Magisterarbeit, 2004
103 Seiten, Note: gut
Vorwort von schwarzen und weis(s)en Seiten
Inhaltsverzeichnis
Einleitung – Die Allgemeinheit der jugendlichen Straftäter ist nicht so schlimm...
I. Sozialpädagogik zu Beginn des 21. Jahrhunderts
I. 1 Soziale Arbeit in einer individualisierten Risikogesellschaft
I. 2 Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft
I. 3 „Selbstbewusste und arrogante“ Sozialpädagogen
II. Die Konfrontative Methode in der Pädagogik
II. 1 Grundlagen und Ziele
II. 1.1 Sozialisationstheoretische Bezüge und Ziele
II. 1.1.1 Handlungskompetenz – „Der Mehrfachauffällige als produktiver Realitätsverarbeiter“
II. 1.1.2 Prosoziales Verhalten
II. 1.1.3 Weiterentwicklung des moralischen Bewusstseins
II. 1.2 Sozialpädagogisch-psychologische Bezüge
II. 1.2.1 Autoritativer Erziehungsstil (Induktion und Internalisierung)
II. 1.2.2 Kognitionspsychologische Konfrontative Therapie nach Corsini
II. 1.2.3 Provokative Therapie nach Farrelly
II. 1.2.4 Der „Heiße Stuhl“ aus der Gestalttherapie Perls
II. 1.2.5 Die kognitive Psychologie und die Rational-Emotive Therapie
II. 1.2.6 Kriminalsoziologische Ansätze
II. 1.3 Jugend- und Straffälligenhilfe und Konfrontative Pädagogik
II. 1.3.1 Spannungsfeld doppeltes Mandat
II. 1.3.2 Strafen UND behandeln UND begleiten
II. 2 Methoden
II. 2.1 „Grenzziehung mit Herz“
II. 2.2 Erziehung und nicht Manipulation – „Die Einmassierung des Realitätsprinzips“
II. 3 Konfrontation für jeden?
II. 3.1 Was ist Konfrontation?
II. 3.2 Hält jeder die Konfrontation aus?
II. 3.3 Konfrontative Pädagogik als Allheilmittel?
II. 4 Erster Versuch einer Definition
III. Beispiele für Konfrontative Pädagogik
III. 1 Glen-Mills-Schools – am Rand der Konfrontativen Pädagogik
III. 1.1 Die Philosophie Ferrainolas’
III. 1.2 Die Voraussetzungen in der amerikanischen Gesellschaft
III. 1.3 Die Praxis in Glen-Mills und die Konfrontation
III. 1.4 Deutsche Bedenken an Glenn-Mills
III. 2 Anti-Aggressivitäts-Training – die Geburtsstunde der Konfrontativen Pädagogik
III. 2.1 Die Philosophie Jens Weidners’
III. 2.2 Die Voraussetzungen in der deutschen (europäischen) Gesellschaft
III. 2.3 Die Praxis des Anti-Aggressivitäts-Trainings und die Konfrontation
III. 3 Wie weit kann Konfrontative Pädagogik noch gehen?
III. 3.1 Bereits vorhandene konfrontative Elemente in Anti-Gewalt-Trainings und Täter-Opfer-Ausgleichen
III. 3.2 Coolness-Trainings in Schulen
IV. Love it or (be)leave (in) it – eine wissenschaftliche und mediale Kontroverse
IV. 1 Kritiken am Phänomen aus wissenschaftlicher Sicht
IV. 2 Das Medien-Echo
IV. 3 Der Pädagoge als Verkäufer seines Produkts
V. Zusammenfassung
V. 1 Wie neu ist Konfrontative Pädagogik wirklich?
V. 2 Zweiter Versuch einer Definition
V. 3 Probleme des konfrontativen Ansatzes/ offene Fragen
Abschluss – Agenda 2010
Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem erziehungswissenschaftlichen Ansatz der „Konfrontativen Pädagogik“ im Kontext der Jugend- und Straffälligenhilfe auseinander. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen, die Methoden und die praktischen Einsatzmöglichkeiten (insbesondere in Glen-Mills-Schools und Anti-Aggressivitäts-Trainings) zu beleuchten sowie den Ansatz kritisch in die aktuelle sozialpädagogische Diskussion einzuordnen.
Der „Heiße Stuhl“ aus der Gestalttherapie Perls
Die Erkenntnisse der Konfrontativen und der Provokativen Therapie lassen sich am direktesten in der Methode des „Heißen Stuhls“ am Jugendlichen umsetzen. Dies ist für den Außenstehenden Betrachter und die Medien der wohl auch spektakulärste Punkt in der Konfrontativen Pädagogik. Aus diesem (oder besser dessen Wurzeln) wurde im Fernsehen auch die „Fast-Food-Streitkultur“ des „heißen Stuhls“ der Herren Meyer und Kracht „pervertiert“ (Weidner 1993a).
Er ist jedoch nicht eine Erfindung Weidners, sondern er ist schon „seit längerem ein feststehender Begriff in der sozialpädagogisch-psychologischen Praxis“ (Scholz 2001: 125).
Entstanden ist der Begriff bei dem Gestalttherapeuten Perls. Dieser entwickelte, nach intensivem Austausch mit dem Psychiater Moreno, dessen „Leeren Stuhl“ weiter. Moreno verwendete diesen erstmals 1915 in der Psychodrama-Therapie. Dabei stellt sich der Klient im Rollenspiel einen geistigen Konfliktgegner vor und führt mit ihm und der Unterstützung des Therapeuten einen Dialog. Dieser imaginäre Kommunikationspartner sitzt dann gegenüber auf dem „Leeren Stuhl“ (vgl. Schanzenbächer 2003: 54; vgl. Weidner 1993a).
Perls entwickelt den „Leeren Stuhl“ dann zu einer Art „spontaner Theaterinszenierung“ (Schanzenbächer 2003: 54) weiter, wo auch der Konfliktgegner als Rollenspieler eingebunden ist. Außerdem ist der Therapeut der Regisseur und die übrigen Gruppenmitglieder bekommen Rollen zugewiesen. Es findet dazu eine Einkreisung des Klienten durch die Gruppe statt. Sehr wichtig war Perls auch, dass nur die Person auf dem „Heißen Stuhl“ Platz nimmt, die gewillt ist an ihrer Psyche zu arbeiten. Ein Punkt der auch für Weidner ganz wichtig ist.
I. Sozialpädagogik zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Dieses Kapitel verortet die Soziale Arbeit in einer Risikogesellschaft und diskutiert die Notwendigkeit, vom rein lebensweltorientierten Ansatz hin zu einer handlungsorientierten Professionalität zu gelangen.
II. Die Konfrontative Methode in der Pädagogik: Hier werden die theoretischen Bezugspunkte der Konfrontativen Pädagogik dargelegt und die zentralen Prinzipien wie „Grenzziehung mit Herz“ und der autoritative Erziehungsstil erläutert.
III. Beispiele für Konfrontative Pädagogik: In diesem Kapitel werden die Glen-Mills-Schools und das Anti-Aggressivitäts-Training als praktische Anwendungen analysiert, inklusive deren philosophischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
IV. Love it or (be)leave (in) it – eine wissenschaftliche und mediale Kontroverse: Dieses Kapitel widmet sich der intensiven Fachdebatte sowie der medialen Rezeption des konfrontativen Ansatzes und diskutiert die Rolle des Pädagogen als Vermarkter.
V. Zusammenfassung: Abschließend wird die Neuheit des Konzepts hinterfragt, eine ergänzende Definition unter dem Motto „Fordern und Fördern“ formuliert und die methodischen Probleme kritisch reflektiert.
Konfrontative Pädagogik, Sozialpädagogik, Anti-Aggressivitäts-Training, Glen-Mills-Schools, Grenzziehung mit Herz, Jugendkriminalität, Resozialisierung, Autoritative Erziehung, Kognitive Psychologie, Provokative Therapie, Täter-Opfer-Ausgleich, Coolness-Training, Handlungskompetenz, Lebensweltorientierung, Gewaltprävention
Die Arbeit analysiert die „Konfrontative Pädagogik“ als einen Ansatz in der Jugend- und Straffälligenhilfe, der gezielt auf delinquentes, aggressives Verhalten reagiert, anstatt dieses nur zu tolerieren.
Zentral sind die theoretischen Grundlagen aus Psychologie und Kriminologie, die praktische Anwendung in Trainingsprogrammen sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Professionalität in der Sozialen Arbeit.
Ziel ist es, die Ziele, Methoden und Grenzen der Konfrontativen Pädagogik wissenschaftlich aufzuarbeiten und ihren Platz innerhalb der zeitgenössischen Sozialpädagogik zu bestimmen.
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Literaturanalysen, die Auswertung von Evaluationsstudien sowie die Analyse von Kontroversen im Fachdiskurs umfasst.
Im Hauptteil wird das Konzept der „Konfrontativen Pädagogik“ detailliert hergeleitet und anhand von praktischen Modellen (Glen-Mills, AAT) illustriert, wobei auch die wissenschaftliche und mediale Debatte nicht zu kurz kommt.
Besonders prägend sind Begriffe wie „Grenzziehung mit Herz“, „Autoritativer Erziehungsstil“, „Mehrfachauffällige“ und „Fordern und Fördern“.
Es beschreibt einen pädagogischen Habitus, der Konfrontation und Autorität nicht als Selbstzweck einsetzt, sondern als liebevolle, aber notwendige Gegenwirkung, um Jugendlichen die Konsequenzen ihres Handelns und gesellschaftliche Normen bewusst zu machen.
Die Provokative Therapie dient als wesentliches Element der konfrontativen Methodik, da sie durch Humor und gezielte Provokation Widerstände aufbricht und den Täter dazu zwingt, sich mit seinen eigenen Verhaltensmustern auseinanderzusetzen.
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