Bachelorarbeit, 2011
47 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Das Problem der Differenz und feministische Erkenntnis- und Wissenschaftskritik
2.1 „Situiertes Wissen“ – eine feministische Vision von Objektivität
2.1.1 Die drei Positionen feministischer Erkenntnistheorie
2.1.2 Wissen(schaft)/Sprache/Macht
2.1.3 Ermächtigung der „Objekte“ der Forschung
2.2 Kritik und Widersprüche
2.3 Zwischenfazit
3. „worlding“ und „epistemische Gewalt“
3.1 Die drei Formen postkolonialer Wissenschaftskritik
3.1.1 „worlding“ – sich die Welt zu eigen machen
3.1.2 Die zwei Bedeutungen von Repräsentation
3.2 Kritik und Widersprüche
4. Perspektiven für eine feministisch postkolonial informierte erkenntniskritische Sozialwissenschaft
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Positionen von Donna Haraway und Gayatri Chakravorty Spivak zu kontrastieren, um Spannungen und Schnittmengen zwischen postkolonialem Feminismus und feministischer Wissenschaftskritik herauszuarbeiten. Dabei wird untersucht, wie Haraways Konzept des situierten Wissens durch Spivaks Vorstellung von epistemischer Gewalt ergänzt und kritisch erweitert werden kann, um eine dekolonisierte sozialwissenschaftliche Praxis zu fördern.
2.1.2 Wissen(schaft)/Sprache/Macht
Im Folgenden geht es darum, das epistemologische Konzept des situierten Wissens nach Haraway zu erläutern. Es gilt folgende Fragen zu beantworten: Was versteht Haraway unter Wissenschaft? Wie bestimmt Haraway sowohl die Situiertheit des wissenschaftlichen Wissens und der Wissenssubjekte als auch die für die Wissenschaftsanalyse relevanten Faktoren? Welche Relevanz kommt den Wissenssubjekten und denjenigen, die im Wissenschaftsprozess nicht den Status eines Subjekts innehaben zu? Folgt aus dem situierten Wissen notwendigerweise ein Erkenntnisrelativismus oder lassen sich Situiertheit des Wissens mit Objektivitätsansprüchen vereinbaren? Zusammengehalten werden all diese Fragen durch die Verbindung von Wissen, Macht und Ermächtigung, die beim Harawayschen Konzept des situierten Wissens im Vordergrund stehen.
Donna Haraways Konzept des situierten Wissens fiel in eine Zeit, in der konstruktivistisches Denken immer mehr Widerhall in den (US-amerikanischen) Geistes- und Sozialwissenschaften fand (vgl. Engelstad/Gerrard 2005: 2). In dieselbe Zeit fiel auch die immer lauter werdende feministische Kritik, die das Missachten von Frauen im Allgemeinen, weiblicher Perspektiven und Lebenszusammenhänge in der Wissenschaftsproduktion beanstandete.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das transdisziplinäre Feld der postkolonialen Theorie ein und stellt die Forschungsfrage zur Kontrastierung der erkenntnistheoretischen Positionen von Haraway und Spivak.
2. Das Problem der Differenz und feministische Erkenntnis- und Wissenschaftskritik: Dieses Kapitel erläutert die Krise des feministischen Kollektivsubjekts und die Entstehung der feministischen Standpunkttheorie als notwendige Vorarbeit für Haraways Konzept.
2.1 „Situiertes Wissen“ – eine feministische Vision von Objektivität: Hier wird Haraways zentrales Konzept des situierten Wissens detailliert vorgestellt und in den Kontext feministischer Erkenntnistheorien eingeordnet.
2.1.1 Die drei Positionen feministischer Erkenntnistheorie: Dieser Unterpunkt differenziert zwischen Standpunkttheorie, Postmodernismus und Empirismus.
2.1.2 Wissen(schaft)/Sprache/Macht: Dieses Kapitel untersucht Haraways Verständnis von Wissenschaft als kultureller und machtgestützter Wissensproduktion.
2.1.3 Ermächtigung der „Objekte“ der Forschung: Hier wird Haraways Forderung nach einer Emanzipation von Wissensobjekten und der Auflösung der Subjekt-Objekt-Trennung behandelt.
2.2 Kritik und Widersprüche: Eine kritische Auseinandersetzung mit Haraways Ansatz, insbesondere hinsichtlich der Fixierung auf wissenschaftliches Wissen und der mangelnden Rückbindung an Gesellschaftstheorie.
2.3 Zwischenfazit: Eine tabellarische Gegenüberstellung von Haraways feministischer Objektivität und traditionellen Objektivitätslehren zur Verdeutlichung der Kernargumente.
3. „worlding“ und „epistemische Gewalt“: Dieses Kapitel führt in Spivaks Begriffe ein und kritisiert westliche Denker wie Foucault und Deleuze hinsichtlich ihres Eurozentrismus.
3.1 Die drei Formen postkolonialer Wissenschaftskritik: Ein Überblick über die postkoloniale Forschung und deren Fokus auf die Dekolonisierung des Wissens.
3.1.1 „worlding“ – sich die Welt zu eigen machen: Erläuterung der diskursiven Aneignung der Welt durch eurozentrische Logik bei Spivak.
3.1.2 Die zwei Bedeutungen von Repräsentation: Spivaks zentrale Unterscheidung zwischen Vertretung und Darstellung als Voraussetzung für dekoloniales Sprechen.
3.2 Kritik und Widersprüche: Reflexion über Spivaks komplexe Sprache und die Herausforderung, keine politischen Lösungen aufzuzeigen.
4. Perspektiven für eine feministisch postkolonial informierte erkenntniskritische Sozialwissenschaft: Zusammenführung der Ergebnisse zur Ableitung einer kritischen, selbstreflexiven sozialwissenschaftlichen Praxis.
5. Fazit: Eine abschließende Synthese der Gemeinsamkeiten und wesentlichen Differenzen zwischen Haraway und Spivak hinsichtlich ihrer wissenschaftskritischen Ansätze.
Postkoloniale Theorie, Feminismus, Situiertes Wissen, Epistemische Gewalt, Wissenschaftskritik, Erkenntnistheorie, Subalternität, Repräsentation, Weltaneignung, Gender, Machtverhältnisse, Dekolonisierung, feministische Epistemologie, Donna Haraway, Gayatri Chakravorty Spivak
Die Arbeit beschäftigt sich mit den wissenschafts- und erkenntniskritischen Positionen von Donna Haraway und Gayatri Chakravorty Spivak im Spannungsfeld zwischen postkolonialer Theorie und Feminismus.
Zentrale Felder sind die Verbindung von Wissen und Macht, die Rolle der Intellektuellen, die Problematik der Repräsentation unterdrückter Gruppen und die Dekolonisierung wissenschaftlicher Wissensproduktion.
Das Ziel ist es, die Positionen von Haraway und Spivak zu kontrastieren, um Spannungen sowie Schnittmengen zu identifizieren und daraus Perspektiven für eine kritische, postkolonial informierte Sozialwissenschaft zu entwickeln.
Die Arbeit nutzt eine erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Analyse sowie einen komparativen Ansatz, um die Konzepte beider Theoretikerinnen zueinander in Beziehung zu setzen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Haraways situiertem Wissen (Kapitel 2) und Spivaks Begriffen der epistemischen Gewalt und Subalternität (Kapitel 3), gefolgt von einer kritischen Reflexion für die sozialwissenschaftliche Praxis (Kapitel 4).
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Situiertes Wissen, Epistemische Gewalt, Repräsentation, Subalternität, Postkolonialismus und feministische Erkenntniskritik.
Spivak unterscheidet zwischen Repräsentation als politischer Vertretung und als Darstellung, um aufzuzeigen, wie westliche Intellektuelle durch ihre Arbeit unbeabsichtigt hegemoniale Machtstrukturen reproduzieren können.
Die Autorin diskutiert Spivaks Vorschlag des strategischen Schweigens als eine Möglichkeit für subalterne Subjekte, der Vereinnahmung durch westliche Wissenschaftsdiskurse zu entgehen.
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