Masterarbeit, 2016
281 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffsklärung und thematische Hinführung
2.1 Begriffsklärung
2.2 Migration und Fluchtmotive
2.3 Größenordnung und Herkunft
2.4 Herausforderungen und Belastungen der Adoleszenz im Kontext von Migration
2.5 Gefahr der Posttraumatischen Belastungsstörung
2.6 Resilienz
2.7 Positionierung im deutschen Bildungsraum
3. Zwischenstaatliche und nationale Abkommen zum Schutz von Minderjährigen
3.1 Zwischenstaatliche Regelungen
3.2 Nationale Rahmenbedingungen
4. Methodisches Vorgehen
4.1 Zielsetzung und Fragestellung
4.2 Vorüberlegungen und Untersuchungsplan
4.3 Erhebungsverfahren: das problemzentrierte- und das Experteninterview
4.4 Feldzugang und Besonderheiten bei Interviews mit UMF
4.5 Durchführung der Erhebung
4.6 Datenaufbereitung
4.7 Datenauswertung
5. Darstellung der Interviews und kritische Würdigung
5.1 Interviews mit Betroffenen
5.2 Interviews mit Experten
5.3 Diskussion der Ergebnisse vor dem Hintergrund der Forschungsfrage
6. Fazit und Ausblick
Ziel der Arbeit ist es, die Lebenssituation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) in einer Clearingstelle soziologisch sowie entwicklungspsychologisch zu beleuchten und Ansätze für eine Optimierung ihres Wohlbefindens unter Berücksichtigung ihrer subjektiven Sichtweise zu identifizieren.
2.4 Herausforderungen und Belastungen der Adoleszenz im Kontext von Migration
Die meisten UMF, die Deutschland erreichen, sind zwischen 15 und 17 Jahre alt. Damit befinden sie sich in der Phase der Adoleszenz, die als eine kritische, vulnerable Entwicklungsphase bezeichnet wird. Dieser physiologische, emotionale und psychische Reifungsprozess wird auch ohne eine Flucht- bzw. Migrationserfahrung als anspruchsvoll bezeichnet. (vgl. Hargasser 2015: 104) Für Jugendliche westlicher Industrienationen stellt diese Altersspanne auf Basis ihres gesamten Lebenslaufes eine Phase dar, in der sie den meisten Gefährdungen ausgesetzt sind. Die Suizidrate ist während dieser Phase hoch (vgl. Wunderlich 2004: 7).
Die UMF erfahren in dieser Phase des Erwachsenwerdens zusätzlich potentiell traumatische Erlebnisse. Ihre Flucht kombiniert mit der abrupten Trennung der Familie und dem Verlust des sozialen und kulturellen Umfeldes stellt für Kinder und Jugendliche eine befremdende Situation dar. Während ihrer Migrationsphase sind sie i. d. R. auf sich allein gestellt und mit komplexen Herausforderungen konfrontiert. Sie befinden sich in Abhängigkeit von Fluchthelfern und Schlepperorganisationen und erfahren nicht selten gewalttätige Übergriffe. In der Aufnahmegesellschaft treffen die UMF auf eine neue Kultur, eine neue Sprache und möglicherweise ein anderes Schriftbild. (vgl. Hargasser 2015: 104) Ihre Migration oder Flucht hinterlässt vielfach Brüche im Lebenslauf und birgt somit die Gefahr, dass die UMF sich häufig - entgegen der Erwartungshaltung - nicht zeitnah in die Gesellschaft integrieren können (vgl. Lanfranchi 2010:127).
In der Aufnahmegesellschaft werden sie mit Rollenverständnissen von Männern und Frauen konfrontiert, die nicht an ihre gewohnten Traditionen, Werte und Gewohnheiten anknüpfen (vgl. Kilian & Zito 2013: 244). Es existieren häufig andere Betrachtungsweisen von der Lebensphase der Adoleszenz als in den Herkunftsländern der Jugendlichen, sodass ihre bis dato inkorporierten Fähigkeiten und Problemlösungsfähigkeiten in Frage gestellt werden, was mit einer tiefen Verunsicherung der Jugendlichen einhergehen kann (vgl. Lanfranchi 2010: 127).
1. Einleitung: Beschreibt die aktuelle Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland und erläutert die Relevanz der Untersuchung für die Kinder- und Jugendhilfe.
2. Begriffsklärung und thematische Hinführung: Definiert die zentralen Begriffe und analysiert die psychosozialen sowie bildungsrelevanten Belastungsfaktoren der Zielgruppe.
3. Zwischenstaatliche und nationale Abkommen zum Schutz von Minderjährigen: Erläutert die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen, die den Status und Schutz der UMF bestimmen.
4. Methodisches Vorgehen: Begründet den qualitativen Forschungsansatz mittels problemzentrierter Interviews und Expertenbefragungen.
5. Darstellung der Interviews und kritische Würdigung: Präsentiert die empirischen Ergebnisse aus den Befragungen mit UMF und Experten und diskutiert diese kritisch.
6. Fazit und Ausblick: Fasst die Kernergebnisse zusammen und bietet Handlungsempfehlungen für die Praxis sowie Impulse für zukünftige Forschungsfragen.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, UMF, Clearingstelle, Jugendhilfe, Adoleszenz, Migration, Fluchtmotive, Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Resilienz, Lebenssituation, Integration, Bildungsraum, SGB VIII, Clearingverfahren.
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die in einer speziellen Clearingeinrichtung untergebracht sind.
Die Themen umfassen die psychische und soziale Lebenssituation, die Migrationserfahrungen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Herausforderungen bei der Integration und Bildung.
Ziel ist es, die typische Lebenssituation der UMF darzustellen und Ansatzpunkte aufzuzeigen, wie ihre Situation und ihr Wohlbefinden innerhalb der bestehenden Strukturen optimiert werden können.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf der Analyse von problemzentrierten Interviews mit Jugendlichen sowie Experteninterviews basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die rechtliche Einordnung, das methodische Vorgehen sowie die empirische Darstellung und Diskussion der Interviews.
Die Arbeit fokussiert auf Themen wie UMF, Clearingverfahren, Resilienz, Traumatisierung, Jugendhilfe und soziale Integration.
Die Einrichtung dient als zentraler Ort der Ankunft und Erstversorgung, wobei sie sowohl Schutzraum als auch strukturelle Herausforderungen für die Jugendlichen bietet.
Die Autorin plädiert für einheitliche pädagogische Standards, eine bessere personelle Ausstattung und eine politische Aufwertung des Kindeswohls gegenüber rein ausländerrechtlichen Verfahren.
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