandt.
Der Hauptteil analysiert die Kompositionsweise Kubricks, die Nutzung geometrischer Symbole wie des Kreises und des Dreiecks sowie die psychologische Tiefe und Symbolik (z.B. Auge, Milch, Blut) in den Filmen.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Ästhetik, Gewalt, Moderne, Identifikation, Distanzierung, Mediale Wirkung und Zensur.
Im Gegensatz zum aristotelischen Theater, das auf Katharsis durch Identifikation setzt, arbeitet Kubrick oft mit Verfremdungseffekten und einer „kalten“ Ästhetik, die Identifikation gezielt verhindert.
Das Auge wird als zentrales Symbol für die Ambivalenz von Wahrnehmung, Macht und der Spiegelung von Ordnung und Chaos innerhalb der Filmästhetik Kubricks analysiert.
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