Masterarbeit, 2014
70 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historische Geschichtskultur in der Geschichtsdidaktik
2.1 Geschichtsbewusstsein
2.2 Geschichtskultur
2.3 Historische Geschichtskultur als Unterrichtsgegenstand? Der Disput zwischen Schönemann und Pandel
3 Historisierung von Geschichtskultur
3.1 Überblick über den Forschungsstand
3.2 Synthese gelungener Konzepte zur Historisierung von Erinnerungskulturen
3.3 Entwicklungsmodell der Erinnerungskulturen
4 Potentiale historischer Erinnerungs- und Geschichtskultur für den Geschichtsunterricht
4.1 Die gegenwärtige Geschichtskultur verstehen
4.2 Gegenwärtige geschichtskulturelle Objektivationen verstehen
4.3 Eine Vergangenheit anhand ihrer Erinnerungskultur erschließen
4.4 Integration in das Kompetenz-Strukturmodell historischen Denkens
5 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Historizität von Geschichtskultur konzeptionell zu erfassen und das Potential historischer Erinnerungs- und Geschichtskulturen für den Geschichtsunterricht zu erschließen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie diese kulturellen Phänomene theoretisch historisiert werden können, um sie für die Unterrichtspraxis fruchtbar zu machen und Schülern ein tieferes Verständnis der gegenwärtigen Geschichtskultur zu ermöglichen.
3.2 Synthese gelungener Konzepte zur Historisierung von Erinnerungskulturen
Das komplexeste und elaborierteste Modell, das der Bearbeitung der Frage nach einer möglichen Historisierung von Sinnbildung über Zeiterfahrung dient, wurde meines Erachtens durch die Forschungsgruppe des DFG-Sonderforschungsbereiches Erinnerungskulturen an der Universität Gießen entwickelt. Die Grundannahme dieser Arbeiten ist die (hier von Marcus Sandl zusammengefasste) Überlegung, dass der Zusammenhang zwischen Kultur und Erinnerung (bzw. Vergangenheitsbezug) sowohl in diachroner wie in synchroner Perspektive nur plural und variabel denkbar sei:
Erinnerung lässt sich in ihrer Historizität nur als diskursives Phänomen fassen. In einem theoretisch reflektierten Sinne ist es deshalb notwendig, von 'Erinnerungskulturen' in der Mehrzahl zu sprechen. Der Begriff verweist auf die Pluralität von Vergangenheitsbezügen, die sich nicht nur diachron in unterschiedlichen Ausgestaltungen des kulturellen Gedächtnisses manifestieren, sondern auch synchron in verschiedenen Modi der Konstitution der Erinnerung, die komplementäre ebenso wie konkurrierende, universale wie partikulare, auf Interaktion wie auf Distanz- und Speichermedien beruhenden Entwürfen beinhalten können.
Da dieses Konzept auf alle bisherigen Formen des Umgangs mit Vergangenheit verweist, bezeichne ich es in Abgrenzung zum speziellen postmodernen Begriff von Erinnerungskultur, der in Kapitel 3.3. dargelegt wird, als allgemeines Konzept der Erinnerungskulturen. Darüber hinaus setze ich den Begriff der Erinnerungskulturen als Überkategorie. Im Weiteren werde ich begründen, warum ich den Begriff Geschichtskultur, welcher bisher in der Geschichtsdidaktik als Überkategorie dient, als Subkategorie für die spezifische Erinnerungskultur der Moderne setze. In Hinblick auf die Historisierbarkeit der Erinnerungskulturen liegt der entscheidende Vorteil des Gießener Konzepts darin, dass es den gesellschaftlichen Umgang mit Vergangenheit selbst explizit historisiert.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Geschichtskultur in der Geschichtsdidaktik ein und leitet aus bestehenden Forschungsdebatten die zentralen Fragestellungen zur Historisierung von Erinnerungs- und Geschichtskulturen ab.
2 Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historische Geschichtskultur in der Geschichtsdidaktik: Das Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über die Zentralkategorien Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur und beleuchtet den fachdidaktischen Diskurs um deren Historisierungsfähigkeit.
3 Historisierung von Geschichtskultur: Hier erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand, der Entwicklung eines eigenen Analysemodells und die theoretische Herleitung der Geschichtskultur als spezifische Erinnerungskultur der Moderne.
4 Potentiale historischer Erinnerungs- und Geschichtskultur für den Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel erarbeitet die didaktischen Potenziale, indem es den Nutzen der historischen Analyse für das Verständnis der Gegenwart und die Rekonstruktion vergangener Lebenswelten aufzeigt.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Ergebnisse der Arbeit und unterstreicht die Notwendigkeit, historische Erinnerungskulturen als eigenständiges Untersuchungsobjekt für die Fachdidaktik zu etablieren.
Geschichtskultur, Erinnerungskultur, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsdidaktik, Historisierung, Historisches Denken, Sinnbildung, Objektivationen, Kompetenz-Strukturmodell, Geschichtsunterricht, Kollektives Gedächtnis, Zeiterfahrung, Paradigmenwechsel, Historizität, Narrative Kompetenz.
Die Arbeit untersucht die Historisierung von Geschichtskultur und ihre Bedeutung für den Geschichtsunterricht, wobei der Fokus auf dem Verständnis der Wechselbeziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt.
Zentrale Themen sind die theoretische Differenzierung von Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur, die Auseinandersetzung mit erinnerungskulturellen Modellen und deren Implementierung in die geschichtsdidaktische Unterrichtspraxis.
Das Ziel ist es, zu klären, wie Erinnerungs- und Geschichtskulturen konzeptionell historisiert werden können und welche Potentiale sich daraus für ein reflektiertes historisches Lernen im Unterricht ergeben.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die auf der Synthese vorhandener fachwissenschaftlicher und geschichtsdidaktischer Modelle (z. B. der Gießener Forschungsgruppe) basiert, um einen heuristischen Orientierungsrahmen zu entwickeln.
Der Hauptteil analysiert den theoretischen Forschungsstand, diskutiert die Kontroverse um die Historisierbarkeit der Geschichtskultur und entwickelt ein Modell, das diese Konzepte in das Kompetenz-Strukturmodell historischen Denkens integriert.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Geschichtskultur, Historisierung, Sinnbildung, kollektives Gedächtnis und geschichtsdidaktische Kompetenzorientierung charakterisiert.
Der Autor argumentiert, dass Pandels Einengung der Geschichtskultur auf die Gegenwart die Historizität ausblendet und somit das wissenschaftliche Potenzial zur Analyse von Kontinuitäten und Brüchen unzureichend ausschöpft.
Der Film dient als konkretes Beispiel für die De-Konstruktion von geschichtskulturellen Produkten, um aufzuzeigen, wie Schüler durch die Analyse von Narrationen die gesellschaftliche Vergangenheitsbewältigung kritisch hinterfragen können.
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