Bachelorarbeit, 2016
46 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Brandts erste Gedanken zur Ostpolitik
3. „Berlin bleibt frei!“ - Willy Brandt als Bürgermeister von Berlin
3.1 Anfänge: Das Berlin Ultimatum 1958
3.2 Schock: Der Mauerbau 1961
3.3 Erklärung: Tutzing 1963
3.4 Erleichterung: Das Passierscheinabkommen 1963
4. Kabinett Kiesinger - Brandt als Außenminister
4.1 Revolution? Der Prager Frühling 1968
5. „Mehr Demokratie wagen“ - Brandt als Bundeskanzler
5.1 „Wandel durch Annäherung“: Die Ostverträge
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kontinuität von Willy Brandts Ostpolitik während seiner Amtszeiten als Regierender Bürgermeister von Berlin, als Außenminister und als Bundeskanzler. Ziel ist es, nachzuweisen, dass ein kontinuierlicher Plan zur Überwindung der Teilung durch Entspannung und Annäherung existierte, der durch verschiedene Krisen wie den Mauerbau oder den Prager Frühling zwar Rückschläge erlitt, jedoch in seinem Kern unverändert blieb.
3.2 Schock: Der Mauerbau 1961
1961 war für Brandt ein Schicksalsjahr, nicht nur aufgrund der Kanzlerkandidatur, welche er gegen Adenauer verlor, sondern auch durch den Bau der Mauer. Bekanntlich stand Berlin aufgrund dessen im Fokus der Weltöffentlichkeit und damit sicherlich auch ihr Bürgermeister.
Am 13. August 1961 begannen ostdeutsche Grenzsoldaten mit der Errichtung einer provisorischen Behelfsgrenze, welche in den folgenden 28 Jahren stufenweise immer weiter ausgebaut werden sollte. Die erste Konsequenz, die aus der Schließung der Grenzen resultierte, war, dass den DDR-Bürgern die Ausreise aus ihrem Teil Berlins untersagt wurde, was zur Folge hatte, dass keine Arbeitsverhältnisse mehr in Westberlin möglich waren. Folgerichtig kam es auch zu der Sperrung des öffentlichen Nahverkehrs, indem die direkten S- und U-Bahnlinien zwischen Ost- und Westberlin unterbrochen wurden. Daraus resultierte, dass auch die Besuche der Westbevölkerung im östlichen Teil erschwert waren, was aber nicht nur auf die Situation des Nahverkehrs zurückzuführen ist, sondern auch auf die Grenzkontrollen der Polizei. Der Zustand spitzte sich im weiteren Verlauf so weit zu, dass die westlichen Bewohner Berlins eine Aufenthaltsgenehmigung für den Osten brauchten. Diese Genehmigungen sollten durch östliche Behörden in Westberlin ausgestellt werden, was diese untersagten. Fazit des Ganzen: Besuche, auch verwandtschaftlicher Natur, waren nun nicht mehr möglich.
In Übereinstimmung mit der Forschungsliteratur kann der Bau der Mauer als Gipfel der Berlin-Krise gesehen, jedoch das Ultimatum allein nicht als Auslöser zur Grenzschließung 1961 herangezogen werden. Chruschtschow selbst sprach Anfang August 1961 noch von einer „offenen Stadt Berlin“.
Organisator und Urheber des Konzepts zum Bau einer Mauer war demzufolge nicht Chruschtschow persönlich, sondern der SED Vorsitzende Walter Ulbricht, welcher schon seit Beginn der 50er Jahre eine Abtrennung des östlichen Berlins vom kapitalistischem Westen forderte. Initiator war das SED Regime, dennoch konnte auch der sowjetische Staatschef Vorteile in der Trennung Berlins sehen. Um der Massenflucht aus dem kommunistischen Regime Herr zu werden, war es für Chruschtschow einfacher, Ulbricht eine Grenzmauer errichten zu lassen, als eine aggressive Konfrontationshaltung gegenüber den Westmächten an den Tag zu legen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Person Willy Brandt als "Weltbürger" ein und legt die Forschungsfrage zur Kontinuität seiner Ostpolitik über die drei verschiedenen Ämter hinweg fest.
2. Brandts erste Gedanken zur Ostpolitik: Dieses Kapitel beleuchtet Brandts Rückkehr nach dem Krieg und die Anfänge seiner ostpolitischen Überlegungen in den 1940er und 50er Jahren.
3. „Berlin bleibt frei!“ - Willy Brandt als Bürgermeister von Berlin: Hier werden die Berliner Jahre analysiert, mit Fokus auf das Berlin-Ultimatum, den Mauerbau, die Rede in Tutzing und das erste Passierscheinabkommen.
4. Kabinett Kiesinger - Brandt als Außenminister: Der Fokus liegt auf Brandts Wirken in der Großen Koalition und dem einschneidenden Ereignis des Prager Frühlings 1968.
5. „Mehr Demokratie wagen“ - Brandt als Bundeskanzler: Das Kapitel behandelt die Kanzlerschaft und den Abschluss der zentralen Ostverträge (Moskau, Warschau, Grundlagenvertrag) als realpolitische Umsetzung seiner Konzepte.
6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Kontinuität von Brandts Politik und verweist auf die Bedeutung der "kleinen Schritte" und der menschlichen Solidarität als rote Fäden seiner Karriere.
Willy Brandt, Ostpolitik, Entspannungspolitik, Berlin, Mauerbau, Prager Frühling, Wandel durch Annäherung, Koexistenz, Transformation, Ostverträge, Bundeskanzler, Außenminister, Wiedervereinigung, Menschlichkeit, Frieden
Die Arbeit untersucht, ob Willy Brandts Ostpolitik über seine verschiedenen politischen Stationen hinweg einer konsistenten, kontinuierlichen Strategie folgte.
Im Zentrum stehen die Außenpolitik Brandts, das Verhältnis zum östlichen Block, die spezifische Situation Berlins sowie der politische Wandel von der Konfrontation zur Koexistenz.
Ziel ist es zu klären, ob Brandts Politik zur Problematik der Ostpolitik eine Kontinuität und eine gemeinsame Tendenz aufweist, trotz der Hürden und Rückschläge der Jahre 1957 bis 1974.
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Primärquellen wie Reden, Interviews und Regierungserklärungen sowie der Auswertung einschlägiger historischer Forschungsliteratur.
Der Hauptteil analysiert exemplarisch drei Ämter Brandts anhand ausgewählter Schlaglichter: die Berliner Zeit, die Zeit als Außenminister in der Großen Koalition und seine Kanzlerschaft mit den Ostverträgen.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ostpolitik, Wandel durch Annäherung, Koexistenz, Transformation und die deutsch-deutsche Verständigung.
Egon Bahr war als enger Vertrauter Brandts maßgeblich an der konzeptionellen Ausarbeitung beteiligt und prägte mit seiner Rede in Tutzing 1963 das zentrale Schlagwort "Wandel durch Annäherung".
Der Autor interpretiert den Kniefall als symbolträchtige Geste der Versöhnung, die im vollen Bewusstsein der deutschen Schuld und der Notwendigkeit einer neuen Ostpolitik erfolgte, unabhängig davon, ob sie im Vorfeld geplant war.
Nein, der Autor betont, dass Brandt trotz Rückschlägen wie dem Mauerbau oder der Niederschlagung des Prager Frühlings nicht von seinem Kurs der Annäherung abwich, sondern lediglich Anpassungen vornahm.
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