Magisterarbeit, 2010
151 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitende Bemerkungen
2 Vorüberlegungen: Weiblichkeit und Vampirismus
2.1 Die Dämonisierung der Weiblichkeit: Von der Göttin zur Vampirin
2.2 Weiblichkeit, Gender und Vampirismus
2.3 Weibliche Sexualität im 19. Jahrhundert
2.4 Weiblichkeitsentwürfe zwischen femme fatale und femme fragile
3 Die Anfänge der literarischen Vampirin: Goethes Ballade „Die Braut von Korinth“
4 Der männliche Vampir: Lord Byrons Fragment und John William Polidoris „Der Vampyr“
4.1 Angst vor dem weiblichem Begehren
4.2 Darvell und Ruthven – Homosexuelle Vampire?
5 Die lesbische Vampirin: Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“
5.1 Von Tätern und Opfern
5.2 Carmillas Verführungsstrategie
5.3 Tabubruch Homosexualität
5.4 Die Vampirin als Naturwesen
5.5 Carmillas Tod – Die Wiederherstellung patriarchaler Ordnung
6 Der Klassiker: Bram Stokers „Dracula“
6.1 Draculas Rolle als Katalysator
6.2 Draculas weibliche Gefolgschaft
6.3 „Dracula“ im Kontext der New-Woman-Bewegung
7 Fazit: Die Vampirin des 19. und ihre Schwestern des 20. Jahrhunderts
8 Ausblick: No Sex Sells – Stephenie Meyers „Twilight“-Saga
8.1 „Twilight“ und Sexualität
8.2 „Twilight“ und Feminismus
8.3 „Twilight“ und Religion
Diese Arbeit untersucht die literarische Adaption und den Wandel des Vampirmotivs in der Literatur des 19. Jahrhunderts, insbesondere im Hinblick auf Geschlechterrollen, Sexualität und patriarchale Strukturen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie die Figur der weiblichen Vampirin als Projektionsfläche für männliche Ängste vor emanzipierter, aktiver weiblicher Sexualität dient und wie diese durch gesellschaftliche Normen und patriarchale Gegenstrategien in der Literatur reglementiert wird.
Die Dämonisierung der Weiblichkeit: Von der Göttin zur Vampirin
Die Figur des Vampirs ist keineswegs erst im 17. oder 18. Jahrhundert aus dem Nichts aufgetaucht. Blutsauger bevölkern seit der Antike Volksglauben und Literatur. „Die ältesten Vampyre, wovon wir Nachricht haben, waren bei den Griechen zu Hause“, schreibt Carl von Knoblauch zu Hatzbach bereits 1791 im Taschenbuch für Aufklärer und Nicht-Aufklärer und verweist damit auf die Lamien und Empusen der klassischen Antike. Ohne völlig identisch zu sein, ähneln viele dieser Gestalten dem Vampir so stark, dass sie zu seinen geistigen Vätern bzw. Müttern zu rechnen sind. So begegnen in der Antike häufig weibliche Dämonen, denen man das nächtliche Töten von Kindern, aber auch von Männern und öfters explizit das Aussaugen von Blut nachsagt. Dämonische Gestalten wie die Lamien und Empusen erscheinen in der Mythologie fast aller Völker. Die weite Verbreitung des Mythos der kinderraubenden und blutsaugerischen Wesen einerseits und der verführerischen Frauen andererseits lassen Vampire als archetypische Figuren erkennen.
Der Volksglaube an Vampire entsteht als sich die Gottheiten in gute und böse scheiden. Während die frühesten menschlichen Kulturen eine Große Göttin verehrten, die alle positiven und negativen Aspekte des Lebens in sich vereinte, wurden diese aufgespalten als die von der Natur geprägten (weiblichen) Erdkulte von den (männlichen) Himmelkulten abgelöst wurden. In den frühen Entwicklungsphasen des Glaubens stehen zwei Begriffe im Vordergrund: die Fruchtbarkeit und das Weibliche. Beide werden als Einheit angesehen und dominieren die religiöse Ebene dieser Ära, die als Matriarchat bezeichnet wird.
1 Einleitende Bemerkungen: Ein Überblick über die Langlebigkeit des Vampirmotivs in der Literatur und dessen enge Verknüpfung mit menschlichen Ängsten und Wünschen.
2 Vorüberlegungen: Weiblichkeit und Vampirismus: Theoretische Untersuchung der geschlechtsspezifischen Dämonisierung der Frau und der Entwicklung von Geschlechtsmodellen im 19. Jahrhundert.
3 Die Anfänge der literarischen Vampirin: Goethes Ballade „Die Braut von Korinth“: Analyse des ersten bedeutenden Textes, in dem eine junge Frau als Vampirin auftritt und als Kritik an kirchlicher Enthaltsamkeit fungiert.
4 Der männliche Vampir: Lord Byrons Fragment und John William Polidoris „Der Vampyr“: Untersuchung der Entstehung des britischen Vampirs und dessen Verknüpfung mit maskuliner Potenz und (latenter) Homosexualität.
5 Die lesbische Vampirin: Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“: Dekonstruktion der lesbischen Vampirin als Bedrohung für patriarchale Familienstrukturen und Ordnung.
6 Der Klassiker: Bram Stokers „Dracula“: Umfassende Analyse des wohl berühmtesten Vampirromans und dessen Rolle als Reaktion auf die aufstrebende New-Woman-Bewegung.
7 Fazit: Die Vampirin des 19. und ihre Schwestern des 20. Jahrhunderts: Zusammenfassende Betrachtung des Wandels der Vampirfigur von der stigmatisierten "femme fatale" hin zu einer selbstbestimmten Identitätsfigur.
8 Ausblick: No Sex Sells – Stephenie Meyers „Twilight“-Saga: Untersuchung der modernen, mormonisch geprägten und durch Enthaltsamkeit definierten Neuinterpretation des Vampirmotivs im 21. Jahrhundert.
Vampirismus, Weiblichkeit, Gender Studies, Femme fatale, femme fragile, Sexualität, Patriarchat, Literatur des 19. Jahrhunderts, Dracula, Carmilla, New Woman, Sexualmoral, Symbolik, Mythen, Identitätsbildung.
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung weiblicher Vampire im 19. Jahrhundert und wie diese Figur genutzt wurde, um gesellschaftliche Ängste vor weiblicher Emanzipation und Sexualität zu thematisieren.
Die zentralen Themen sind das Geschlechterverhältnis im 19. Jahrhundert, die Pathologisierung abweichender weiblicher Sexualität sowie die Konstruktion der Frau als "Heilige oder Hure" in männlich geprägten Literaturwerken.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Vampirmotiv als Instrument diente, um "entgleiste" oder emanzipierte Frauen als dämonische Bedrohung für die patriarchale Ordnung zu brandmarken und durch männliche Autorität wieder unter Kontrolle zu bringen.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, unter Einbeziehung feministischer Literaturtheorie und Gender Studies, um die Funktion und den Wandel der Vampirgestalt zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen kanonischer Texte, von Goethes "Braut von Korinth" über Polidoris "Der Vampyr" und Le Fanus "Carmilla" bis hin zu Bram Stokers "Dracula".
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vampirismus, Gender, femme fatale, Sexualmoral und das patriarchale Machtverhältnis charakterisiert.
Frauenfiguren wie Mina Harker werden als Idealtypen der "reinen" viktorianischen Frau dargestellt, während Lucy Westenra durch ihre Verwandlung in eine Vampirin zum negativen Gegenbild und damit zum Feindbild einer sexuell aktiven Frau degradiert wird.
Die Saga dient als Ausblick in das 21. Jahrhundert, um zu verdeutlichen, dass sich das Motiv gewandelt hat: Während Vampire im 19. Jahrhundert für "verbotene" Erotik standen, symbolisieren sie in "Twilight" eine konservative Moral der Enthaltsamkeit.
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