Bachelorarbeit, 2016
50 Seiten, Note: 18
1 Einleitung
2 Erläuterung zentraler Bourdieu’scher Begriffe
2.1 Habitus
2.1.1 Entstehungsgeschichte
2.1.2 Signifikanz:
2.1.3 Funktion und Verwendung:
2.2 Feld (champ)
2.3 Klasse
2.4 Kapital
2.4.1 Das ökonomische Kapital
2.4.2 Das kulturelle Kapital
2.4.3 Das soziale Kapital
2.4.4 Das symbolische Kapital
2.5 L’art pour l’art
3 Über die ästhetische Erziehung des Menschen
3.1 Zur Entstehungsgeschichte der Briefe
3.2 Darlegung signifikanter Begriffe zur ästhetischen Erziehung des Menschen
3.2.1 Person und Zustand
3.2.2 Formtrieb und Stofftrieb
3.2.3 Spieltrieb
3.3 Schönheit als Pfad zur Freiheit
4 Klasse, Feld, Kapital bei Schiller?
5 Inwiefern ist es möglich, den Habitusbegriff auf Schillers Über die ästhetische Erziehung des Menschen zu applizieren?
6 Ästhetik als Bildungstheorie
7 Ästhetische Bildung als Bildung zur Humanität
8 Von der Theorie der ästhetischen Bildung zur pädagogischen Ausführung
9 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Überschneidungen zwischen Pierre Bourdieus Habitus-Konzept und Friedrich Schillers philosophischer Schrift "Über die ästhetische Erziehung des Menschen". Ziel ist es, Schillers ästhetische Theorie als einen potenziellen Ausweg aus der sozialtheoretischen Determinierung durch den Habitus zu beleuchten und deren pädagogische Relevanz für eine befreiende Bildung zu ergründen.
3.2.1 Person und Zustand
„Person und Zustand – das Selbst und seine Bestimmungen. [...] Bey allen Beharrungen der Person wechselt der Zustand, bey allem Wechsel des Zustands beharret die Person.“56
Schiller beschreibt den Menschen nicht bloß als Person, sondern als Person, die sich in einem bestimmten Zustand befindet.57 Das Wesen des Menschen basiert auf seiner Person, also seinem Geist, dem Beharrlichen und seinem Zustand, dem Veränderbaren, der Materie. Zeit ist für Schiller eine Bedingung dafür, dass die Materie einen möglichen Zustand annehmen kann. Die Persönlichkeit ist reine Anlage, die nur mittels der Sinne ausgebildet werden kann, um über diese von „der bloßen Form“58 zur Synthese von Materie und Geist zu werden. „Absolute Formalität“,59 das Formen des Äußeren, und „absolute Realität“,60 die Veräußerung des Inneren, sind die Bedingungen dafür, um dem Körper Geist zu verleihen und dem Geist „Wirklichkeit“.61
Im Idealfall erlangt – in Schillers Worten – der angespannte Mensch durch die Schönheit „Harmonie“62 und der abgespannte „Energie.“63
Wieviel und welcher Trieb von der Schönheit angespannt oder abgespannt wird, hängt in der Realität vom Menschen selbst ab und dem, wie er ist, also auch dem, was er braucht.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, inwieweit Schillers ästhetische Erziehung eine Lösung für die habituelle Selbstentfremdung bieten kann.
2 Erläuterung zentraler Bourdieu’scher Begriffe: Es werden die theoretischen Grundlagen von Bourdieus Konzepten Habitus, Feld, Klasse und Kapital dargelegt.
3 Über die ästhetische Erziehung des Menschen: Dieses Kapitel analysiert Schillers Briefe und erläutert seine Begriffe von Person, Trieben und der ästhetischen Freiheit.
4 Klasse, Feld, Kapital bei Schiller?: Die Anwendung soziologischer Kategorien auf Schillers Gesellschaftsanalyse zeigt Parallelen in der Beschreibung gesellschaftlicher Spaltungen auf.
5 Inwiefern ist es möglich, den Habitusbegriff auf Schillers Über die ästhetische Erziehung des Menschen zu applizieren?: Die Autorin diskutiert die Anwendbarkeit des Habitus-Begriffs auf Schillers Konzept und die Möglichkeiten des Ausbruchs aus der Habitualisierung.
6 Ästhetik als Bildungstheorie: Schiller wird als Bildungstheoretiker positioniert, der die Zerrüttung des Menschen durch die Kultur kritisiert.
7 Ästhetische Bildung als Bildung zur Humanität: Hier wird ästhetische Bildung als notwendige Bedingung für ein humanistisches Menschsein hervorgehoben.
8 Von der Theorie der ästhetischen Bildung zur pädagogischen Ausführung: Es wird der Übergang von der philosophischen Theorie zur praktischen pädagogischen Umsetzung und deren Herausforderungen untersucht.
9 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und betont die bleibende Aktualität von Schillers Freiheitsbegriff im Verhältnis zu Bourdieu.
Friedrich Schiller, Pierre Bourdieu, Habitus, Ästhetische Erziehung, Spieltrieb, Stofftrieb, Formtrieb, Bildungstheorie, Klassengesellschaft, Freiheit, Selbstentfremdung, Humanität, Kapital, Soziologie, Pädagogik
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Schillers Theorie der ästhetischen Erziehung zur soziologischen Habitus-Konzeption von Pierre Bourdieu.
Die Themen umfassen die soziologische Klassifizierung des Individuums, die Mechanismen gesellschaftlicher Macht sowie die Rolle von Bildung zur Erlangung persönlicher Freiheit.
Das Hauptziel ist es, Schillers Idee der ästhetischen Erziehung als einen möglichen Ausweg aus der habituellen Determinierung des Menschen herauszuarbeiten.
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der philosophische Texte Schillers in den Kontext soziologischer Theorien von Bourdieu gestellt und kritisch verglichen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Erläuterung der Begriffe Bourdieus, eine Analyse von Schillers Konzepten der Triebdynamik und deren Anwendung auf das gesellschaftliche Klassenmodell.
Die zentralen Begriffe sind Habitus, Spieltrieb, Ästhetische Freiheit, Entfremdung, Kapitalformen und Humanität.
Schiller analysiert bereits vor der Entstehung der modernen Soziologie die "Zerrüttung des Menschen", was Parallelen zu Bourdieus Beobachtungen über die Reproduktion sozialer Ungleichheit aufweist.
Der Spieltrieb ist bei Schiller die ausbalancierte Verbindung von Stofftrieb und Formtrieb, die dem Menschen erst die Möglichkeit zu wahrer Freiheit und zur "lebenden Gestalt" gibt.
Schiller fordert die Unabhängigkeit der Kunst von der Politik. Dennoch sieht er in der ästhetischen Erziehung ein Instrument, das indirekt durch die Veredelung des Charakters die sozio-politischen Verhältnisse langfristig verbessern kann.
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