Bachelorarbeit, 2016
47 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Zerstörte Augen: Seewalds Gregorsmesse im Kontext des Münsteraner Bildersturms
2.1 Repräsentation, Substitution und Vision im Bild
2.2 Neue Symbolik der ikonographischen Sprache
2.3 Bild und Betrachter unter dem augenlosen Blick
3 Zerstörerische Augen: Ai Weiweis Dropping a Han Dynasty Urn
3.1 Die fallende Vase
3.2 Macht des Bildblicks
3.3 Bild und Betrachter unter dem direkten Blick
4 Interaktion der Bildobjekte
4.1 Der Verweis auf den Körper
4.2 Konzeptionelle Gegenüberstellung
4.3 Ausblick: Verschiebung auf medialer Achse
5 Fazit
Die Arbeit untersucht die Zerstörungsdimensionen des Blicks in der Kunst, indem sie ikonoklastische Akte als Mechanismen analysiert, die Machtverhältnisse zwischen Bild und Betrachter neu definieren. Anhand von zwei Fallbeispielen wird erforscht, wie durch gezielte Bildzerstörung (oder deren Inszenierung) der Betrachter in seiner Wahrnehmung beeinflusst und das Bildobjekt in seiner Funktion transformiert wird.
Die fallende Vase
Für die Bedeutung des Auges beziehungsweise des Bildblicks ist das fotografische Triptychon Dropping a Han Dynasty Urn (Abb. 6) von Ai Weiwei besonders interessant. Die Fotoserie von 1995 besteht aus drei Fotos, die nebeneinander aufgehängt ausgestellt wurden, während vor den schwarz-weißen Fotografien bunte von Ai angemalte Han-Vasen installiert wurden (Abb. 7).
Auf den Fotografien zeigt sich der Künstler gleichzeitig als Derjenige, der den ikonoklastischen Akt vollzieht: Ai steht in den drei Bildern in der gleichen Haltung am selben Ort vor einer geziegelten Wand. Er ist unbewegter als die Vase, die in Folge der drei Aufnahmen zerbricht. Die Fotografien stellen in drei Einzelbildern den Moment von der ganzen Vase bis zur zerbrochenen Vase dar.
Im ersten Bild präsentiert der Künstler und Zerstörer den Betrachtenden das Objekt, das er in seinen Händen hält. Im zweiten Bild befindet sich die Vase im freien Fall – etwas unter Kniehöhe ist der ganze Gegenstand vertikal und deutlich, nicht verwischt, erkennbar. Ai Weiweis Körperhaltung ändert sich vom zweiten zum dritten Bild kaum: Die gespreizten Finger der erhobenen Hände im dritten Bild erinnern an einen präsentierenden Gestus.
1 Einleitung: Die Einleitung etabliert das Thema der Zerstörungsdimensionen des Blicks und differenziert zwischen dem bloßen Akt der Zerstörung und dem spezifischen Eingriff in Bilddarstellungen, um die Wirkung auf den Betrachter zu hinterfragen.
2 Zerstörte Augen: Seewalds Gregorsmesse im Kontext des Münsteraner Bildersturms: Dieses Kapitel analysiert das historische Gemälde von Seewald und zeigt auf, wie gezielte Augenzerstörungen an dargestellten Figuren die religiöse Bildaussage des katholischen Klerus systematisch negieren und den Betrachter neu positionieren.
3 Zerstörerische Augen: Ai Weiweis Dropping a Han Dynasty Urn: Hier wird Ai Weiweis inszenierter Ikonoklasmus untersucht, wobei insbesondere der direkte Blick des Künstlers in die Kamera als Element analysiert wird, das den Betrachter zur Zeugenschaft zwingt.
4 Interaktion der Bildobjekte: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ansätze der Bildzerstörung von Seewald und Ai Weiwei, um durch eine konzeptionelle Gegenüberstellung die Medialität und die Rolle des Körpers in der Interaktion mit dem Betrachter herauszuarbeiten.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Ikonoklasmen nicht nur historische Phänomene sind, sondern durch mediale und bildtheoretische Verschiebungen stetig neue Machtverhältnisse und Interaktionsformen zwischen Bild und Betrachter erzeugen.
Ikonoklasmus, Bildzerstörung, Blicktheorie, Bildakt, Seewald, Ai Weiwei, Repräsentation, Substitution, Medusa, Betrachter, Machtverhältnis, Bildblick, Visus, Interaktivität, Kunsttheorie.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Bildzerstörung und dem sogenannten "Ikonoklasmus", wobei der Fokus auf den Zerstörungsdimensionen des Blicks liegt.
Zentral sind die Machtverhältnisse zwischen Bildern und Betrachtern, die mediale Wirkung von Bildstrafen sowie die Bedeutung von Auge und Blick in der kunsthistorischen und bildtheoretischen Analyse.
Ziel ist es, eine bildtheoretische Sprache zu entwickeln, um zu verstehen, wie zerstörte oder zerstörerische Augen in Werken das Bildverständnis und die Position des Betrachters transformieren.
Die Arbeit nutzt eine bild- und blicktheoretische Analyse, die Konzepte von Theoretikern wie Horst Bredekamp, Norman Bryson, Louis Marin, Maurice Merleau-Ponty und Jean-Paul Sartre auf konkrete Fallbeispiele anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Gemäldes "Gregorsmesse" von Seewald, das Werk "Dropping a Han Dynasty Urn" von Ai Weiwei sowie eine interaktive Gegenüberstellung dieser beiden Beispiele.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind neben Ikonoklasmus und Bildakt besonders "substitutives Bildverständnis", "Blickentfaltung", "Gaze", "Glance" und die "Medusa-Problematik" als Chiffre für die Macht des Bildblicks.
Während bei Seewald eine historische, religiös motivierte Zerstörung vorliegt, die das Bild verändert, ist Ai Weiweis Ikonoklasmus ein zeitgenössischer, medienbewusster Akt, bei dem das Werk die Zerstörung selbst als Teil der Inszenierung mitliefert.
Das Medusa-Motiv dient als theoretisches Modell, um die "versteinernde" oder handlungsunfähig machende Wirkung des direkten Bildblicks auf den Betrachter zu illustrieren.
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