Masterarbeit, 2015
55 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Zielsetzung
2 Theoretische und methodische Grundlagen
2.1 Die schriftsprachliche Situation im 17. und 18. Jahrhundert auf syntaktischer Ebene
2.1.1 Das 17. Jahrhundert
2.1.2 Das 18. Jahrhundert
2.1.3 Zusammenfassung
2.2 Fragestellung
2.3 Methodik
2.4 Hypothesen
2.5 Erkenntnisinteresse und Erkenntniszuwachs
3 Zur Textsorte Autobiographie
3.1 Zur Definition und Gattung der Autobiographie
3.2 Autobiographisches Schreiben im 18. Jahrhundert
4 Korpus
4.1 Johann Jacob Moser (1768): Lebens=Geschichte Johann Jacob Mosers von ihme selbst beschriben
4.2 Johann Ernst Gotzkowsky (1768): Geschichte eines patriotischen Kaufmanns aus Berlin, Namens J. E. Gotzkofsky, von ihm selbst geschrieben
4.3 Johann Heinrich Jung-Stilling (1789): Henrich Stillings häusliches Leben. Eine wahrhafte Geschichte
4.4 Philipp Ernst Spieß (1794): Lebensumstände des weil. Wohlgebohrnen Herrn Philipp Ernst Spieß, Königl. Preußis. wirkl. von ihm eigenhändig verfaßt
4.5 Johann Samuel Fest (1797): Biographische Nachrichten und Bemerkungen über sich selbst
4.6 Zusammenfassung
5 Textanalyse
5.1 Der Ganzsatzumfang
5.2 Das Verhältnis von einfachen und zusammengesetzten Sätzen
5.3 Analyse der zusammengesetzten Sätze
5.3.1 Strukturelle Gliederung der Satzgefüge
5.3.2 Anzahl der Nebensätze
5.3.3 Abhängigkeitsgrade der Nebensätze
5.4 Textbeispiele
5.4.1 Das häufigste syntaktische Formulierungsmuster: Ein Hauptsatz mit ein bis zwei Nebensätzen
5.4.2 Einfachsätze
5.4.3 Besonders umfangreiche Satzgefüge
5.5 Zusammenfassung
5.6 Überprüfung der Hypothesen
5.7 Erklärungsansätze
6 Untersuchungsergebnis
7 Ausblick auf weitere Forschung
Die Arbeit untersucht syntaktische Phänomene und allgemeinsprachliche Tendenzen in fünf weniger bekannten Autobiographien aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, um zu prüfen, ob sich diese mit den Erkenntnissen der allgemeinen Sprachgeschichte decken.
2.1.1 Das 17. Jahrhundert
Auf syntaktischer Ebene fanden im 17. Jahrhundert die wichtigsten Veränderungen statt im Bereich des Gebrauchs von Satzgefügen und Nebensätzen, im Ausbau der Substantivgruppe, damit einhergehend ein Wachstum der Ganzsatzlänge und nicht zuletzt in der Ausbildung des so genannten Satzrahmens, welcher durch die Stellung der finiten Verbform (Zweitstellung bei Hauptsätzen und Endstellung bei Nebensätzen) gebildet wird.
Im 17. Jahrhundert lässt sich eine enorme Zunahme in der durchschnittlichen Länge des Ganzsatzes und des Elementarsatzes beobachten. ADMONI sieht diese Entwicklung als eine
„Notwendigkeit, in einigen Gattungen der Literatursprache dieser Zeit (Urkunden, theologisch-philosophische Prosa usw.) in immer größeren Ausmaßen einen komplizierten und mannigfach gegliederten Denkinhalt wiederzugeben. […] Diese Aufgabe kann aber auf verschiedene Weise gelöst werden. Es besteht die Möglichkeit, die Form des zusammengesetzten Satzes mächtig auszubauen, vor allem die Hypotaxe. Aber es besteht auch die Möglichkeit, die Aufnahmefähigkeit der allen parataktischen und hypotaktischen Konstruktionen zugrundeliegenden Satzform zu erhöhen, die in ihren wesentlichen Zügen mit dem einfachen, alleinstehenden, selbstständigen Satz zusammenfällt und die ich mit dem Ausdruck ‚Elementarsatz’ bezeichne.“14
Der Elementarsatz ist bei ADMONI ein wichtiger und immer wieder anzutreffender Terminus15. Jedem Elementarsatz liegt einer der von ADMONI aufgestellten 12 logisch-grammatischen Satztypen zugrunde16 und muss mindestens aus einem Subjekt und einem Prädikat bestehen. Dieser obligatorische Kern des Elementarsatzes kann durch fakultative Glieder – z.B. Ausbau der Substantivgruppe – erweitert werden und so zu einem Wachstum des Ganzsatzes führen. Neben dem Ausbau des einzelnen Elementarsatzes kann auch die Anzahl der Elementarsätze insgesamt in einem Satz erhöht werden.
1 Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse, die Motivation zur Textauswahl und das Ziel der syntaktischen Untersuchung von Autobiographien des 18. Jahrhunderts vor.
2 Theoretische und methodische Grundlagen: Bietet einen Forschungsüberblick zur Syntax im 17. und 18. Jahrhundert sowie die Definition der methodischen Vorgehensweise und Hypothesen.
3 Zur Textsorte Autobiographie: Definiert die Gattung der Autobiographie und beschreibt das autobiographische Schreiben im Kontext des 18. Jahrhunderts.
4 Korpus: Stellt die fünf untersuchten Autoren und ihre jeweiligen Autobiographien sowie deren soziofunktionalen Hintergrund detailliert vor.
5 Textanalyse: Führt die empirische Untersuchung durch, wertet Ganzsatzumfänge und Satzgefüge aus und setzt diese in den Kontext der Forschungsergebnisse.
6 Untersuchungsergebnis: Fasst zusammen, dass die Hypothesen bestätigt werden konnten und die Autobiographien ähnliche syntaktische Tendenzen aufweisen wie andere Textsorten.
7 Ausblick auf weitere Forschung: Zeigt Potenziale für zukünftige Studien auf, etwa durch die Einbeziehung von Gesamttexten oder weitere Analysen zu spezifischen Schreibergruppen wie Predigern.
Autobiographie, Syntax, 18. Jahrhundert, Satzgefüge, Ganzsatz, Elementarsatz, Hypotaxe, Sprachgeschichte, Textanalyse, Korpus, Pietismus, Aufklärung, Stilistik, Sprachwandel, Individualstil.
Die Arbeit befasst sich mit der Syntax von Autobiographien aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, um syntaktische Strukturen und deren Entwicklung zu analysieren.
Im Zentrum stehen die syntaktische Komplexität, das Verhältnis von einfachen zu zusammengesetzten Sätzen sowie die durchschnittliche Länge von Sätzen in biografischen Texten.
Das Ziel ist es, allgemeinsprachliche Tendenzen der Syntax des 18. Jahrhunderts herauszuarbeiten und zu prüfen, ob diese auch für die spezifische Textsorte der Autobiographie gelten.
Die Autorin wählt aus fünf Autobiographien jeweils Abschnitte von rund 130 Sätzen aus und unterzieht diese einer quantitativen und qualitativen syntaktischen Analyse.
Neben theoretischen Grundlagen zur Sprachgeschichte und Gattungstheorie enthält der Hauptteil eine detaillierte Textanalyse, die Parameter wie Ganzsatzlänge, Nebensatzanzahl und Abhängigkeitsverhältnisse vergleicht.
Zentrale Begriffe sind Syntax, Autobiographie, 18. Jahrhundert, Hypotaxe, Sprachgeschichte und statistische Textanalyse.
Einige der untersuchten Autoren sind der pietistischen Bewegung zuzuordnen, was als Erklärungsansatz für individuelle Abweichungen im Schreibstil herangezogen wird.
Während Jung-Stilling eher zu einem einfacheren, weniger komplexen Satzbau neigt, zeigt Fest eine überdurchschnittlich hohe Neigung zu komplexen Satzgefügen und Hypotaxe.
Seine Autobiographie besteht nicht aus einem durchgehenden Text, sondern wurde in Form von Grabreden-Fragmenten überliefert, was die methodische Aufarbeitung erschwerte.
Ja, die Arbeit konnte zeigen, dass die allgemeinen syntaktischen Entwicklungstendenzen des 18. Jahrhunderts auch in der Textsorte Autobiographie erkennbar sind.
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