Examensarbeit, 2000
68 Seiten, Note: 1,0
1 Entstehungsgeschichte der Oper
2 Das Libretto
2.1 Die Auswahl des Stoffes
2.2 Die acht Bilder und ihre Quellen
2.3 Die Personen
2.4 Zusammenfassung des Inhaltes
2.5 Vergleich von Messiaens Handlung mit den Quellen
2.6 Das Fehlen von „äußerer Handlung“ und opernhafter Dramatik
2.7 Mögliche Schwierigkeiten beim Nachvollziehen der Handlung
3 Musikalische Dramaturgie
3.1 Solistische Vortragsformen
3.2 Die Funktion des Chores
3.3 Leitmotive
3.4 Vogelgesänge
3.4.1 Messiaens Affinität zu Vögeln und deren Gesängen
3.4.2 Vogelstimmen in Messiaens Musik
3.4.3 Verwendung in „Saint François“
3.4.4 Stellungnahme
4 Kompositorische Einzelaspekte
4.1 Rhythmische Phänomene
4.2 Der Tritonus in der Melodiebildung
4.3 Messiaensche Modi
4.4 Akustik/Optik: Der Aspekt des Synästhetischen
4.5 Durdreiklänge
4.6 Mode de durées, de timbres, et d´intensités
5 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Oper „Saint François d'Assise“ von Olivier Messiaen. Ziel ist es, die komplexe Entstehungsgeschichte, das Libretto, die musikalische Dramaturgie und die kompositorischen Besonderheiten, wie die Integration von Vogelstimmen und synästhetischen Elementen, kritisch zu analysieren und deren Wirkung sowie Nachvollziehbarkeit für den Rezipienten zu beleuchten.
Der Orchesterapparat und der Chor
Frappierend ist neben der gewaltigen Länge, welche eine Aufführung des „Saint François“ beansprucht (die Oper dauert fast vier Stunden), das riesenhafte Orchester, das Messiaen vorschreibt. Alle Instrumentengruppen eines Opernorchesters sind vertreten und außergewöhnlich stark besetzt. Zusätzlich zu den herkömmlichen Instrumenten werden drei Ondes Martenot verlangt. Es handelt sich hierbei um ein elektronisches, homophones Tasteninstrument, das 1928 von dem Franzosen Maurice Martenot (1898-1980) in Paris erfunden wurde und dessen Klangfarbe bei einem äußerst großen Ambitus stark variierbar ist (oft dem Klang einer menschlichen Stimme angenähert). Messiaen schätzte den Klang der Ondes Martenot und setzte sie in mehreren Werken ein. Des weiteren fällt eine enorme Differenzierung des Perkussionsapparates auf, der neben einer Vielzahl von Stabspielen unter anderem Instrumente wie ein Äoliphon (eine Windmaschine) und ein Geophon (von Messiaen erfundenes Instrument zur Erzeugung des Klanges von rieselndem Sand) beinhaltet. Der Grund für diese riesige Besetzung liegt in Messiaens genauer Vorstellung von Klangfarben und Dynamikunterschieden, eine Vorstellung, die er im Laufe des langen Schaffensprozesses immer detaillierter entwickelte.
Neben diesem Orchester wird ein Chor verlangt, der aus zehn Stimmlagen zu je 15 Stimmen besteht.
1 Entstehungsgeschichte der Oper: Beschreibt den achtjährigen Entstehungsprozess der Oper, die intensive Vorbereitung Messiaens und die Herausforderungen bei der Besetzung von Chor und Orchester.
2 Das Libretto: Analysiert die Stoffwahl des heiligen Franziskus, die Quellenlage (Fioretti), die Charakterisierung der Personen und die dramaturgischen Konzepte der acht Bilder.
3 Musikalische Dramaturgie: Untersucht die solistischen Vortragsformen, die Funktion des Chores, die Leitmotive und die zentrale Rolle der Vogelgesänge in der Oper.
4 Kompositorische Einzelaspekte: Analysiert spezifische Techniken wie rhythmische Phänomene, den Tritonus, Messiaens Modi, Synästhesie (Farbenhören) und den Einsatz serieller Technik.
5 Zusammenfassung: Reflektiert die Gesamtwirkung des Werkes und bewertet die Erfüllung der ehrgeizigen künstlerischen Ziele des Komponisten.
Olivier Messiaen, Saint François d'Assise, Franz von Assisi, Oper, Vogelstimmen, Leitmotiv, Synästhesie, Farbenhören, Musikalische Dramaturgie, Fioretti, Zeitgenössische Musik, Ondes Martenot, religiöse Musik.
Die Arbeit analysiert die Oper „Saint François d'Assise“ von Olivier Messiaen hinsichtlich ihrer Entstehung, ihres Librettos, ihrer musikalischen Dramaturgie und der spezifischen kompositorischen Mittel.
Im Zentrum stehen die Stoffwahl (Franz von Assisi), die Einbindung von Vogelgesängen, die Verwendung von Leitmotiven, die Synästhesie sowie die dramaturgische Struktur des Werkes.
Das Ziel ist eine tiefergehende musikanalytische Untersuchung, um zu verstehen, wie Messiaen seine religiöse Vision und seine spezifische Klangsprache in Form einer Oper umgesetzt hat.
Die Arbeit nutzt eine musikwissenschaftliche Analyse, die Quellenstudium (Fioretti, Partituren), biografische Aspekte und die Untersuchung kompositorischer Einzelaspekte kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche und quellenkritische Analyse des Librettos sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der musikalischen Struktur und den kompositorischen Einzelaspekten.
Wichtige Begriffe sind Messiaen, Vogelgesang, Synästhesie, religiöse Thematik, Dramaturgie und Modale Komposition.
Das Vogelkonzert stellt den Höhepunkt der kompositorischen Auseinandersetzung mit Vogelstimmen dar; der Autor kritisiert hier jedoch die Unübersichtlichkeit und die enorme Herausforderung für die Ausführenden.
Der Autor hinterfragt die Gattungsbezeichnung, da das Werk durch seine statische Struktur, die langen meditativen Passagen und den geistlichen Inhalt eher Ähnlichkeiten mit einem Oratorium aufweist.
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