Bachelorarbeit, 2010
40 Seiten, Note: 3,0
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Einleitung
1 Methodik
1.1 Das Schlagwort im politischen Gebrauch
1.2 „Diskurs“ und „Diskursanalyse“ im politischen Sprachgebrauch
1.3 Geschichte der deutschen Diskursanalyse und der Sprachkritik
1.4 Erstellung eines Textkorpus als Analysegrundlage
1.5 Praxisverfahren der Diskursanalyse
2 Hintergrundinformationen zur Entwicklung des Bundeswehreinsatzes
3 Entwicklung zentraler Schlagwörter im Diskurs über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr
3.1 Bundeswehreinsatz nur ein Stabilisierungseinsatz?
3.2 Kriegsähnliche Zustände - Annäherungen an eine realistischere Bewertung
3.3 Nicht-internationaler bewaffneter Konflikt als erster offizieller Status
3.4 Warum der Afghanistan-Einsatz offiziell nicht Krieg genannt wird
4 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Sprachgebrauch in der öffentlichen und politischen Diskussion über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr im Zeitraum von 2009 bis 2010. Das primäre Ziel besteht darin, die Bezeichnungs- und Bedeutungskonkurrenz verschiedener Schlagwörter zu analysieren und aufzuzeigen, wie die Bundesregierung diese rhetorisch einsetzt, um den Einsatz zu legitimieren, rechtliche Einordnungen vorzunehmen oder von der umgangssprachlich geforderten Bezeichnung „Krieg“ zu distanzieren.
3.1 Bundeswehreinsatz nur ein Stabilisierungseinsatz?
Wie oben vorgestellt, hatte der ehemalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung eine später häufig auftauchende Vokabel für den Einsatz geprägt. In einem Interview sagte er: „Ich halte es für falsch, von einem Krieg zu sprechen. Es ist ein Stabilisierungseinsatz.“ („‚In Afghanistan ist kein Krieg‘“, Frankfurter Rundschau online, 07.08.2010).
Auch wenn unbekannt wäre, dass dies ein Zitat des damaligen Verteidigungsministers ist, wird deutlich, dass der Sprecher ein Befürworter des ISAF-Mandats und der Beteiligung der Bundeswehr am selbigen ist. Unterstützt wird der damalige Verteidigungsminister dabei von der Bezeichnung des Mandats als ISAF-Mandat, denn auch diese Bezeichnung lässt nicht auf einen Krieg schließen: „International Security Assistance Force“, kurz ISAF, bedeutet sinngemäß übersetzt internationale Schutztruppe.
Das Schlagwort Stabilisierungseinsatz ist im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz eine klare Positivbezeichnung des Bundeswehreinsatzes. Das Etablieren als Stabilisierungseinsatz soll dazu beitragen, dass das ISAF-Mandat im deutschen Volk mehr Zuspruch erhält und in einem besseren Licht steht. Denn schon bevor die Truppen in Afghanistan stationiert wurden, befürchtete die Mehrheit der Deutschen, dass es zu einem Krieg kommen und Deutschland verstärkt in den Fokus von Terroristen geraten könnte. So wurde versucht, die positiven Aspekte des Einsatzes gebündelt in einem Wort darzustellen. Es soll vermieden werden, dass Wörter wie „Opfer, Tod und Grausamkeit“ bei der Benennung mitschwingen („Wortgefechte um ‚Krieg‘ und ‚Frieden‘“, The European, 09.08.2010). Dies wird durch den Euphemismus Stabilisierungseinsatz erreicht. Stabilisierungseinsatz benennt „über den Sachverhalt hinaus die positiv bewerteten Ziele des ‚Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan‘“ (ebd.). Durch die Wahl dieses Begriffs lenkte Franz-Josef Jung vor allem das Augenmerk auf die vorgegebenen Ziele der Bundesregierung.
Einleitung: Umriss der Thematik, der diskursanalytischen Zielsetzung sowie der Bedeutung von Sprache als politisches Werkzeug im Kontext des Afghanistan-Einsatzes.
1 Methodik: Darlegung der theoretischen Grundlagen der Schlagwortforschung und Diskursanalyse sowie Beschreibung des methodischen Vorgehens bei der Korpusbildung und Auswertung.
2 Hintergrundinformationen zur Entwicklung des Bundeswehreinsatzes: Chronologischer Überblick über die wichtigsten Etappen des ISAF-Mandats von 2001 bis 2010 und die damit verbundene politische Kommunikation.
3 Entwicklung zentraler Schlagwörter im Diskurs über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr: Detaillierte Analyse der verschiedenen Benennungen des Einsatzes und der rhetorischen Strategien der Bundesregierung zur Distanzierung vom Kriegsbegriff.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse der Diskursanalyse und Reflexion über die zentrale Rolle sprachlicher Benennungen für die politische Legitimierung.
Afghanistan-Einsatz, Bundeswehr, Diskursanalyse, Schlagwort, Politische Kommunikation, Stabilisierungseinsatz, Krieg, kriegsähnliche Zustände, nicht-internationaler bewaffneter Konflikt, Legitimierung, Euphemismus, Sprachkritik, ISAF, Völkerrecht, Medienberichterstattung.
Die Arbeit untersucht, wie Politiker und Medien sprachlich den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan benennen und mit welchen Begriffen sie versuchen, die öffentliche Wahrnehmung des Einsatzes zu beeinflussen.
Die zentralen Felder sind die politische Rhetorik, die gezielte Verwendung von Euphemismen, der Konflikt zwischen juristischer Definition und Alltagssprache sowie die Rolle von Schlagwörtern bei der Legitimierung von Militäreinsätzen.
Ziel ist es, die Bezeichnungs- und Bedeutungskonkurrenz verschiedener Begriffe aufzuzeigen und zu analysieren, wie die Bundesregierung durch eine geschickte Wortwahl versuchte, den Afghanistan-Einsatz von einer negativen Konnotation wie „Krieg“ zu distanzieren.
Die Arbeit nutzt die Methode der Diskursanalyse, wobei der Schwerpunkt auf der Lexik (Schlagwortanalyse) liegt, um die diskursive Strategie der Regierung anhand von Presseberichten und Regierungserklärungen zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert spezifische Begriffe wie „Stabilisierungseinsatz“, „kriegsähnliche Zustände“ und „nicht-internationaler bewaffneter Konflikt“ und zeigt auf, wie diese zur Legitimierung oder Umdeutung des Afghanistan-Einsatzes in der politischen Kommunikation eingesetzt wurden.
Schlüsselwörter sind unter anderem „Afghanistan-Einsatz“, „Diskursanalyse“, „Schlagwort“, „Legitimierung“, „Euphemismus“ und „Sprachkritik“.
Die Bezeichnung wandelte sich von „Stabilisierungseinsatz“ hin zu „kriegsähnlichen Zuständen“ bis hin zur juristischen Einstufung als „nicht-internationaler bewaffneter Konflikt“, was den steigenden Druck und die zunehmende Intensität der Kämpfe widerspiegelt.
Die Regierung fürchtete einerseits die negativen Assoziationen des Kriegsbegriffs in der deutschen Öffentlichkeit aufgrund der NS-Vergangenheit und argumentierte andererseits mit völkerrechtlichen Definitionen, nach denen ein Krieg nur zwischen Staaten stattfinden könne.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

