Wissenschaftlicher Aufsatz, 2004
36 Seiten
I. Die Erscheinungen des Auferstandenen
II. Das Evangelium des Paulus
1. Der erste Thessalonicherbrief
2. Der Galaterbrief
3. Der erste Korintherbrief
III. Das Evangelium, eine intellektuelle Konstruktion aus zeitlicher und örtlicher Distanz zum Tod Jesu
Die vorliegende Untersuchung geht der grundlegenden Frage nach dem Ursprung des paulinischen „Evangeliums“ nach. Dabei wird die These vertreten, dass die zentralen christologischen Formeln keine Produkte einer palästinensischen Urgemeinde sind, sondern eine intellektuelle Schöpfung des Apostels Paulus darstellen, der aus zeitlicher und örtlicher Distanz zum Leben und Tod Jesu eine Theologie entwickelte, die wesentlich auf der Deutung alttestamentlicher Schriften unter dem Vorzeichen des Kreuzestodes basiert.
Die Anlehnung des Kreuzigungsberichtes vor allem an - soweit es das Alte Testament betrifft - die Psalmen 21 (LXX) und 68 (LXX) und an Jesaja 52f. (LXX) beweist doch gerade den Mangel an historischen Quellen für den Evangelisten zur Darstellung und Deutung von Jesu Tod. Und Markus ist nicht der erste, der die Schriften des Alten Testaments als Deutebücher für das jesuanische Geschehen herangezogen hat; vor ihm hat dafür Paulus den Grund gelegt.
Die vorliegende Untersuchung nun macht die nüchterne Tatsache zur Voraussetzung, dass ein Mensch nicht von den Toten auferstehen kann. Die christologischen Formeln jedoch müssen, wenn man diese Tatsache voraussetzt, von irgendjemandem gebildet worden sein. Hier soll also versucht werden, den Nachweis dafür zu erbringen, dass Paulus der Urheber der christologischen Formeln ist. Zuvor aber wird noch kurz darauf einzugehen sein, dass Paulus, solange wir ihn historisch fassen können, unter „Evangelium“ immer besagte Wendungen um Jesus Christus von Tod und Auferstehung versteht, dann, dass er die Erscheinung des Herrn vor sich erdacht hat, um u.a. sein Apostelamt zu legitimieren.
I. Die Erscheinungen des Auferstandenen: Das Kapitel untersucht die methodischen Probleme bei der historischen Einordnung der Erscheinungsberichte und hinterfragt das Vertrauen, das die Forschung in die „Ostererfahrung“ der Jünger als historisches Fundament des christlichen Glaubens setzt.
II. Das Evangelium des Paulus: Dieses Kapitel analysiert anhand der Thessalonicher-, Galater- und Korintherbriefe, wie Paulus den Begriff „Evangelium“ definiert und in den Dienst seiner apostolischen Autorität stellt.
III. Das Evangelium, eine intellektuelle Konstruktion aus zeitlicher und örtlicher Distanz zum Tod Jesu: Hier wird dargelegt, dass das paulinische Evangelium eine theologisch eigenständige Schöpfung ist, die durch die Verarbeitung frühjüdischer Motive auf die Person Jesus von Nazaret übertragen wurde, wobei der historische Jesus als bloßer Anlass für das theologische Konstrukt dient.
Paulus, Evangelium, Auferstehung, Kreuzestod, Christologie, Urgemeinde, Formgeschichte, Apostelamt, Sühnetod, frühjüdische Theologie, Herrenwort, Offenbarung, Jesus von Nazaret, Schriftdeutung, Kreuzestheologie.
Die Arbeit untersucht den Ursprung des paulinischen „Evangeliums“ und hinterfragt die These, ob dieses auf eine vorpaulinische Tradition zurückgeht oder eine intellektuelle Leistung des Apostels Paulus selbst darstellt.
Zentrale Themen sind die historische Kritik an den Erscheinungsberichten des Auferstandenen, die formgeschichtliche Analyse der christologischen Formeln und der Vergleich frühjüdischer Vorstellungen mit der paulinischen Soteriologie.
Das Ziel ist es, den Nachweis zu erbringen, dass Paulus der Urheber der christologischen Formeln ist und die christliche Theologie nicht als Produkt eines kollektiven Prozesses der Urgemeinde zu verstehen ist.
Es wird eine historisch-kritische sowie religionsgeschichtliche Analyse der paulinischen Briefe und der neutestamentlichen Texte vorgenommen, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit formgeschichtlichen Positionen.
Der Hauptteil analysiert die paulinischen Briefe hinsichtlich des Evangeliumsbegriffs, stellt den religionsgeschichtlichen Kontext zum Judentum her und kritisiert die Argumentationslinien der Formgeschichte.
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Paulus, Evangelium, Auferstehung, Kreuzestheologie, Apostelamt und Formgeschichte.
Paulus nutzt die Vision der Erscheinung des Herrn, um sein Apostelamt zu legitimieren und sich gegenüber den Jerusalemer Aposteln als gleichberechtigt oder gar überlegen zu positionieren, da sein Evangelium direkt auf Offenbarung basiert.
Der Autor argumentiert, dass die Zuschreibung theologisch komplexer Glaubensformeln an ein anonymes Kollektiv „Urgemeinde“ methodisch nicht haltbar ist, da eine solche theologische Leistung spezifische individuelle Fähigkeiten erfordert, wie sie nur bei Paulus belegt sind.
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