Diplomarbeit, 2007
103 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Veränderungen in der Heimerziehung bis zur systemischen Familienarbeit – in Betrachtung der Einführung des neuen KJHG
2.1 Der Wandel in der Heimerziehung
2.2 Die Zielsetzungen des neuen KJHG im Bezug auf die Heimerziehung
2.3 Die Systemische Familienarbeit
2.4 Fazit
3. Familien- bzw. Elternarbeit in der Heimerziehung
3.1 Definition
3.2 Die Begründung der Familienarbeit
3.3 Die unterschiedlichen Zielsetzungen der Familienarbeit
3.4 Wer leistet Familienarbeit?
3.5 Einstellungen und Haltungen der Mitarbeiter zur Familienarbeit
3.6 Professionelle Grundstandards
3.7 Ressourcenorientierung
3.8 Familienarbeit ohne Familie bzw. ohne Eltern
3.9 Die Familienarbeit als Trauerarbeit
3.10 Die Familienarbeit zur Unterstützung des Ablösevorgangs
3.11 Fazit
4. Ausgewählte Möglichkeiten von Familienarbeit in Projekt, Programm und Therapie
4.1 Das Projekt „Familienaktivierende Heimerziehung“
4.1.1 Begriffserklärung und Zielsetzung
4.1.2 Die Grundidee
4.1.3 Die Projektstruktur
4.1.4 Besonderheiten und konstitutive Kernelemente
4.1.5 Methodische Bausteine der familienaktivierenden Heimerziehung
4.2 Die „Familie im Mittelpunkt“ – FiM
4.2.1 Das „Familie im Mittelpunkt“-Programm: Charakteristika und Elemente
4.2.2 Theoretische und konzeptionelle Grundlagen
4.2.3 Ziele setzen, planen und durchführen
4.3 Die systemische Familientherapie
4.3.1 Die Geschichte der systemischen Familientherapie
4.3.2 Überblick über die systemische Familientherapie
4.3.3 Elemente des systemischen Ansatzes
4.3.4 Techniken, Methoden und Haltungen der systemischen Familientherapie
4.3.5 Die Wirksamkeit der systemischen Familientherapie
4.3.6 Die Einbeziehung einer ambulanten Therapie in die Heimerziehung
4.4 Fazit
5. Konzeptionelle Überlegung
5.1 Der Personenkreis
5.2 Art und Ziel der Leistung
5.3 Arbeitsweisen und Methoden
5.4 Inhalt, Umfang und Qualität der Leistungen
5.4.1 Sozialpädagogischer Bereich
5.4.2 Fortbildung und Supervision
5.4.3 Versorgung
5.5 Individuelle Zusatzleistungen außerhalb der Leistungsvereinbarung
5.6 Die Finanzierung
5.7 Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und -sicherung
5.7.1 Strukturqualität
5.7.2 Prozessqualität / -entwicklung
5.7.3 Ergebnisqualität
5.8 Rahmenbedingungen
6. Konzeptionelle Überlegung mit Erläuterungen zu den einzelnen Punkten
6.1 Der Personenkreis
6.2 Art und Ziel der Leistung
6.3 Arbeitsweisen und Methoden
6.4 Inhalt, Umfang und Qualität der Leistungen
6.4.1 Sozialpädagogischer Bereich
6.4.2 Fortbildung und Supervision
6.4.3 Versorgung
6.5 Individuelle Zusatzleistungen außerhalb der Leistungsvereinbarung
6.6 Die Finanzierung
6.7 Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und -sicherung
6.7.1 Strukturqualität
6.7.2 Prozessqualität / -entwicklung
6.7.3 Ergebnisqualität
6.8 Rahmenbedingungen
7. Zusammenfassung
Die Arbeit analysiert den Paradigmenwechsel in der Heimerziehung von einer individuumzentrierten hin zu einer systemischen, familienorientierten Praxis. Ziel ist es, auf Basis gesetzlicher Vorgaben (KJHG) und systemischer Ansätze konzeptionelle Grundlagen zu entwickeln, die eine stärkere Einbindung der Herkunftsfamilien in den Hilfeprozess ermöglichen, um Rückführungen zu beschleunigen und nachhaltige Erfolge zu sichern.
3.2 Die Begründung der Familienarbeit
Zur Begründung der Familienarbeit kann man auf die systemische Sichtweise zurückgreifen. Die Familie wird dabei nicht als eigentliches Problem gesehen, sondern der Fakt, dass die Familie ein Problem hat, das bewältigt werden muss. Mit Hilfe der Familienarbeit wird versucht entwicklungshemmende Kreisläufe zu durchbrechen und neue Handlungsmuster zu entwickeln.
Ein weiterer Punkt ist die Bedeutung der Familie und der Eltern-Kind-Beziehung. Denn Brandhorst und Kohr (2006) geben an: Ausgehend von der Annahme, dass die Bindung zwischen Eltern und Kind eine elementare und im Gegensatz zu anderen Beziehungen eine unaufkündbare ist, bleibt die Herkunftsfamilie stets Teil des Lebens des Kindes und es fühlt sich dieser, ungeachtet aller Vorkommnisse, meist loyal verpflichtet (S.157).
Die Eltern spielen eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des Kindes, da zwischen beiden eine enge Beziehung besteht. Die Eltern beeinflussen die psychische und physische Entwicklung, die Selbstakzeptanz, die Herausbildung eines stabilen Selbstwertgefühls und die Identitätsentwicklung ihres Kindes. „Das Kind erfährt also in der Familie eine Fülle von Anregungen zur Selbstsozialisation, teils beabsichtigte (also: Erziehung), teils unbeabsichtigte (also: Sozialisation)“ (Rotthaus, 2004, S.224f.). Für das seelisch-körperliche Wohlbefinden spielt die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung eine entscheidende Rolle. (vgl. Britz, 2004, S.28).
Mit Hilfe der Familienarbeit können auch typische Probleme der Heimerziehung vermieden werden. Wenn die Eltern aktiv in den Hilfeprozess eingebunden sind, werden aufkommende Konkurrenzgefühle zwischen Eltern und Heim, sowie Loyalitätskonflikte des Kindes in Bezug auf seine Eltern und die Heimmitarbeiter gemindert (siehe 2.1).
Des Weiteren ist die Jugendhilfe durch die Lebensweltorientierung geprägt. Die Lebensweltorientierung beschreibt, dass die Kinder und Heranwachsenden in ihren Bezügen gesehen werden müssen. „(…), sie leben aber in Bezügen nicht nur der Familie, sondern ebenso der Freundschaften, der Cliquen, der Gesellungen der Schule und Arbeit, der Gesellungen der Freizeit. Lebensweltorientierung ist verkürzt, wenn diese weiteren Beziehungen nicht gesehen werden“ (Thiersch, 1997, S.23).
1. Einleitung: Motivation und Begründung der Themenwahl unter Berücksichtigung des aktuellen Paradigmenwechsels in der Jugendhilfe.
2. Veränderungen in der Heimerziehung bis zur systemischen Familienarbeit – in Betrachtung der Einführung des neuen KJHG: Analyse der historischen Entwicklung von der individuumzentrierten zur familienorientierten Heimerziehung und der rechtlichen Implikationen des KJHG.
3. Familien- bzw. Elternarbeit in der Heimerziehung: Darstellung der theoretischen Grundlagen, Definitionen und Notwendigkeiten von Eltern- und Familienarbeit sowie professioneller Standards.
4. Ausgewählte Möglichkeiten von Familienarbeit in Projekt, Programm und Therapie: Untersuchung konkreter Modelle wie "Familienaktivierende Heimerziehung" und systemischer Familientherapie als Anwendungsbeispiele.
5. Konzeptionelle Überlegung: Entwurf einer konzeptionellen Struktur für eine Wohngruppe, die systemische Familienarbeit integriert.
6. Konzeptionelle Überlegung mit Erläuterungen zu den einzelnen Punkten: Detaillierte Ausarbeitung und fachliche Begründung der in Kapitel 5 skizzierten Konzepte.
7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Integration systemischer Ansätze in der Heimerziehung.
Heimerziehung, Familienarbeit, Elternarbeit, Systemische Familientherapie, KJHG, SGB VIII, Lebensweltorientierung, Ressourcenorientierung, Hilfeplanverfahren, Reintegration, Erziehungspartnerschaft, Biografiearbeit, Krisenintervention, Sozialpädagogik, Empowerment
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Notwendigkeit und der praktischen Umsetzung von systemischer Familienarbeit innerhalb der stationären Heimerziehung, um Kinder und Jugendliche erfolgreich in ihre Herkunftsfamilien zurückzuführen.
Die Arbeit deckt die historische Wandlung der Heimerziehung, die rechtlichen Rahmenbedingungen des KJHG, die methodische Vielfalt der systemischen Familienarbeit und die konzeptionelle Gestaltung stationärer Angebote ab.
Das Ziel ist die Erarbeitung eines Konzeptes für eine Wohngruppe, das systemische Ansätze nutzt, um durch eine intensivierte Zusammenarbeit mit den Eltern eine zeitnahe Reintegration der jungen Menschen in ihr familiäres Umfeld zu unterstützen.
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, verbindet diese mit fachspezifischen Projektdarstellungen und entwickelt daraus eigene konzeptionelle Überlegungen für die stationäre Jugendhilfepraxis.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit der Familienarbeit, die Vorstellung erprobter Modelle wie der „Familienaktivierenden Heimerziehung“ und der „systemischen Familientherapie“ sowie einen detaillierten Entwurf für die Praxis.
Systemische Heimerziehung, Familienarbeit, Hilfeplan, Ressourcenorientierung und Reintegration sind zentrale Begriffe, die den roten Faden der Arbeit bilden.
Das KJHG (SGB VIII) bildet die gesetzliche Grundlage, da es Eltern erstmals offizielle Beteiligungsrechte im Hilfeprozess einräumt und Heimerziehung rechtlich als familienunterstützende und nicht mehr als familienersetzende Maßnahme definiert.
Die Arbeit betont, dass der Ablösungsprozess von Eltern bei fremduntergebrachten Kindern oft gestört ist und durch gezielte Familienarbeit begleitet werden muss, damit die Jugendlichen eine stabile Identität entwickeln können.
Die Fremdunterbringung wird als Trauma verstanden; die Arbeit zeigt auf, dass sowohl bei Eltern als auch bei Kindern Trauerreaktionen vorliegen, deren Bewältigung eine notwendige Voraussetzung für eine spätere Kooperation im Hilfeprozess ist.
Der Autor argumentiert, dass eine wirksame Familienarbeit mit dem regulären Personalschlüssel kaum zu bewältigen ist und fordert höhere Kapazitäten sowie spezifische Qualifikationen, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden.
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