Bachelorarbeit, 2016
46 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Die Bundeswehr
2.1. Gründungssituation
2.2. Traditionsverständnis
2.3. Leitbilder
2.4. Symbolik und Brauchtum
2.5. Historische Ereignisse
3. Die Nationale Volksarmee
3.1. Gründungssituation
3.2. Traditionsverständnis
3.3. Leitbilder
3.4. Symbolik und Brauchtum
3.5. Historische Ereignisse
4. Gegenseitige Wahrnehmung
4.1. Sicht der Bundeswehr auf die NVA
4.2. Sicht der NVA auf die Bundeswehr
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Traditionsbildung in den beiden deutschen Armeen während ihrer Aufbauphase (1956–1966). Ziel ist es, die jeweils definierten Traditionsbilder, die Rolle von Leitbildern und Symbolen sowie die gegenseitige Wahrnehmung der NVA und der Bundeswehr auf Basis zeitgenössischer Militärzeitschriften vergleichend zu analysieren.
2.5. Historische Ereignisse
Ein weiteres wichtiges Mittel um den Soldaten Traditionslinien zu vermitteln, stellten Artikel über militärhistorische Ereignisse dar. Das meist wiederkehrende Ereignis, in den Artikeln der Information für die Truppe, ist der 20. Juli 1944. Zu allen Jahrestagen zwischen 1956 und 1966 wurden mehrere Artikel zu dem Thema veröffentlicht. Dadurch ist ersichtlich, wie wichtig der militärische Widerstand gegen das NS-System für das Selbstverständnis der Bundeswahr war und ist. Die häufigen Artikel lassen sich dadurch erklären, dass man entgegen dem damaligen Eidverständnis des Offizierskorps, versuchte, eine Tradition zu schaffen, die zum Selbstverständnis einer demokratischen Armee passen sollte. Zudem waren sich in der Ablehnung eines Gedächtnisses an die Verschwörer des 20. Juli 1944, die meisten der ehemaligen Wehrmachtsoffiziere in der Bundeswehr, im Einklang mit einem Großteil der Bevölkerung einig. Einen guten Eindruck wie man versuchte den 20. Juli als Tradition zu etablieren, zeigt die Ansprache der damaligen Generalinspekteur General Friedrich Foertsch am 20. Juli 1961, die man in Heft 8 desselbigen Jahrganges veröffentlichte.
Die Rede beginnt mit einer Einleitung, aus der ersichtlich wird, dass man bezüglich des Gedenkens an den 20. Juli noch mit erheblichen Widerständen zu kämpfen hatte. „Das Verständnis der 20. Juli ist nicht für wenige Menschen unseres Volkes verdunkelt durch die Unkenntnis der Tatsachen. Besonders mancher Soldat hat es nicht leicht, den Sinn der damaligen Geschehnisse zu begreifen […].“ Dann folgt eine Erklärung, dass die Verschwörer keine Meuterer waren. Hier wurde in den Vordergrund gestellt, dass es sich bei den Männern zumeist um preußische Adlige handelte, die einer sittlichen Verantwortung heraus agierten. Das Selbstverständnis der Bundeswehr, dass der Soldat als demokratischer Bürger bei einem Befehl seinem moralischen Gewissen folgen soll, kommt in der nächsten Passage zum Ausdruck. „Sie gehorchten ihrem Gewissen mehr als dem Unrechtsstaat. Damit stehen sie in echter deutscher Soldatentradition. Sie sind es die Gehorsam, Eid und Treue so verstanden, wie sie verstanden werden müssen und wir sie auch wieder verstehen wollen […].“
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der militärischen Traditionen in der Bundeswehr und NVA als Nachfolgearmeen des Deutschen Reiches.
2. Die Bundeswehr: Analyse des Traditionsverständnisses, der Leitbilder und der symbolischen Einordnung der Bundeswehr unter Berücksichtigung des Konzepts der Inneren Führung.
3. Die Nationale Volksarmee: Untersuchung der ideologisch verordneten Traditionsbildung der NVA, ihrer Leitbilder und der Abgrenzung gegenüber der Bundeswehr.
4. Gegenseitige Wahrnehmung: Vergleichende Analyse der wechselseitigen Beobachtung und medialen Darstellung des jeweiligen Gegners in den Militärzeitschriften.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Traditionskonstruktion beider Armeen als Ausdruck postfaschistischer Gesellschaften.
Traditionspflege, Bundeswehr, NVA, Innere Führung, Militärgeschichte, Wehrmacht, Kalter Krieg, Soldatenbilder, DDR, Traditionsbildung, Ideologie, militärische Tugenden, Deutschland, Vergleich, Offizierskorps.
Die Arbeit vergleicht die Traditionsfindung und das militärische Selbstverständnis der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee (NVA) in den Jahren 1956 bis 1966.
Zentrale Themen sind die Definition von militärischen Traditionen, der Umgang mit geschichtlichen Erblasten, die Wahl von Leitbildern sowie die Rolle von Symbolen und Zeremonien.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Armeen nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten, eine eigene Identität zu konstruieren und welche historischen Bezüge sie dabei wählten oder bewusst ausblendeten.
Der Autor führt eine inhaltsanalytische Untersuchung von militärischen Fachzeitschriften (insb. "Information für die Truppe" und "Militärwesen") durch, um Duktus und Tenor der Traditionsvermittlung zu deuten.
Der Hauptteil analysiert strukturiert Gründungssituationen, Traditionsverständnis, Leitbilder, Symbolik und die gegenseitige Wahrnehmung der beiden Armeen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Traditionspflege, Innere Führung, NS-Vergangenheit, Ideologie und das asymmetrische Verhältnis der beiden deutschen Staaten charakterisiert.
Während die Bundeswehr auf ehemalige Wehrmachtsoffiziere zurückgriff und diese in das neue System zu integrieren suchte, schloss die NVA ehemalige Wehrmachtangehörige von der Bestimmung der Traditionslinien explizit aus.
In der Bundeswehr wurde der Widerstand des 20. Juli als Grundlage für eine demokratische Gewissensentscheidung genutzt, während die NVA die Verschwörer eher als Teil der deutschen Großbourgeoisie betrachtete, die primär den Imperialismus retten wollte.
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