Bachelorarbeit, 2016
46 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Fabelwesen: Ausblick auf die Wissenschaft der Zeit
2.2 Darstellung der Fabelwesen im Weltbild des mittelalterlichen Menschen
2.3 Drache, Riese und Zwerg als zentrale Fabelwesen in der mittelalterlichen Literatur
3. Wigalois
3.1 Hintergrundinformationen zum Werk
3.2 Fabelwesen in der Handlung des Wigalois
3.2.1 Der Zwerg
3.2.2 Zwei Riesen
3.2.3 Das wunderbare Tier vor der Burg
3.2.4 Der Drache Pfetan
3.2.5 Das Waldweib Ruel
3.2.6 Marrien
4. Herzog Ernst
4.1 Hintergrundinformationen zum Werk
4.2 Fabelwesen in der Handlung des Herzog Ernst
4.2.1 Die Kranichmenschen
4.2.2 Die Greifen
4.2.3 Die Einsterne/Zyklopen
4.2.4 Die Platthufe
4.2.5 Die Ohren
4.2.6 Die Pygmäen
4.2.7 Die Riesen
5. Ergebnisse und Schlussbetrachtung
5.1 Umgang mit und Funktion von den Fabelwesen in beiden Texten
5.2 Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen beiden Texten
5.3 Fazit
Die Arbeit untersucht die Rolle und Funktion von Fabelwesen in den mittelalterlichen Werken Wigalois und Herzog Ernst, um zu ergründen, warum diese Wesen einen festen Bestandteil der damaligen Literatur bildeten und wie sie im mittelalterlichen Weltbild verankert waren.
Der Riese
Im Mittelhochdeutschen gibt es mehrere Bezeichnungen für das Wort Riese. Im Deutschen werden sie allerdings immer mit ′Riese′ übersetzt. Als Riesen gelten hier „jene Figuren[...], die menschengestaltig, übermächtig und von wesentlich anderer Art als die Menschen oder Götter sind“.45 Jacob Grimm nennt sie „[e]ine grosse, menschliches mass weit überragende gestalt [...][,] gleich bergen und hohen Bäumen, starr und unbeholfen“.46
Ursprünglich kommt der Riese aus der griechischen Mythologie, denn hier ist von Zyklopen, Giganten und Titanen die Rede, die Teil der Götterwelt sind. Auch im Alten Testament werden Riesen erwähnt, darunter auch den wohl berühmtesten namens Goliath.47 Um die tatsächliche Existenz von Riesen zu beweisen, hat man auf gefundene Mammutknochen zurückgegriffen. Der Glaube daran war also durchaus lebendig.48
Für die Charakterisierung von Riesen werden oft Beispiele aus der Edda genommen, die für eine Vielfalt an Riesenarten bekannt ist. Erstens werden die Riesen in den meisten Dichtungen als „mächtig“ und „feindselig“ bezeichnet, insbesondere, wenn sie den Göttern gegenüberstehen. Zweitens erreichen die Riesen oft ein sehr hohes Alter. Diese Vorstellung ist auf den Ymir-Mythos zurückzuführen, der den Riesen als Anfang aller Materien, also als erstes Lebewesen darstellt. Drittens ist damit natürlich auch deren Weisheit verbunden, sodass es in den eddischen Liedern oft vorkommt, dass Mitglieder der Götter Riesen aufsuchen und sie nach deren Rat und Wissen fragen. Des Weiteren ist die physische Größe das typische Merkmal eines Riesen, insbesondere in der mittelhochdeutschen Dichtung, und dient dazu, dem Gegner Angst einzuflößen. Damit verbunden ist die Eigenschaft des „Furchterregenden“. Auch die Hässlichkeit der Riesen ist mit ihrem inneren schlechten Verhalten verbunden, denn der mittelalterlichen Vorstellung nach deutet Hässlichkeit auch auf ein inneres, negatives und sündhaftes Benehmen hin.49
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Fabelwesen in der Antike und im Mittelalter ein und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit anhand der Primärtexte Wigalois und Herzog Ernst.
2. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel erläutert die Terminologie und die Einordnung der Fabelwesen in das mittelalterliche Weltbild, inklusive deren Rolle in antiken Quellen und auf mittelalterlichen Weltkarten.
3. Wigalois: Der Abschnitt bietet Hintergrundinformationen zum Werk von Wirnt von Grafenberg und analysiert detailliert die verschiedenen Fabelwesen, denen der Protagonist in seiner Handlung begegnet.
4. Herzog Ernst: Dieses Kapitel widmet sich dem Werk Herzog Ernst, erläutert dessen Hintergrund und untersucht die Vielzahl der dort auftretenden Fabelvölker und deren Begegnung mit dem Herzog.
5. Ergebnisse und Schlussbetrachtung: Der abschließende Teil synthetisiert die Erkenntnisse über die Funktionen der Fabelwesen, vergleicht beide Texte hinsichtlich ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten und zieht ein Fazit.
Fabelwesen, Mittelalter, Wigalois, Herzog Ernst, Wundervölker, Monster, Übernatürliches, Artusroman, Literaturanalyse, Mittelalterliches Weltbild, Drache, Riese, Zwerg, Fiktion, Realität.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung von Fabelwesen in der mittelhochdeutschen Literatur, spezifisch in den Werken Wigalois und Herzog Ernst.
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Einordnung von Fabelwesen in den historischen Kontext, deren Funktionen in der Literatur sowie ihre Darstellung im Weltbild der mittelalterlichen Gesellschaft.
Das Ziel ist es, zu klären, welche Funktionen Fabelwesen in der mittelalterlichen Literatur einnehmen und warum sie trotz ihrer Übernatürlichkeit als realer Bestandteil des mittelalterlichen Weltbildes betrachtet wurden.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Rückgriff auf zeitgenössische Quellen (wie das Werk von Rudolf Simek) mit einer detaillierten Textanalyse der Primärquellen Wigalois und Herzog Ernst verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und zwei praktische Analysekapitel, in denen die spezifischen Fabelwesen in den jeweiligen Romanen detailliert vorgestellt und funktional interpretiert werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fabelwesen, Wundervölker, mittelalterliches Weltbild, religiöse sowie magische Funktion und der Vergleich zwischen höfischer Dichtung und Volksbuch.
Während die Fabelwesen im Wigalois stark in einen christlich-religiösen Kontext eingebettet sind, stehen sie im Herzog Ernst eher für ein magisches, exotisches Weltbild, wobei der Herzog oft gegen ganze Völker statt nur gegen Einzelwesen kämpft.
Die Autoren bemühen sich, das Geschehen für den Leser als wahr erscheinen zu lassen, indem sie reale geografische Bezüge herstellen, detaillierte Beschreibungen liefern oder direkte Appelle an das Publikum richten.
Fremdheit wird nicht als objektive Eigenschaft der Wesen gesehen, sondern als Konstruktion, die auf dem egozentrischen Weltbild der Menschen basiert und zur sozialen Hierarchisierung genutzt wird.
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