Diplomarbeit, 2015
104 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Theorien des Lernens
2.1 Kritik an Lerntheorien
2.2 Phänomenologie
2.3 Phänomenologie des Lernens
2.3.1 Der Subjektbegriff bei Käte Meyer-Drawe
2.3.2 Zur Prozessualität des Lernens
2.3.3 Lernen ist Erfahrungslernen
2.3.3.1 Lernen bedeutet Umlernen
2.3.4 Zur Auffassung von Zeit
2.3.5 Anfänge des Lernens
2.3.5.1 Die Lehrperson als Lernperson
2.3.6 Alterität – Die »Anderen« im Lernen
2.3.6.1 Die Leiblichkeit im Lernen – Die Person
2.3.7 Aufmerksamkeit
2.4 Zwischenfazit
3 Theorien von Lernmotivation und Interesse
3.1 Das Wirkungsmodell nach Prenzel
3.2 Die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan
3.3 Die flow-Theorie von Csikszentmihalyi
3.4 Die Person-Gegenstands-Theorie des Interesses nach Krapp
3.5 Zwischenfazit
4 Zusammenführung: Lernen und Interesse
5 Außerschulische Lernorte
5.1 Außerschulisches Lernen
5.2 Begleitstudie zur Münsteraner Kinder-Uni: »Die Uni in der Kinder-Uni«
5.2.1 Erste Begleitstudie
5.2.2 Zweite Begleitstudie
5.2.3 Resümee der Autorinnen
5.3 Evaluationsstudie zum Berliner UniLab: »In den Unterricht eingebundene Schülerlaborbesuche und deren Einfluss auf das aktuelle Interesse an Physik«
5.3.1 Das UniLab Adlershof
5.3.2 Curriculum in der Studie
5.3.3 Durchführung
5.3.4 Diskussion
6 Fazit
7 Ausblick: Vignettenforschung
Die Arbeit untersucht, inwiefern außerschulische Lernorte wie Kinder-Unis und Schülerlabore dazu beitragen, Interesse an Wissenschaft zu wecken und Lernprozesse anzustoßen, indem sie lern- und interessentheoretische Ansätze zusammenführt.
2.3.2 Zur Prozessualität des Lernens
Lernen beginne nach Meyer-Drawe (2008) dort, wo »das Vertraute brüchig und das Neue noch nicht zu Hand ist« (ebd., S. 213). Sie bringt hier Waldenfels' Metapher einer Schwelle an, die überschritten wird und nur in einer Richtung überschritten werden kann. Dieses Überschreiten bezeichnet eine Transformation von einem Zustand zum Neuen, lässt aber keine Synthese zweier Zustände zu. Hat man die Schwelle einmal überschritten, lässt sich dieser Schritt nicht mehr rückgängig machen. Der Zustand des Menschen hat sich geändert, sodass der Mensch ein anderer ist als vorher. Bezüglich der Untersuchung des Lernprozesses ist es wichtig zu sagen, dass diese Schwelle einen hoch-subjektiven Charakter hat: Die Veränderung lässt sich von außen nicht betrachten und ist somit nicht objektivierbar. Es lassen sich extern lediglich die Zustände vor und nach dem Schritt ermitteln (vgl. ebd.). Der Schwellenschritt an sich muss aber vom Individuum selbst berichtet werden. Oft lässt sich dies schwer umsetzen, da sich der Mensch nur bedingt oder gar nicht an den Prozess des Lernens erinnern kann. Qualitative Methoden der Vignettenforschung, sowie Reflexions- und Biografieübungen können dabei sehr hilfreich sein. (Diese werden im am Ende dieser Arbeit im Ausblick kurz vorgestellt.)
Die phänomenologische Lerntheorie von Meyer-Drawe ist dadurch gekennzeichnet, dass sie für den Lernprozess bereits ein Etwas voraussetzt. Zum einen ist damit eine Vorerfahrung anhand eines entstandenen Erfahrungshorizontes gemeint. Anhand dessen werden neue Eindrücke reflektiert und die bestehende Interpretationen umgelernt. Darauf wird im Kapitel 2.3.3 Lernen ist Erfahrungslernen eingegangen.
Zum anderen ist damit der auf den Menschen einwirkende Gegenstand gemeint. Durch den Einfluss auf den Menschen wird der Gegenstand zum Phänomen. Dass somit Lernen nur durch Einbezug der Umgebung möglich ist, wird in Kapitel 2.3.6 zu den »Anderen« im Lernen beleuchtet.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik außerschulischer Lernorte ein und stellt die leitende Forschungsfrage nach der lerntheoretischen Fundierung und der Aufrechterhaltung von Schülerinteresse.
2 Theorien des Lernens: Dieses Kapitel erläutert die phänomenologische Lerntheorie, welche Lernen als prozesshaftes, subjektives Erfahrungslernen und Umlernen begreift.
3 Theorien von Lernmotivation und Interesse: Hier werden psychologische Theorien zur Lernmotivation (u.a. Wirkungsmodell nach Prenzel, flow-Theorie) vorgestellt und kritisch auf ihre Anwendbarkeit auf Lernprozesse geprüft.
4 Zusammenführung: Lernen und Interesse: In diesem Kapitel werden die theoretischen Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln miteinander verknüpft, um eine Brücke zwischen der phänomenologischen Pädagogik und der Interessentheorie zu schlagen.
5 Außerschulische Lernorte: Dieser Abschnitt analysiert das Konzept außerschulischen Lernens und evaluiert anhand von Fallbeispielen (Kinder-Uni Münster, UniLab Berlin) die Wirksamkeit der Projekte.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass nachhaltiges Interesse die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Lernprozesses steigert.
7 Ausblick: Vignettenforschung: Dieser Ausblick stellt die Innsbrucker Vignettenforschung als vielversprechenden methodischen Ansatz vor, um Lernprozesse in außerschulischen Lernorten erforschen zu können.
Lernprozess, Interesse, phänomenologische Lerntheorie, Außerschulische Lernorte, Aufmerksamkeit, Erfahrungslernen, Umlernen, Kinder-Uni, Schülerlabor, Selbstbestimmungstheorie, flow-Erleben, Vignettenforschung, Pädagogischer Takt, Motivation, Wissensstruktur
Die Diplomarbeit untersucht das Verhältnis von Lernprozessen und Interesse an außerschulischen Lernorten unter Rückgriff auf phänomenologische Theorien und psychologische Motivationsmodelle.
Im Zentrum stehen die Phänomenologie des Lernens, die Bedingungen für intrinsische Motivation und die Wirksamkeit pädagogischer Ansätze in außerschulischen Formaten wie der Kinder-Uni oder dem Schülerlabor.
Das Ziel ist es, lerntheoretische und interessentheoretische Perspektiven zusammenzuführen, um zu verstehen, wie Interesse an Wissenschaft geweckt und wie Lernprozesse an außerschulischen Lernorten ermöglicht werden können.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch phänomenologische Lerntheorien und einer kritischen Evaluation vorhandener Begleitstudien (Literaturanalyse).
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der Lerntheorien (nach Meyer-Drawe), die Diskussion psychologischer Interessentheorien und eine Analyse von außerschulischen Lernorten, deren Konzepte und Begleitstudien evaluiert werden.
Die zentralen Konzepte sind der Lernprozess, das Interesse, die Aufmerksamkeit, der Erfahrungsbegriff, die phänomenologische Pädagogik sowie das Konzept des flow-Erlebens.
Nach Ansicht der Arbeit, basierend auf der phänomenologischen Lerntheorie, lässt sich Lernen nicht direkt steuern, sondern höchstens durch die Vorbereitung der Situation begünstigen.
Die Studien zeigen, dass einmalige Event-Charakter-Besuche oft kein nachhaltiges Interesse wecken, wohingegen die Einbindung in den regulären Unterricht (wie im Berliner UniLab) das Interesse stabiler halten kann.
Die Vignettenforschung bietet einen Zugang, um subjektive Erfahrungsmomente von Lernenden zu erfassen, da objektive Beobachtungen von Lernprozessen aus phänomenologischer Sicht schwer möglich sind.
Die Arbeit lehnt das Speicher-Modell ab, da Lernen als ein dynamischer Prozess der Umstrukturierung von Erfahrungshorizonten verstanden wird, bei dem Wissen nicht einfach angehäuft, sondern stetig aktualisiert wird.
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