Bachelorarbeit, 2016
58 Seiten, Note: 1,2
1 Problemstellung
2 Begriffliche Einordnung des Gabentausches
3 Gabentausch nach Marcel Mauss
3.1 System der totalen Leistungen
3.2 Potlatsch-Fest als Gabentauschsystem
3.3 Kula-Ring als Gabentauschsystem
3.4 Abgrenzung der Gabentauschsysteme Potlatsch und Kula
3.5 Die drei Verpflichtungen der Gabe
3.6 Hau als Grundlage der Gegengabe
3.7 Zusammenfassung
4 Moral als Handlungsmotiv
4.1 Definitorische Erklärung des Moralbegriffes
4.2 Moraltheorie nach Schopenhauer
4.3 Moraltheorie nach Kant
4.4 Kategorischer Imperativ nach Kant
5 Analytische Betrachtung von Gabentausch und Moral
5.1 Moral bei Marcel Mauss
5.2 Anwendung von Schopenhauers Moraltheorie auf Mauss´ Gabentausch
5.3 Anwendung von Kants Moraltheorie auf Mauss´ Gabentausch
5.4 Fazit
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Gabentausch nach Marcel Mauss unter Berücksichtigung der Moraltheorien von Arthur Schopenhauer und Immanuel Kant als moralisch zu klassifizieren ist, um zu ergründen, ob moralische Werte als Auslöser für das Prinzip der Gegenseitigkeit fungieren können.
3.1 System der totalen Leistungen
Bevor ich auf die Varianten des Gabentausches eingehen werde, möchte ich das System beschreiben, in dem sich diese bewegen. Hierbei handelt es sich um das System der totalen Leistung. Innerhalb dieses Systems finden unterschiedliche Tauschhandlungen statt die sich nicht auf ökonomische Prinzipien beziehen. (Vgl. Hoffmann 2009, 22) Allgemein beschreibt das System den Zustand zwischen zwei Gruppen, welche unter normalen Umständen keinen Grund hätten keinen Krieg gegeneinander zu führen. Es gibt keine Verpflichtung oder sonstige besondere Umstände, welche die beiden Gruppen zueinander führen. Trotzdem sind beide vollkommen abhängig voneinander, indem sie sich gegenseitig alles darbieten. (Vgl. Graeber 2012, 237) Diese Abhängigkeit wird jedoch von beiden Seiten vollkommen frei gewählt. Holger Schwaiger bezeichnet dies als eine „[…] eigentümliche Form der Freiwilligkeit und Unmotiviertheit […]“ (Schwaiger 2011, 67) Alle Tauschhandlungen, die sich innerhalb dieses Systems befinden beziehen sich nicht nur auf den Austausch von rein wirtschaftlichen Gütern. Vielmehr geht es um die mit den Tauschobjekten verbundenen Symbole und Rituale, welche mit dem Gabentausch einhergehen. Der Tausch als solcher findet nicht zwischen Individuen statt, stattdessen sind es immer Kollektive die vom Tausch betroffen sind. (Vgl. Mauss 2013 a, 21) Im gesamten System der totalen Leistungen gibt es drei Verpflichtungen, welche die erste Gabe begleiten. Das Geschenk muss erwidert werden, das Geschenk muss übergeben werden und vom Empfänger angenommen werden. (Vgl. Mauss 2013 a, 36) Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt näher auf die einzelnen Verpflichtungen eingehen und ihre jeweilige Rolle erläutern.
1 Problemstellung: Einführung in die Bedeutung des Tausches im gesellschaftlichen Leben und Darlegung der Forschungsfrage zur moralischen Dimension des Gabentausches nach Marcel Mauss.
2 Begriffliche Einordnung des Gabentausches: Abgrenzung zwischen ökonomischem Warentausch und sozialem, zeremoniellem Gabentausch sowie Darstellung der historischen Bedeutung der Gabe.
3 Gabentausch nach Marcel Mauss: Detaillierte Analyse des Systems der totalen Leistungen, der Tauschsysteme Potlatsch und Kula-Ring sowie der zugrundeliegenden Verpflichtungen und magischen Prinzipien.
4 Moral als Handlungsmotiv: Theoretische Grundlegung zum Moralbegriff sowie explizite Vorstellung der Mitleidsethik nach Arthur Schopenhauer und der Pflichtethik (Kategorischer Imperativ) nach Immanuel Kant.
5 Analytische Betrachtung von Gabentausch und Moral: Synthese der vorangegangenen Theorieteile durch Prüfung der moralischen Konformität des Gabentausches nach den Maßstäben von Schopenhauer und Kant sowie abschließendes Fazit.
Gabentausch, Marcel Mauss, Potlatsch, Kula-Ring, Moral, Schopenhauer, Kant, Mitleidsethik, Pflichtethik, Gegenseitigkeit, Reziprozität, totale Leistung, soziale Bindung, Handlungsmotiv, Kategorischer Imperativ.
Die Arbeit untersucht die moralische Qualität des von Marcel Mauss beschriebenen Gabentausches und hinterfragt, ob dieser auf Grundlage klassischer Moralphilosophie als moralisches Handeln eingestuft werden kann.
Die zentralen Felder sind die anthropologische Tauschtheorie von Mauss (Potlatsch und Kula), die Ethik von Schopenhauer und die Moralphilosophie von Kant.
Ziel ist es zu klären, ob moralische Werte als fundamentale Auslöser für die Gegenseitigkeit beim Gabentausch dienen können, wenn man die Perspektiven von Schopenhauer und Kant einbezieht.
Es handelt sich um eine analytische Literaturarbeit, die existierende soziologische und philosophische Theorien auf die ethnologischen Beobachtungen von Marcel Mauss anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Mauss'schen Tauschtheorie, die Erläuterung der moralphilosophischen Konzepte und deren anschließende Anwendung auf das System des Gabentausches.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gabentausch, Reziprozität, Mitleidsethik, Pflichtethik, soziale Bindung und das System der totalen Leistungen charakterisiert.
Das Risiko, keine Gegengabe zu erhalten, ist zentral, da es den Gebenden in eine Lage der Unsicherheit versetzt, was – nach Schopenhauers Kriterien – ein notwendiges Element für eine Handlung mit moralischem Gehalt darstellt.
Während bei Schopenhauer die Überwindung des Egoismus durch Mitleid im Vordergrund steht, bewertet Kant den Gabentausch eher als quasi-automatisches Befolgen des Kategorischen Imperativs durch den steten Rollenwechsel zwischen Gebendem und Empfänger.
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