Magisterarbeit, 2004
71 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Politisches Theater
2.1 EPISCHES THEATER
2.2 UNSICHTBARES THEATER
2.3 KUNST UND LEBEN
2.3.1 Wagners Gesamtkunstwerk
2.3.2 Beuys‘ Soziale Plastik
2.4 POLITIK ALS INSZENIERUNG
3 Das Theater um Christoph Schlingensief
3.1 LEBEN TRIFFT AUF THEATER: 100 JAHRE CDU
3.2 DIE SCHLINGENSIEF-FAMILIE
3.3 ZUSCHAUER WIRD DARSTELLER. ROCKY DUTSCHKE ´68
3.4 DER MENSCH ALS MATERIAL: MEIN FILZ, MEIN FETT, MEIN HASE
3.5 VERLASSEN DES KUNST-RAUMS: PASSION IMPOSSIBLE
4 Chance 2000
4.1 DIE VERMENGUNG VON KUNST UND POLITIK
4.1.1 Inszenierung des Publikums
4.1.2 Uminszenierung des Alltags
4.1.3 Inszenierung der Medien
4.2 CHANCE 2000 ALS POLITISCHES THEATER
5 Ausländer raus - Bitte liebt Österreich
5.1 BIG BROTHER UND DIE INSZENIERUNG VON REALITY-TV
5.2 INSZENIERUNG VON REALITÄT IN SCHLINGENSIEFS „BITTE LIEBT ÖSTERREICH“
5.2.1 Das Leben als Theater
5.2.2 Zuschauer als Darsteller / Darsteller als Zuschauer
5.2.3 Inszenierung in den Medien
5.2.4 Politiker sind Schauspieler
5.3 BITTE LIEBT ÖSTERREICH: POLITISCHES THEATER?
6 Hamlet
6.1 INSZENIERUNGS-EBENEN
6.1.1 Fiktionale Ebene
6.1.2 Fiktions-Realitätsebene
6.1.3 Realitätsebene
6.2 HAMLET: POLITISCHES THEATER?
7 Schlingensiefs Theater als neue Form von politischem Theater
8 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, inwieweit Christoph Schlingensief mit seinem künstlerischen Ansatz das traditionelle Verständnis des Politischen Theaters transformiert und durch die Aufhebung der Trennung von Kunst und Realität eine neue gesellschaftliche Relevanz erzeugt.
Die Schlingensief-Familie
So wie Boal verlässt auch Schlingensief oftmals den Theaterraum, um die Realität zur Spielstätte zu erklären. Die Gleichberechtigung zwischen Schauspieler und Publikum zieht Schlingensief jedoch konsequenter durch, als dies bei Boal der Fall ist. Denn schon das Schlingensief’sche Ensemble besteht nicht nur aus gelernten Schauspielern. Setzte es sich anfangs noch überwiegend aus Schauspielern der Volksbühne und Darstellern aus Schlingensief-Filmen zusammen, hat es sich nach und nach zu einer Mixtur aus Laien und professionellen Schauspielern manifestiert. Profis wie Sophie Rois, Martin Wuttke und Bernhard Schütz agieren mit Amateuren wie dem arbeitslosen Werner Brecht, oder den Behinderten Achim von Paczensky und Mario Garzaner, sowie mit dessen Eltern Ilse und Kurt, die bei verschieden Projekten zu der Truppe stießen und zu einem untrennbaren Teil des Schlingensief-Theaters wurden.
Gerne redet Schlingensief im Zusammenhang mit seinem Ensemble von einer „Familie“- ein Begriff, den er sich in diesem Zusammenhang wohl vom Film- und Theaterregisseur Rainer-Werner Fassbinder entliehen hat.
„Die Hoffnung dieser Familie besteht darin, daß man vieles durch die einzelnen Familienmitglieder bekommt, ohne daß ein einzelner die Absicht hat, durch das, was er von außen mit hineinbringt, diese Familie zu verwirren, zu zerstören oder auf einen neuen Weg zu setzen. Es ist ein System, daß sich pumpend bewegt.“
1 Einleitung: Einführung in die Thematik des Politischen Theaters und die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Wirksamkeit von Schlingensiefs Projekten.
2 Politisches Theater: Historische Einordnung der Begriffe und Methoden des traditionellen Politischen Theaters, inklusive Piscator, Brecht und Boal sowie der Einflüsse von Wagner und Beuys.
3 Das Theater um Christoph Schlingensief: Darstellung der Entwicklung von Schlingensiefs spezifischem Theaterkonzept und seinem Verständnis von Ensemblearbeit und Realität.
4 Chance 2000: Analyse des Wahlkampfprojekts und der bewussten Vermengung von künstlerischer Provokation und politischer Partizipation.
5 Ausländer raus - Bitte liebt Österreich: Untersuchung der Container-Aktion und ihrer Wirkung als politisches und mediales Ereignis zur Zeit des österreichischen Rechtsrucks.
6 Hamlet: Dekonstruktion eines klassischen Theaterstücks durch die Integration einer Neonazi-Truppe und die Reflexion über historische und aktuelle politische Mechanismen.
7 Schlingensiefs Theater als neue Form von politischem Theater: Synthese der Projektergebnisse und Begründung, warum Schlingensief eine moderne Antwort auf die Krise des klassischen Politischen Theaters bildet.
8 Zusammenfassung: Abschließender Überblick über die Kernthesen zur Transformation des Politischen Theaters durch Schlingensief.
Christoph Schlingensief, Politisches Theater, Episches Theater, Inszenierung, Performance, Realität, Chance 2000, Ausländer raus, Hamlet, Soziale Plastik, Joseph Beuys, Systemtheorie, Medialisierung, Zuschaueraktivierung, Gesellschaftskritik.
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Christoph Schlingensief das Genre des Politischen Theaters erneuert hat, indem er die Grenzen zwischen Kunst und Leben durch radikale Aktionen auflöst.
Die zentralen Themen sind die Theatralisierung des Alltags, die Rolle der Medien in politischen Prozessen, die Einbeziehung gesellschaftlicher Randgruppen und die Dekonstruktion traditioneller politischer Ideologien.
Die Forschungsfrage untersucht, ob Theater, das sich der expliziten politischen Positionierung verweigert, dennoch eine hohe politische Wirksamkeit entfalten kann.
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, die Schlingensiefs Projekte in den Kontext bekannter Theatertheorien (Piscator, Brecht, Boal) und soziologischer Konzepte (Goffman) stellt.
Der Hauptteil analysiert detailliert drei Schlüsselprojekte: Die Partei „Chance 2000“, die Wien-Aktion „Ausländer raus“ und die Zürcher „Hamlet“-Inszenierung.
Die wichtigsten Schlagworte sind neben Schlingensief selbst: Inszenierung, Realität, Politisches Theater, Soziale Plastik und Zuschaueraktivierung.
Er nutzt die Medien bewusst als Multiplikatoren und Katalysatoren, indem er Provokationen gezielt inszeniert, um deren Mechanismen offenzulegen und die Berichterstattung selbst zum Teil der Performance zu machen.
Durch die reale Beteiligung von Personen aus der Neonazi-Szene wird das Theater zum Schauplatz einer unmittelbaren Konfrontation, die das Publikum zur Selbstreflexion über die eigene Intoleranz zwingt.
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