Diplomarbeit, 1999
96 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitende Gedanken
2. Das Alter(n)
2.1. Altersgrenzen
2.2. Demographische Besonderheiten weiblichen Alter(n)s
3. Die Sexualität des Alter(n)s
3.1. Sexualität – Annäherung an einen Begriff
3.1.1. Bültmann/ Sielert
3.1.2. Freud
3.1.3. Laws
3.2. Bedeutungswandel von Sexualität
3.2.1. Das Tabu der Selbstbefriedigung
3.3. Physiologische Veränderungen
3.4. Weibliche Alter(n)ssexualität
4. Sexualgeragogik – eine neue Wissenschaftsdisziplin?
5. Biographiearbeit mit älteren Menschen
6. Biographiearbeit in der Sexualgeragogik
6.1. Ziele und Intentionen
6.2. Ältere Frauen als Zielgruppe
6.3. Inhalte der sexuellen Biographie
6.3.1. Aufklärung
6.3.2. Sexualität in der Ehe
6.4. Die Gruppe als Sozialform
6.5. Sexualgeragogische Methoden
6.5.1. Malen
6.5.2. Fotos
6.5.3. Tagebuch
6.5.4. Phantasieübungen
6.5.5. Körperübungen
6.6. Anforderungsprofil an Teamerinnen
7. Ergebnisse und Ausblick
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Entwicklung eines Konzepts für die biographische Arbeit mit älteren Frauen zur sexuellen Biographie. Dabei soll ein Verständnis für die individuelle Bedeutung von Sexualität jenseits einseitiger, oft männlich geprägter Leistungsnormen geschaffen werden, um älteren Frauen eine neue, lustvolle Perspektive auf ihre Lebensphase zu eröffnen.
3.2.1. Das Tabu der Selbstbefriedigung
Ein anschauliches Beispiel für den Bedeutungswandel von Sexualität und dessen Folgen bis in die heutige Zeit, auf die ich hier kurz exemplarisch eingehen möchte, ist das Tabu der Selbstbefriedigung. Seinen Ursprung hat es in der protestantischen Lebenswelt des 17. und 18. Jahrhunderts. Enthaltsamkeit und Keuschheit, die absolute Begierdelosigkeit und damit reines Existieren vor Gott galten als Ideal des Christentums. Der Geschlechtsverkehr in der Ehe war an strenge Regeln gebunden. Er sollte nicht der Lust, sondern der Fortpflanzung dienen. Jede Verschüttung des Samens außerhalb eines körperlichen Ortes galt als Sünde. Selbstbefriedigung war eine besondere Gefahr auf dem Weg ins Jenseits (vgl. Braun, 1995, S. 103 ff.).
Eine weitere Ursache für das Tabu der Selbstbefriedigung war das Körperbild des 18. Jahrhunderts. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hatte die aus der Antike stammende Humoraltheorie der Säftelehre des römischen Arztes Claudius Galenus Bestand. Sie besagt, dass alle Flüssigkeiten im Körper des Menschen ähnlich dem Wasserkreislauf der Natur zirkulieren. Der Samen ist in dieser Flüssigkeit enthalten und ergibt in Verbindung mit anderen Substanzen die Lebensgeister. Der Abgang des Samens führt zu einer Entkräftung des Körpers und damit auch zur Krankheit. Braun macht deutlich, daß ein andersartiges Körperbild auch zu einer anderen Wahrnehmung des Körpers führt (vgl. ebd., S. 54 ff.). Der Körper funktioniert nicht nur als ideologie- und kulturfreier Körper, „er ist immer als zentraler Punkt in das imaginäre Netz dessen eingespannt, was eine Gesellschaft über sich selbst und ihren Standort in der Welt glaubt“ (ebd., S. 88). Im Fall der Selbstbefriedigung heißt das, dass man sich im 18. Jahrhundert durch das „Onanieren“ schlimme körperliche Schäden zufügen und sogar daran sterben konnte (vgl. ebd., S. 88).
1. Einleitende Gedanken: Die Autorin begründet die Relevanz einer sexualgeragogischen Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten älterer Frauen vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und bisheriger wissenschaftlicher Defizite.
2. Das Alter(n): Es wird aufgezeigt, dass Altern ein individueller, sozial konstruierter Prozess ist, der sich nicht allein durch numerische Grenzen oder biologische Abbauprozesse definieren lässt.
3. Die Sexualität des Alter(n)s: Das Kapitel beleuchtet verschiedene Definitionen von Sexualität und den historischen Bedeutungswandel, insbesondere im Kontext von Sexualmoral, Geschlechterrollen und der Normierung durch die Sexualwissenschaft.
4. Sexualgeragogik – eine neue Wissenschaftsdisziplin?: Hier wird die Verwandtschaft der Geragogik zur Sozialpädagogik untersucht, um die Übertragbarkeit bildungswissenschaftlicher Ansätze auf die Arbeit mit älteren Menschen zu prüfen.
5. Biographiearbeit mit älteren Menschen: Die Bedeutung der biographischen Reflexion als Mittel zur Identitätsfindung und zur aktiven Lebensgestaltung in der nachberuflichen Phase wird erörtert.
6. Biographiearbeit in der Sexualgeragogik: Das Kapitel führt die theoretischen Ansätze in ein konkretes Konzept über, welches Ziele, Zielgruppen, Sozialformen und Methoden für die sexualgeragogische Praxis mit Frauen erarbeitet.
7. Ergebnisse und Ausblick: Eine Zusammenführung der gewonnenen Erkenntnisse bildet die Basis für eine Konzeption, die ältere Frauen in ihrem Wachstumsprozess stützen soll, sowie eine Reflexion der Umsetzbarkeit in aktuellen Bildungsinstitutionen.
Sexualgeragogik, Sexualbiographie, Ältere Frauen, Biographiearbeit, Sexualität im Alter, Alterssexualität, Sozialgeragogik, Geragogik, sexuelle Identität, sexuelle Selbstbestimmung, Lebenslauf, Alter(n), Sexualmoral, sexuelle Sozialisation, Alterspädagogik
Die Diplomarbeit widmet sich der Entwicklung eines Konzepts zur biographischen Arbeit mit älteren Frauen in Bezug auf ihre sexuelle Lebensgeschichte innerhalb der Sexualgeragogik.
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse aus der Gerontologie, der Sexualpädagogik und der Biographiearbeit, um die individuelle sexuelle Entwicklung älterer Frauen vor dem Hintergrund historischer und gesellschaftlicher Normen zu beleuchten.
Ziel ist es, ein Konzept zu erarbeiten, das älteren Frauen ermöglicht, ihre eigene sexuelle Biographie zu reflektieren, sich von fremdbestimmten Normen zu lösen und neue Potenziale für ihre Lebensgestaltung zu entdecken.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf qualitative Ansätze, wie sie für die biographische Arbeit und die Sexualgeragogik charakteristisch sind.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Alters, dem Bedeutungswandel von Sexualität, der theoretischen Herleitung der Sexualgeragogik sowie der praktischen Anwendung biographischer Methoden wie Malen, Schreiben von Tagebüchern oder Phantasieübungen.
Wichtige Begriffe sind Sexualgeragogik, Biographiearbeit, sexuelle Selbstbestimmung, Alterssexualität und tertiäre Sozialisation.
Der Begriff "Alterssexualität" suggeriert oft ein homogenes, defizitorientiertes Phänomen. Die Autorin bevorzugt den Begriff "Alter(n)ssexualität", um zu verdeutlichen, dass sexuelle Erfahrung ein individueller Prozess ist, der die gesamte Lebensgeschichte (die Biographie) mit einbezieht.
Die Autorin betont die tertiäre Sozialisation im Alter. Dies bedeutet, dass ältere Menschen nicht nur passive Empfänger von Altersbildern sind, sondern aktiv mitwirken und ihren biographischen Hintergrund nutzen können, um sich auch im Alter neu zu orientieren.
Teamerinnen müssen reflektieren, dass Teilnehmerinnen oft unbewusst Beziehungsmuster aus der Vergangenheit auf die Leiterin projizieren. Eine professionelle Ausbildung, Rollenspiele und Vorgespräche sind essenziell, um diese Dynamiken zu verstehen und eine professionelle Distanz sowie Authentizität zu wahren.
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