Magisterarbeit, 2014
100 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Gegenstand der Arbeit und Leitfragen
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Soziale Praxis nach Bourdieu
2.1. Sozialer Raum
2.2. Habitus
2.2.1. Geschmack
2.2.2. Die männliche Herrschaft
2.2.3. Sprache
2.3. Kapitalformen
2.4. Soziales Feld
2.5. Die kulturelle Praxis nach Bourdieu
3. Die Entstehung und Definition des Hip Hop
3.1. Rap
4. Entstehung und Definition des Gangsta-Rap
4.1. Gangsta-Rap in Deutschland
5. Neukontextualisierung der Gangsta-Rap-Praktiken
5.1. Identitätskonstruktion und -repräsentation
5.2. Authentizität
5.3. Performativität
5.4. Sprache
5.5. Ethnitizität
5.6.1. Der Krisendiskurs (2005-2009)
5.7. Geschlechtskonstruktionen
5.7.1. Männlichkeitskonstruktionen
5.8. Gettozentrizität und Urbanität
5.9. Lokalität und Neukontextualisierung
6. Inhalts- und Diskursanalyse
6.1. Auswahl des Untersuchungsmaterials
6.2. Methodisches Vorgehen
6.3. Strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
6.4. Diskursanalyse
6.5. Strukturierungsdimensionen und Kategorien
7. Die kulturelle Praxis des Gangsta-Rap darstellt in den Raptexten von Haftbefehl
7.1. Kurzbiografie von Haftbefehl
7.2. Die Funktion von Sprache und Ethnizität
7.2.1. Ethnizität als abgrenzendes Element
7.2.2. Sprache und Codes als Differenzierungsmassnahme
7.2.3. Diskursbetrachtung zur Funktion von Sprache und Ethnizität
7.2.4. Exkurs: Die Antisemitismus-Debatte
7.2.5. Zwischenfazit zur Funktion von Sprache und Ethnizität
7.3. Darstellung von Authentizität und Konstruktion einer Gangster-Identität
7.3.1. Gewaltdarstellung als Mittel zur Authentifizierung
7.3.2. Drogenhandel als Mittel der Authentifizierung
7.3.3. Gangsterfiguren als Mittel der Authentifizierung
7.3.4. Zuhälterei als Mittel der Authentifizierung
7.3.5. Diskursbetrachtung zur Importanz von Authentizität und Identität
7.3.6. Exkurs: Der Authentizitätstest im realen Leben
7.3.7. Zwischenfazit Authentizität und Gangster-Identität
7.4. Präsentation von sozialer Ungleichheit
7.4.1. Die Symbolik des Ghetto und Block als Raum der Hoffnungslosigkeit
7.4.2. Betäubung als Mittel zur Realitätsbewältigung
7.4.3. Die Stadt als Projektionsfläche der eigenen Identität
7.4.4. Repräsentation von Staat und Staatsgewalt
7.4.5. Repräsentation des Gefängnis
7.4.6. Diskursbetrachtung zur Repräsentation von sozialer Ungleichheit
7.4.7. Zwischenfazit zur Darstellung sozialer Ungleichheit
7.5. Geschlechtskonstruktionen im Gangsta-Rap
7.5.1. Die Symbolik der ,,Bitch”
7.5.2. Frauen als Status- und Sexsymbol
7.5.3. Sexualpraktiken als Artikulation der Männlichkeit
7.5.4. Weiblichkeit und Homophobie als Abgrenzungsmerkmal
7.5.5. Diskursbetrachtung zu Geschlechtskonstruktionen im Gangsta-Rap
7.5.6. Zwischenfazit zu Geschlechtskonstruktionen im Gangsta-Rap
7.6. Repräsentation von Rap- und Battle-Praktiken
7.6.1. Repräsentation der Skills
7.6.2. Diskreditierungstaktiken im Battle
7.6.3. Diffamierung der Deutsch-Rap-Szene
7.6.4. Diskursbetrachtung zu Rap- und Battle-Praktiken
7.6.5. Zwischenfazit zu Repräsentation von Rap- und Battle-Praktiken
7.7. Repräsentation des feldinternen und sozialen Aufstiegs
7.7.1. Das From Rags to Riches-Prinzip
7.7.2. Sozialer Aufstieg durch Bildung
7.7.3. Soziales Kapital als Mittel zum Aufstieg
7.7.4. Illustration des Erfolges in Form von Luxusgütern
7.7.5. Diskursbetrachtung zur Repräsentation des feldinternen und sozialen Aufstieg
7.7.6. Zwischenfazit zur Repräsentation des feldinternen und sozialen Aufstieg
8. Die Raum-Feld-Habitus-Symbiose am Beispiel Haftbefehls
9. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle Praxis des Gangsta-Rap am Beispiel des Offenbacher Künstlers Haftbefehl. Das primäre Ziel ist es, unter Anwendung der soziologischen Theorien von Pierre Bourdieu – insbesondere den Konzepten von Habitus, sozialem Feld, Kapitalien und symbolischer Herrschaft – die habituellen Praktiken, Identitätskonstruktionen und sozialen Aushandlungsprozesse innerhalb dieses Feldes greifbar zu machen und zu analysieren.
7.3.1. Gewaltdarstellung als Mittel zur Authentifizierung
Authentizität wird im Gangsta-Rap performativ mittels verschiedener Wesens- und Charakterzüge hergestellt. Darunter fällt zum einen eine latente Gewaltbereitschaft sowie die Darstellung von Gewaltakten, sei es in Form von körperlicher Gewalt bis hin zum Mord. So lässt Haftbefehl in seinen Texten wissen, dass das Gesagte nicht reine Fiktion ist sondern einen realen Bezug birgt („Ich lebe, was ich rede, verstehst du Killer?“ (BP208)). Eine konstante Berufung auf die eigene Authentizität, die sogenannte Realness, ist speziell im Gangsta-Rap ein unabdingbarer inhaltlicher Bestandteil („Der Pilot wird gekidnappt, Al Qaida-Style/ihr meint, dass ich übertreibe, bis ich vor euch stehe“ (K15)). Haftbefehl‘s Eigencharakterisierung zeichnet eine Person mit einer niedrigen Hemmschwelle und offeriert, dass er nicht viel Zeit oder Worte für eine Konfliktlösung aufwendet, sondern etwaige Unstimmigkeit zügig mittels Gewalt beendet („Ich rede nicht viel/glaub mir, Bruder, ich schieße“ (AS04)). Seine lyrische Identitätsrepräsentation spiegelt ein Abbild eines hyperaggressiven, gesetzlosen Kriminellen, der sich problem- und furchtlos gegen alles ihm Entgegengesetzte durchzusetzen weiß.
„Fick Gesetze wie Nutten, ich regel Stress mit der Wumme Es macht brät, Junge fick deine Mutter Was für McFit und pumpen, scheiß mal auf Testoampullen Alles Luft, ich zerfetz' deine Muskeln mit der Magnum, du Schwuchtel Es macht click clack, besser ducken, 6 Kugeln in die Köpfe deiner Kumpel“ (K03)
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Gangsta-Rap als popkulturelles Phänomen und Darlegung der zentralen Forschungsfragen zur kulturellen Praxis am Beispiel von Haftbefehl.
2. Soziale Praxis nach Bourdieu: Fundierte theoretische Herleitung der zentralen soziologischen Begriffe wie Habitus, Feld, Kapitalien und männliche Herrschaft nach Pierre Bourdieu.
3. Die Entstehung und Definition des Hip Hop: Historischer Überblick zur Entstehung der Hip-Hop-Kultur in der New Yorker South Bronx und deren sozioökonomische Hintergründe.
4. Entstehung und Definition des Gangsta-Rap: Analyse des spezifischen Subfeldes Gangsta-Rap, dessen Wurzeln in Los Angeles liegen und dessen mediale Diskursgeschichte.
5. Neukontextualisierung der Gangsta-Rap-Praktiken: Theoretische Betrachtung der konstitutiven Elemente wie Identitätskonstruktion, Authentizität, Sprache und Gender im Kontext des Gangsta-Rap.
6. Inhalts- und Diskursanalyse: Methodische Erläuterung der qualitativen Inhaltsanalyse und der Diskursanalyse, die zur Untersuchung der Texte Haftbefehls herangezogen werden.
7. Die kulturelle Praxis des Gangsta-Rap darstellt in den Raptexten von Haftbefehl: Empirischer Hauptteil, der die Kategorien Sprache, Ethnizität, Authentizität, Gewalt und sozialen Aufstieg anhand der Texte von Haftbefehl analysiert.
8. Die Raum-Feld-Habitus-Symbiose am Beispiel Haftbefehls: Synthese der Untersuchungsergebnisse zur Beschreibung des spezifischen Zusammenwirkens von Raum, Feld und Habitus bei Haftbefehl.
9. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse und Anregungen für zukünftige wissenschaftliche Forschung im Bereich Gangsta-Rap.
Haftbefehl, Gangsta-Rap, Pierre Bourdieu, Habitus, soziales Feld, Authentizität, Identitätskonstruktion, Migrationshintergrund, Kiezdeutsch, Männlichkeit, Diskursanalyse, soziale Ungleichheit, kulturelle Praxis, Rap-Texte, Hybridisierung.
Die Arbeit untersucht die kulturelle Praxis des deutschen Gangsta-Rap am Beispiel des Offenbacher Rappers Haftbefehl unter Anwendung soziologischer Theorien von Pierre Bourdieu.
Die Schwerpunkte liegen auf Identitätskonstruktion, sprachlichen Besonderheiten (wie die Hybridisierung der Sprache), Authentizität, Geschlechterrollen (Männlichkeit) sowie der Darstellung von Gewalt und sozialer Ungleichheit.
Ziel ist es, Muster und habituelle Praktiken innerhalb des Feldes des Gangsta-Rap durch die soziologische Brille Bourdieus verständlich zu machen und die Motivation der Akteure zu analysieren.
Die Autor verwendet eine strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring sowie eine Diskursanalyse, um sowohl die Songtexte von Haftbefehl als auch mediale Quellen zu interpretieren.
Im Hauptteil (Kapitel 7) werden die identifizierten Kategorien (Sprache, Ethnizität, Authentizität, soziale Ungleichheit, Männlichkeit, Rap-Praktiken) detailliert anhand der Songs von Haftbefehl analysiert und diskutiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Azzlack", "Babo", Habitus, symbolisches Kapital, hegemoniale Männlichkeit und die "Hybridisierung der deutschen Sprache".
Haftbefehl wird aufgrund seines hohen kommerziellen Erfolgs und seiner besonderen Art der Sprachverwendung (eigene codierte Sprache) als Paradebeispiel für die aktuelle Entwicklung des deutschen Gangsta-Rap gewählt.
Die Gewalt- und Kriminalitätsdarstellungen werden nicht als reale, 1:1 dokumentierte Wahrheit gewertet, sondern als Mittel zur Authentifizierung im künstlerischen Feld des Gangsta-Rap, um sich als Akteur zu behaupten.
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