Masterarbeit, 2016
76 Seiten, Note: 3,0
1) Einleitung
2) Der Gewalt- und Terrorismusbegriff
2.1) Der Gewaltbegriff
2.2) Der Terrorismusbegriff
3) Die 68er-Bewegung und ihre ideologischen Grundlagen
4) Die Außerparlamentarische Opposition (APO), der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) und die Kommune I
5) Der Tod Benno Ohnesorgs – Wendepunkt in der Gewaltfrage?
6) 1968 – Vom Wort zur Tat?
7) Der Zerfall der Bewegung – Was bleibt?
8) Die erste Generation der Roten Armee Fraktion
8.1) Die Rote Armee aufbauen – Der Gründungsaufruf und die Grundsatzerklärungen
8.2) Das Primat der Praxis und die ersten Todesopfer
8.3) Die Mai-Offensive und die Verhaftung der RAF-Führungsriege
9) Der Kampf im Gefängnis und „Baader-Meinhofs Kinder“
9.1) Die „Offensive ‘77“
9.2) Neuorientierung der RAF
10) Die dritte Generation der RAF
11) Exkurs: Terroristische Alternativen in der BRD und der Welt
12) Fazit
13) Quellen- und Literaturverzeichnis:
Die vorliegende Arbeit untersucht den kausalen Zusammenhang zwischen der 68er-Bewegung und der Entstehung der Roten Armee Fraktion (RAF), um zu klären, ob die studentische Protestbewegung den Weg für den Linksterrorismus in der Bundesrepublik geebnet hat. Dabei wird analysiert, wie sich das Gewaltverständnis innerhalb der Bewegung entwickelte und ob die RAF als unmittelbare Folge der Radikalisierungsprozesse der späten 1960er Jahre betrachtet werden kann.
Die 68er-Bewegung und ihre ideologischen Grundlagen
Der Begriff „68er-Bewegung“ und dessen äquivalente Pendants sind keine zeitgenössischen Begriffe, sondern wurden erst zu Beginn der 80er Jahre geprägt. Doch so problematisch sich eine Definition der zuvor genannten Begriffe „Gewalt“ und „Terrorismus“ gestaltet, so schwierig scheint auch eine Beschreibung dessen, was die mythische Jahreszahl „1968“ ausmacht. Dies zeigt sich bereits in der Vielzahl von Begriffen, mit denen das Phänomen beschrieben wird. Während die einen von einer Revolte, Rebellion, einem Aufstand oder gar einer gescheiterten Revolution sprechen, benennen die anderen die Ereignisse von 1968 als Studenten-, Jugend- oder außerparlamentarische Bewegung. Darüber hinaus war die Trägerschaft der Bewegung ein Gemisch aus den unterschiedlichsten linken Gruppen und Strömungen, es herrschte also keinerlei Homogenität. Auch hinsichtlich des Zeitraums, den die Bewegung umfasste, scheint Uneinigkeit und kein allgemeiner Konsens zu herrschen.
Es scheint demnach ratsam, die Wurzeln der sogenannten „68er-Bewegung“ und seiner Begleiterscheinungen sowie maßgebliche Ereignisse chronologisch zu betrachten. Unbestritten scheint jedoch, dass die Bewegung in der BRD größtenteils von der Studentenschaft getragen wurde und die bundesdeutschen Universitäten häufig Schauplatz diverser studentischer Versammlungen waren, weshalb der Begriff „Studentenbewegung“ häufig synonym für die 68er-Bewegung verwendet wird.
1) Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung und Ambivalenz der „68er-Bewegung“ sowie die Entstehung der RAF dar und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach einem kausalen Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen.
2) Der Gewalt- und Terrorismusbegriff: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden theoretischen Begriffe für die Untersuchung, wobei insbesondere die multidimensionale Natur von Gewalt und Terrorismus im politischen Kontext beleuchtet wird.
3) Die 68er-Bewegung und ihre ideologischen Grundlagen: Hier werden die heterogenen Wurzeln und Motive der Protestbewegung, wie Antifaschismus, Antikapitalismus und Antiimperialismus, sowie der historische Kontext der späten 60er Jahre analysiert.
4) Die Außerparlamentarische Opposition (APO), der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) und die Kommune I: Das Kapitel widmet sich den zentralen Trägergruppen der Protestbewegung und deren organisatorischen sowie ideologischen Ausrichtungen.
5) Der Tod Benno Ohnesorgs – Wendepunkt in der Gewaltfrage?: Diese Analyse untersucht den 2. Juni 1967 als zentralen Moment, der das Misstrauen der Studenten gegenüber dem Staat radikalisierte und die Gewaltdebatte befeuerte.
6) 1968 – Vom Wort zur Tat?: Dieses Kapitel beleuchtet die Zuspitzung der Situation durch Aktionen wie den Vietnamkongress, Bombenanschläge und die wachsende Gewaltbereitschaft innerhalb der Bewegung.
7) Der Zerfall der Bewegung – Was bleibt?: Hier wird der Prozess der Fragmentierung der Bewegung im Jahr 1969 und das Ende der Großen Koalition als Wendepunkt thematisiert.
8) Die erste Generation der Roten Armee Fraktion: Dieses Kapitel schildert die Entstehung der RAF im Mai 1970 aus dem Umfeld der Studentenbewegung und deren anfängliche ideologische Selbstfindung.
9) Der Kampf im Gefängnis und „Baader-Meinhofs Kinder“: Hier werden die Strategien der RAF in der Haft sowie der Übergang zur sogenannten „zweiten Generation“ untersucht.
10) Die dritte Generation der RAF: Ein kurzer Überblick über die personelle und strategische Transformation der RAF ab den 1980er Jahren unter veränderten Bedingungen.
11) Exkurs: Terroristische Alternativen in der BRD und der Welt: Dieser Exkurs setzt die RAF in Bezug zu zeitgleichen anderen Terrororganisationen und unterstreicht den internationalen Charakter der Protest- und Gewaltwelle.
12) Fazit: Die abschließende Synthese bestätigt, dass die 68er-Bewegung als Wegbereiter für die erste und zweite Generation der RAF fungierte, wobei sich die Verbindungslinien bei späteren Generationen auflösten.
68er-Bewegung, Rote Armee Fraktion, RAF, Studentenbewegung, Linksterrorismus, Gewaltdebatte, APO, SDS, Stadtguerilla, Radikalisierung, Gegengewalt, Baader-Meinhof-Komplex, Deutscher Herbst, Imperialismus, Systemkritik.
Die Arbeit analysiert die historischen Zusammenhänge zwischen der 68er-Studentenbewegung und der Entstehung der Roten Armee Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik Deutschland.
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Gewaltverständnisses, die ideologischen Grundlagen linker Protestbewegungen, die Rolle führender Akteure sowie die zeitliche Entwicklung der RAF in ihren verschiedenen Generationen.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob und inwieweit die studentische Protestbewegung der späten 1960er Jahre einen kausalen Wegbereiter für den späteren Linksterrorismus der RAF darstellte.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, zeitgenössischer Dokumente sowie programmatischer Schriften der untersuchten Gruppen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsdefinition, die Analyse der 68er-Bewegung als ideologischer Nährboden, die Entstehungsgeschichte der RAF und eine detaillierte Auseinandersetzung mit deren Aktionen und Generationswechseln.
Kernbegriffe sind 68er-Bewegung, Rote Armee Fraktion (RAF), Linksterrorismus, Radikalisierung, Gewaltdebatte und Stadtguerilla-Konzept.
Rudi Dutschke avancierte zum Gesicht der Bewegung und popularisierte mit Hans-Jürgen Krahl das Konzept der „Gegengewalt“ und der Stadtguerilla, was die theoretische Basis für die Gewaltdebatte maßgeblich beeinflusste.
Das Pudding-Attentat der Kommune I war eine symbolische Protestaktion gegen den US-Vizepräsidenten. Es markierte für viele Beobachter den Übergang von passiven zu aktiveren, provokativen Aktionsformen der Bewegung.
Sein Tod im Hungerstreik fungierte als „Katalysator“ für die linke Szene und verhalf der RAF dazu, ihn zum Märtyrer zu stilisieren, was die Solidarität unter den Sympathisanten stärkte.
Mit dem Tod der Gründungsmitglieder und dem strategischen Rückzug der zweiten Generation auf Freipressungsversuche ohne fundierte Theorie, verlor die RAF zunehmend den Bezug zu den originären politischen Forderungen der 68er-Bewegung.
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