Diplomarbeit, 2015
110 Seiten, Note: 1,9
1 Einführung
2 Identitäten und soziale Rollen
2.1 Geschlecht und Forschung
2.2 Der Mann und Männlichkeit
2.3 Hegemoniale Männlichkeit
2.4 Der Habitus nach Bourdieu
2.5 Der soziale Raum Bourdieus
2.6 Konnektivität von hegemonialer Männlichkeit nach Connell und dem Habituskonzept
3 Herausforderungen der Modernisierung im Wandel der Zeit
3.1 Zur Lage der Familie
3.1.1 Vaterschaft und Männlichkeit - eine Standortbestimmung
3.1.2 Inmitten des Umbruchs
3.1.3 Wandel der Erwerbstätigkeit – Einfluss auf Familie und Vaterschaft
3.1.4 Auf neuen Wegen – Väter zwischen Tradition und Moderne
3.2 Das neue Sorgenkind des Bildungssystems
3.3 Zur Begrifflichkeit der Krise
4 Der Mann im Gesundheitssystem
4.1 Suizidalität
4.1.1 Terminologie und Risikofaktoren
4.1.2 Das Phänomen des Suizids bei Männern
4.1.3 Ursachenforschung
4.2 Empirische Untersuchung
4.2.1 Datenmaterial und Methodik
4.2.2 Vorgehensweise und Datenauswertung
4.2.3 Ergebnisse
4.2.4 Analyse
5 Resümee
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen an die männliche Identität und Männlichkeit im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wandlungsprozesse wie Individualisierung und Modernisierung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit traditionelle Rollenbilder für den modernen Mann noch adäquat sind und welche strukturellen sowie psychosozialen Faktoren – insbesondere im Hinblick auf Gesundheit und Suizidalität – krisenhafte Entwicklungen begünstigen.
1 Einführung
Herbert Grönemeyer fragte auf seinem 1984 erschienen Album „4630 Bochum“, wann denn ein Mann ein Mann sei. Seine Stereotypenbeschreibung im Lied „Männer“ umfasst zum einen den starken, furchtlosen Mann, der als einsamer Streiter Raketen baut, Kriege führt und ständig unter Strom steht. Andererseits weinen sie heimlich, so Grönemeyer. Der Mann brauche zu dem viel Zärtlichkeit und ist verletzlich. Ein durch Widersprüche gekennzeichneter Text, der durch die Frage nach der Männlichkeit im Refrain abgerundet wird. Gut 30 Jahre später wirkt dieser aktueller denn je: der Mann sieht sich gegenwärtig einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber, die sämtliche Lebensbereiche an ihn stellen. Seine Männlichkeit unterliegt zunehmend einer Diskursivierung, im Zuge von Ausdifferenzierungs- und Individualisierungsprozessen werden alte Leitbilder brüchig und neue Rollenideale stehen am Beginn einer normativen Etablierung.
Die höchst ausdifferenzierte Konsumgesellschaft überlädt den jungen Mann mit enormer Diversität an Männlichkeitsidealen. Die Vielfältigkeit an Einflüssen, Erwartungen und Wünschen der Mitmenschen liefert extreme Handlungsspielräume zum einen, zum anderen führen sie allerdings auch zur Verunsicherung und Schwierigkeit, daraus eine stabile Identität konstruieren zu können und modernen Anforderungen gerecht zu werden. Geschlecht fungiert nach wie vor als major status und bildet eine zentrale Komponente in sozialen Ungleichheitsbelangen. Es ist Türöffner und Türschließer zu differenten sozialen Sphären in Formen von Bildungszugängen und Möglichkeiten in der Erwerbswelt zugleich.
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Verunsicherung des Mannes im Kontext von Individualisierung und dem Wandel traditioneller Männlichkeitsbilder.
2 Identitäten und soziale Rollen: Dieses Kapitel legt das theoretische Fundament durch die Auseinandersetzung mit Identitätskonstruktionen, sozialen Rollen und zentralen Konzepten wie hegemonialer Männlichkeit und dem Habitus nach Bourdieu.
3 Herausforderungen der Modernisierung im Wandel der Zeit: Hier werden die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf zentrale Lebensbereiche wie Familie, Vaterschaft, Erwerbstätigkeit und das Bildungssystem analysiert.
4 Der Mann im Gesundheitssystem: Dieses Kapitel befasst sich mit der spezifischen gesundheitlichen Situation von Männern, fokussiert auf Suizidalität und präsentiert eine empirische Untersuchung von Rettungsdaten.
5 Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine verstärkte Unterstützung für Männer bei der Bewältigung moderner Rollenanforderungen unter Vermeidung von Geschlechterungleichheit.
Männlichkeit, Identität, Vaterschaft, soziale Rollen, Modernisierung, Hegemoniale Männlichkeit, Habitus, Gesundheit, Suizidalität, Prekarisierung, Geschlechterforschung, Individualisierung, Bildungssystem, Sozialisation, Rollenbild.
Die Arbeit analysiert die moderne männliche Identität und die Herausforderungen, mit denen sich Männer in der heutigen, durch Modernisierung und Individualisierung geprägten Gesellschaft konfrontiert sehen.
Die zentralen Themen sind die Konstruktion von Männlichkeit, der Wandel familialer Rollen (insbesondere Vaterschaft), die Situation von Männern im Bildungssystem sowie die gesundheitliche Lage, mit einem besonderen Fokus auf Suizidalität.
Ziel ist es, den modernen Mann in seinen ambivalenten Suchbewegungen zu verstehen und zu diskutieren, inwieweit traditionelle Rollenbilder heute noch tragfähig sind oder ob neue Anpassungsleistungen erforderlich sind.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten theoretischen Aufarbeitung soziologischer Konzepte (u.a. Bourdieu, Connell) und verknüpft diese mit einer empirischen Auswertung von Notfall- und Rettungsprotokollen aus dem Raum Dresden.
Der Hauptteil analysiert theoretisch die Konstruktion von Identität und Männlichkeit, beleuchtet dann in verschiedenen Sektionen den Wandel der Familie und Vaterschaft sowie die Problematik der "Bildungsverlierer" und endet in einer detaillierten Analyse männlicher Suizidalität.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Männlichkeit, Identität, Vaterschaft, soziale Rollen, Modernisierung, Suizidalität und Prekarisierung charakterisiert.
Vaterschaft ist ein zentraler Bestandteil des modernen männlichen Identitätsbildes, befindet sich jedoch im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach gleichberechtigter, fürsorglicher Teilhabe und dem traditionellen, ökonomischen Versorgeranspruch.
Die Untersuchung zeigt eine Überrepräsentanz von Jungen in minderqualifizierenden Schultypen sowie eine zunehmende Tendenz, dass Mädchen in schulischen Leistungen aufholen oder diese übertreffen, was Jungen als "neue Verlierer" im Bildungssystem positioniert.
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