Magisterarbeit, 2004
131 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
II. Das politische und gesellschaftliche Leben im Wilhelminischen Kaiserreich
1. Die Entwicklung des Wilhelminischen Reichs
2. Alltag im Besitz-, Bildungs- und Großbürgertum
a) Das Frauenbild zur Jahrhundertwende
b) Die Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft
c) Kindererziehung im Großbürgertum
d) Mädchenleben in der Bourgeoisie
3. Alltag des Kleinbürgertums, der Arbeiter und Bauern
a) Mädchenleben im Proletariat
b) Frauenrechtlerinnen
III. Mädchenliteratur im Wilhelminischen Kaiserreich und ihre pädagogischen Implikationen
1. Ein Überblick über die Sparten der Mädchenliteratur
a) Mädchenratgeber
b) Backfischliteratur
c) Mädchenzeitschriften
2. Die Beliebtheit der Mädchenliteratur
a) Die Funktion der Mädchenliteratur für höhere Töchter
b) Die Funktion der Literatur für Arbeitermädchen
3. Die Mädchenratgeber und ihre pädagogischen Inhalte
a) Karl Weiß: Unsere Töchter und ihre Zukunft. Mädchen-Erziehungs-Buch.
b) Malvine von Steinau: Leitfaden für junge Mädchen beim Eintritt in die Welt.
c) Amalie Baisch (Hg.): Aus der Töchterschule ins Leben. Ein allseitiger Berater für Deutschlands Jungfrauen.
4. Der Mädchenroman und seine Erziehungswerte, aufgezeigt am Beispiel von Fanny Stöckert‘s „Trudchens Tagebuch“
5. Die Zeitschriften für Mädchen und ihre Diversität
IV. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Mädchenerziehung im Wilhelminischen Kaiserreich und analysiert, wie diese durch geschlechtsspezifische Mädchenliteratur maßgeblich geprägt, gelenkt und in starre gesellschaftliche Rollenmodelle gedrängt wurde. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die identitätsstiftende Funktion dieser Literatur sowie deren pädagogische Instrumentalisierung zur Festigung bürgerlicher Tugenden.
2a. Das Frauenbild zur Jahrhundertwende
Das allgemein angesehene Frauenbild entspricht dem bürgerlichen Weiblichkeitsideal, welches noch von Rousseau, Kant und Campe geprägt ist. Dieses Ideal stützt sich auf die „geistige Mütterlichkeit“, einem Begriff, der von Henriette Schrader-Breymann 1868 eingeführt wird (vgl. Kleinau/Mayer 1996, S.23). Mütterlichkeit wird als gesellschaftstauglicher Beruf gewertet. Damit ist die der Frau zugedachte Rolle bereits ausgefüllt: sie soll eine gute Mutter sein, sich um das Haus kümmern und eine pflichtgetreue Ehefrau sein, ganz so wie es in ihrer natürlichen Bestimmung liegt. Schließlich ist nach Rousseau die Frau von Natur aus dazu bestimmt, Mutter und somit auch Hausfrau zu sein (vgl. Rousseau 1998, S.9 ff.).
Die weiblichen anthropologischen Anlagen werden stets mit Schwäche gleichgesetzt und mit passiven, weichen Eigenschaften beschrieben. Dazu zählen Güte, Geduld, Mitgefühl, Bescheidenheit, Selbstlosigkeit, Selbstverleugnung, Schamhaftigkeit, Sanftmut, Sorgfalt, Sittlichkeit, Ordentlichkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Freundlichkeit, Kinderliebe, Gefallensstreben, und nicht zuletzt Schönheit und Anmut. Weitere vom männlichen Geschlecht ihr zugewiesenen Charakterbestimmungen sind die Naivität, Kindlichkeit und Unwissenheit. Diese indoktrinierten Persönlichkeitsmerkmale berechtigen den Mann zur Formung seiner Ehefrau und fordern ihn geradezu auf. Bei diesem Erziehungsakt ist jedoch zu beachten, dass der Frau nicht zu viel Wissen zugetragen wird, denn dem Volksgeist nach verlangt übermäßige geistige Arbeit der körperlichen Anmut der Frauen zu viel ab. Darüber hinaus kann die geistige Beschäftigung zum Verlust des Verstand führen. Das äußert sich in erhöhter Nervosität, Überspanntheit und endet schließlich in der Geisteskrankheit.
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die gesellschaftliche Ausgangslage und die Zielsetzung der Arbeit, die Mädchenerziehung im Wilhelminischen Kaiserreich anhand geschlechtsspezifischer Literatur zu beleuchten.
II. Das politische und gesellschaftliche Leben im Wilhelminischen Kaiserreich: Dieses Kapitel analysiert die sozio-ökonomischen Entwicklungen und die stark differenzierten Lebensbedingungen von Mädchen im Bürgertum und Proletariat.
III. Mädchenliteratur im Wilhelminischen Kaiserreich und ihre pädagogischen Implikationen: Hier wird die zentrale Rolle der Literatur als pädagogisches Steuerungsinstrument sowie die Funktion einzelner Genres wie Ratgeber und Romane für die Mädchensozialisation untersucht.
IV. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die normierende und einschränkende Wirkung der Mädchenerziehung zusammen, die trotz aufkommender emanzipatorischer Ansätze das tradierte Geschlechtermodell festigte.
Wilhelminisches Kaiserreich, Mädchenerziehung, Mädchenliteratur, Weiblichkeitsideal, Sozialisation, Mädchenratgeber, Backfischliteratur, Geschlechterrollen, Bürgertum, Proletariat, Pädagogik, Identitätsfindung, Häuslichkeit, Mütterlichkeit.
Die Arbeit untersucht die erzieherische Sozialisation von Mädchen im Wilhelminischen Kaiserreich und zeigt auf, wie Literatur gezielt eingesetzt wurde, um junge Mädchen auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorzubereiten.
Die Arbeit beleuchtet die unterschiedlichen Lebenswelten von Mädchen in verschiedenen sozialen Schichten, das vorherrschende bürgerliche Weiblichkeitsideal sowie die Rolle der Literatur als Erziehungsinstrument.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Mädchenliteratur dazu diente, weibliche Identität innerhalb enger, durch das Patriarchat definierter Grenzen zu formen und die gesellschaftliche Ordnung des Kaiserreichs zu stabilisieren.
Es handelt sich um eine literatur- und kulturhistorische Analyse, die pädagogische Fachliteratur und Mädchenbücher dieser Epoche als Zeitdokumente interpretiert.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Sparten der Mädchenliteratur (Ratgeber, Romane, Zeitschriften) und deren spezifische erzieherische Absichten, vom Vermitteln von Haushaltswissen bis hin zur Dressur auf "weiblichen Takt".
Die wichtigsten Begriffe umfassen Wilhelminisches Kaiserreich, Mädchenerziehung, Mädchenliteratur, Weiblichkeitsideal, Sozialisation und Geschlechterrollen.
Die Arbeit konstatiert, dass Ratgeber pragmatischer und stärker auf die berufliche oder häusliche Vorbereitung ausgerichtet waren, während Mädchenromane stärker die "Schein-Identität" durch die Hoffnung auf Liebesheirat bedienten.
Während Mädchen des Bürgertums auf die Rolle als "Dame des Hauses" vorbereitet wurden, stand für Mädchen aus dem Proletariat das Überleben und die frühe Erwerbsarbeit im Vordergrund, was sich in unterschiedlichen Bildungszielen und literarischen Angeboten widerspiegelte.
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