Magisterarbeit, 2010
83 Seiten, Note: 1,15
1 Einleitung
2 Inhaltsverlauf
3 Politische Freiheit
3.1 Positive und negative Freiheit
3.2 Arendts Konzept politischer Freiheit
4 Vita activa
4.1 Arbeiten
4.2 Herstellen
4.3 Handeln
5 Der öffentliche Raum
5.1 Erscheinungsraum
5.2 Gemeinsame Welt
5.3 „Künstlichkeit“ politischen Lebens
5.4 Der räumliche Charakter politischen Lebens
5.5 Der agonistische Charakter des öffentlichen Raumes
5.6 Öffentlich / Privat
6 Das Phänomen der Macht
6.1 Macht und Gewalt
6.2 Intransitive Macht
6.3 Macht und Totalitarismus
6.4 Die Rolle der Macht in der Amerikanischen und der Französischen Revolution
7 Urteilskraft
2. Hauptteil: Hannah Arendt und Zivilgesellschaft
8 Der Begriff der Zivilgesellschaft
9 Arendts Gesellschaftsbegriff
10 Elitismus
11 Ziviler Ungehorsam und das „Projekt demokratischer Selbstregierung“
12 Weltsozialforum
12.1 Das WSF als politischer Neubeginn
12.2 Das WSF als politischer Raum
12.3 Das WSF und das Phänomen der Macht
13 Fazit
14 World Social Forum Charter of Principles
Diese Magisterarbeit untersucht die politische Theorie Hannah Arendts im Kontext der modernen Zivilgesellschaft. Ziel ist es, Arendts Konzepte von Freiheit, Handeln, Macht und öffentlichem Raum für die heutige Demokratietheorie zu erschließen und zu klären, wie bürgerschaftliches Engagement zur Stabilität und Lebendigkeit politischer Systeme beitragen kann.
3.1 Positive und negative Freiheit
Isaiah Berlin unterscheidet in „Two Concepts of Liberty“ zwei Formen von Freiheit: Die negative Freiheit bezeichnet einen Zustand, in dem keine von anderen Menschen ausgehenden Zwänge ein Verhalten erschweren oder verhindern, während die positive Freiheit einen Zustand bezeichnet, in dem die Möglichkeit der passiven Freiheit auch tatsächlich genutzt werden kann bzw. tatsächlich genutzt wird.
Der negative Freiheitsbegriff, als Freiheit von etwas, wurde vor allem von liberalen Theoretikern wie John Locke, Adam Smith und Edmund Burke vertreten. Er impliziert primär die zur Selbstentfaltung nötige persönliche Freiheit bzw. einen die persönliche Selbstentfaltung ermöglichenden Spielraum. Die negative Freiheit wird zum Beispiel als Grundrecht in der Verfassung verankert, etwa dem Schutz vor staatlicher Willkür. Dem negativen Freiheitsbegriff entsprechen liberale Freiheitsrechte: „Menschen sind im liberalen Verständnis frei, soweit sie sich innerhalb möglichst weit gezogener Grenzen frei bewegen können, durch die die Freiheiten anderer Individuen geschützt werden.“
Dagegen impliziert der positive Freiheitsbegriff „den aktiven Menschen, der an Entscheidungen, die sein Leben und seinen Lebensraum beeinflussen, aktiv teilhaben will“ - also ein eher demokratisches Verständnis von Freiheit. Für Berlin leitet sich „die ‚positive‘ Bedeutung des Wortes ‚Freiheit‘ […] aus dem Wunsch des Individuums ab, sein eigener Herr zu sein. Ich will, dass mein Leben und meine Entscheidungen von mir abhängen und nicht von irgendwelchen äußeren Mächten.“ Gemeint ist die republikanische Selbstbestimmung, die Teilhabe am politischen Geschehen. Die moderne Gesellschaft muss beide Formen von Freiheit in sich integrieren, denn die demokratische Selbstbestimmung, aus der politische Legitimität resultiert, muss letztlich durch die Garantie individueller Freiräume ermöglicht werden. In diesem Sinne stehen positive und negative Freiheit in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander, da sie sich gegenseitig stützen und begrenzen.
1 Einleitung: Beleuchtet das Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement für die Stabilität von Demokratien und führt in Hannah Arendts Kritik an der „Weltentfremdung“ und Politikverdrossenheit ein.
2 Inhaltsverlauf: Umreißt den zweigeteilten Aufbau der Arbeit: Die theoretische Fundierung in Arendts Werken und deren Bezug zur Zivilgesellschaftsdebatte.
3 Politische Freiheit: Differenziert zwischen positiver und negativer Freiheit und arbeitet Arendts republikanisches Verständnis von politischer Freiheit heraus.
4 Vita activa: Analysiert die drei menschlichen Grundtätigkeiten – Arbeiten, Herstellen und Handeln – und identifiziert das Handeln als genuin politisch.
5 Der öffentliche Raum: Untersucht die notwendige Verortung des politischen Handelns in einem öffentlichen Raum, der als Erscheinungsraum und gemeinsame Welt konstituiert wird.
6 Das Phänomen der Macht: Erläutert Arendts Machtbegriff als nicht-instrumentelle, kooperative Fähigkeit, die im Gegensatz zur Gewalt steht.
7 Urteilskraft: Setzt die politische Urteilskraft in Beziehung zum Handeln und thematisiert das Spannungsfeld zwischen Massengesellschaft und republikanischen Institutionen.
8 Der Begriff der Zivilgesellschaft: Skizziert die Begriffsgeschichte der Zivilgesellschaft und deren aktuelle Verwendung in politischen Theorien.
9 Arendts Gesellschaftsbegriff: Analysiert Arendts negative Sicht auf die moderne Gesellschaft, die sie für den Verfall des Politischen verantwortlich macht.
10 Elitismus: Setzt sich kritisch mit Vorwürfen auseinander, Arendts Politikmodell sei elitär oder gar antidemokratisch.
11 Ziviler Ungehorsam und das „Projekt demokratischer Selbstregierung“: Untersucht die Funktion zivilen Ungehorsams für die ständige Erneuerung demokratischer Legitimität.
12 Weltsozialforum: Wendet Arendts Konzepte auf das Weltsozialforum an und beschreibt es als einen Raum für politisches Handeln und kollektive Machtbildung.
13 Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont das demokratietheoretische Potenzial Arendts für die heutige Zivilgesellschaft.
Hannah Arendt, Zivilgesellschaft, Politische Freiheit, Vita activa, Öffentlicher Raum, Macht, Handeln, Demokratie, Partizipation, Politikverdrossenheit, Ziviler Ungehorsam, Weltsozialforum, Republikanismus, Pluralität, Politische Urteilskraft.
Die Arbeit analysiert die politische Philosophie Hannah Arendts und verknüpft sie mit zeitgenössischen Theorien der Zivilgesellschaft, um Möglichkeiten für aktives demokratisches Handeln zu identifizieren.
Die zentralen Themen sind Arendts Verständnis von Freiheit, Macht und öffentlichem Handeln sowie deren Anwendung auf moderne Probleme wie Politikverdrossenheit, Globalisierung und die Rolle zivilgesellschaftlicher Foren.
Das Ziel ist es, Arendts Theorie als ein wertvolles Instrument für eine lebendige, partizipative Demokratie zu verteidigen und aufzuzeigen, wie sie Institutionen und bürgerschaftliches Engagement beleben kann.
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Diskursanalyse, die zentrale Begriffe Arendts aus ihren Hauptwerken systematisch aufarbeitet und in den Kontext aktueller zivilgesellschaftlicher Debatten stellt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Arendts Konzepte (Freiheit, Handeln, Macht) und eine anschließende Transferleistung auf Phänomene wie Zivilgesellschaft, zivilen Ungehorsam und das Weltsozialforum.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Vita activa, Macht (als kooperatives Phänomen), Öffentlichkeit, Pluralität und politischer Neubeginn.
Der Autor argumentiert, dass Arendts Verständnis einer handelnden Elite nicht exklusiv ist, sondern vielmehr die Fähigkeit beschreibt, aktiv als Bürger in öffentlichen Räumen zu agieren – eine Rolle, die prinzipiell jedem offensteht.
Ziviler Ungehorsam wird nicht als bloßer Rechtsbruch gesehen, sondern als „symbolische Praxis“ und notwendiges Mittel, um demokratische Debatten zu beleben und die Legitimität politischer Ordnung in einem nachmetaphysischen Zeitalter zu erneuern.
Das Weltsozialforum wird als ein moderner „Erscheinungsraum“ interpretiert, in dem sich Menschen jenseits staatlicher Strukturen begegnen, um im Sinne Arendts durch diskursives Handeln Macht zu erzeugen und politische Alternativen auszuhandeln.
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