Masterarbeit, 2014
63 Seiten, Note: 1,3
1 EINLEITUNG
2 DON JUAN IN DER LITERARISCHEN TRADITION
2.1 Don Juan als betrügerischer Verführer
2.2 Die Dienerfigur
2.3 Der bestrafte Verführer
3 DON JUAN IN DER PHILOSOPHIE
3.1 Don Juan als Inbegriff sinnlicher Genialität
3.2 Don Juan als Prototyp des absurden Menschen
4 DON JUAN (ERZÄHLT VON IHM SELBST) – ANALYSE UND INTERPRETATION
4.1 Erzähler-Zuhörer-Erzähler
4.2 Don Juan und die Frauen
4.3 Die Dienerfigur
4.4 „Herr seiner Zeit“ – Don Juans Verhältnis zur Zeit
4.5 Das Prinzip der Wiederholung
4.6 Sieben Tage, sieben Frauen... Mythisierung des Erzählens
4.7 Don Juan auf der Flucht
5 ZUSAMMENFASSUNG
Die Masterarbeit untersucht Peter Handkes Erzählung „Don Juan (erzählt von ihm selbst)“ (2004) im Kontext der literarischen und philosophischen Don Juan-Tradition, um aufzuzeigen, wie Handke klassische Motive dekonstruiert und einen neuen, nach dem Augenblick strebenden Don Juan erschafft.
2.1 Don Juan als betrügerischer Verführer
Sowohl Molina als auch Moliére und Mozart/Da Ponte porträtieren Don Juan als einen ruchlosen Verführer zahlreicher Frauen, der keinen Skrupel kennt, um seine Eroberungen durchzusetzen. Jedoch ist er kein ‚Eroberer‘ im Sinne des „ästhetischen Verführers“, sondern der ‚Betrüger‘, worauf auch das spanische ‚Burlador‘ hindeutet. Dennoch wirkt er unwiderstehlich auf das weibliche Geschlecht. Eine nicht definierbare Aura umgibt ihn. Ihrerseits fühlen sich Frauen von Don Juan magisch angezogen und erliegen seinem Begehren ohne Widerstand zu leisten: „Don Juan ist ein ‚vedi-vidi-vici Held‘, er kommt, sieht und siegt. Sein Begehren und Hingabe fallen in eins.“
Die Verführungskünste Don Juans sind schlicht. Bei Molina beschränken sie sich lediglich auf zwei Tricks: entweder gaukelt Don Juan den Frauen im Dunkel der Nacht mit Masken und vertauschten Mänteln vor, der eigentliche Geliebte zu sein oder er verspricht eine Heirat und flieht nach der vorgezogenen Hochzeitsnacht. Dieses Grundmodell der donjuanesken Verführung setzt Molina geschickt in unterschiedliche Episoden um. Dabei bedient er sich der Dramaturgie der variierenden Wiederholung, die sich in vier rasch aufeinanderfolgenden Verführungsszenen ereignen. In der ersten nächtlichen Szene schließt sich Don Juan mit der Maske des Herzogs bei der Herzogin Isabella ein, erklärt ihr flüsternd-beschwichtigend, er sei ihr Verlobter und entehrt sie ohne seine Anonymität aufzugeben. Auf die Frage Isabellas nach seiner Identität antwortet er „Nun ein Mann, der keinen Namen hat.“ So stellt die erste Szene Don Juan als den namenlosen Verführer dar. Dennoch enthüllt sich seine „Verführungsexistenz“ im weiteren Verlauf des Geschehens.
1 EINLEITUNG: Einführung in den Don Juan-Mythos, die Forschungsfrage der Arbeit und Vorstellung von Peter Handkes Erzählung „Don Juan (erzählt von ihm selbst)“.
2 DON JUAN IN DER LITERARISCHEN TRADITION: Untersuchung der klassischen Don Juan-Fassungen von Molina, Molière und Mozart/Da Ponte sowie deren zentrale Motive (Verführung, Diener, Rache).
3 DON JUAN IN DER PHILOSOPHIE: Analyse der philosophischen Deutungen Don Juans durch Sören Kierkegaard (sinnliche Genialität) und Albert Camus (der absurde Mensch).
4 DON JUAN (ERZÄHLT VON IHM SELBST) – ANALYSE UND INTERPRETATION: Detaillierte Untersuchung von Handkes Werk hinsichtlich der Erzählsituation, der Figurenkonstellation, der Zeiterfahrung und mythischer Motive.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse über die Neuinterpretation des Verführer-Mythos bei Peter Handke.
Don Juan, Peter Handke, Literaturtradition, Verführer, Philosophie, Sören Kierkegaard, Albert Camus, Mythos, Zeit, Wiederholung, Erzähltheorie, Frauenzeit, Metafiktion, Identität, Männlichkeitskrise.
Die Arbeit untersucht, wie Peter Handke in seiner Erzählung „Don Juan (erzählt von ihm selbst)“ das traditionelle Bild des Don Juan-Mythos dekonstruiert und neu interpretiert.
Die zentralen Felder umfassen die literarische Tradition, die philosophische Deutung (Kierkegaard/Camus), das Verhältnis zur Zeit, das Prinzip der Wiederholung und die spezifische Erzählweise Handkes.
Die zentrale Frage ist, was den Handkeschen Don Juan ausmacht, inwiefern er sich vom klassischen Verführer unterscheidet und ob er als neuer Don Juan betrachtet werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Literaturanalyse, die Handkes Text mit den klassischen Vorbildern sowie philosophischen Konzepten kontrastiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-theoretische Fundierung des Mythos, eine Analyse der philosophischen Einordnung und eine spezifische Interpretation von Handkes Werk.
Besonders prägend sind Begriffe wie „Frauenzeit“, der „Blick“ als Machtinstrument, der „Zählzwang“, das „Prinzip der Wiederholung“ und die „Meta-Fiktion“.
Während klassische Don Juans oft als betrügerische Triebtäter ohne Skrupel dargestellt werden, ist Handkes Protagonist eine melancholische Figur, die nicht aus sexueller Lust, sondern aus Pflichtgefühl handelt.
Die Zeiterfahrung ist das Hauptcharakteristikum; Handke ersetzt die lineare Zeit durch eine qualitative „Frauenzeit“ und setzt den „Zählzwang“ als Strategie gegen die Vereinzelung ein.
Der namenlose Ich-Erzähler ist eine zentrale Instanz, durch deren Wahrnehmung die Geschichte erst entsteht, was den Text zu einer Meta-Fiktion macht.
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