Bachelorarbeit, 2014
42 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Zeit der Narration
a) Spätere und gleichzeitige Narration
b) Frühere und eingeschobene Narration
3. Narrative Ebenen
a) Zusammenwirken der Erzähltechniken Nathanaels
b) Zusammenwirken der Erzähltechniken des fiktiven Erzählers
4. Stellung der narrativen Instanz zum Geschehen
a) Wiedergabe der subjektiven Empfindung und Wahrnehmung Nathanaels
b) Sprachliche Markierung der perspektivischen Übergänge
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstruktur von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" mithilfe der Erzähltheorie von Gérard Genette, um zu ergründen, wie die erzähltechnischen Mittel der verschiedenen Erzählinstanzen zur systematischen Verwirrung des Lesers und zur Unentschiedenheit der Deutung beitragen.
a) Spätere und gleichzeitige Narration
Zumal der Vorfall mit dem Advokaten Coppelius chronologisch noch weiter in der Vergangenheit liegt, als das Auftauchen des Wetterglashändlers, ist es nur logisch, dass Nathanael bei dem Erzählen dieses Vorfalls auf die Vergangenheitsform zurückgreift. Viel interessanter und gleichzeitig verwirrender ist es aber, dass Nathanael, ohne jegliche Vorwarnung, den Typ der Narration, aus einem für den Leser zunächst unergründlichen Grund, wechselt. So wechselt Nathanael, als er zum ersten Mal den ‚Sandmann‘ begegnet von der späteren Narration plötzlich in die gleichzeitige Narration:
Näher – immer näher dröhnten die Tritte – es hustete und scharrte und brummte seltsam draußen. Das Herz bebte mir vor Angst und Erwartung. – Dicht, dicht vor der Türe ein scharfer Tritt – ein heftiger Schlag auf die Klinke, die Tür springt rasselnd auf! – Mit Gewalt mich ermannend gucke ich behutsam hervor. Der Sandmann steht mitten in der Stube vor meinem Vater, der helle Schein der Lichter brennt ihm ins Gesicht! – Der Sandmann, der fürchterliche Sandmann ist der alte Advokat Coppelius, der manchmal bei uns zu Mittag ist! (SM 7)
Ohne also, dass der Leser es bemerkt, saugt ihn die Erzählung plötzlich ein, sodass man das Gefühl hat mitten im Geschehen zu sein und das Gleiche wie Nathanael zu sehen und zu fühlen. Da aber Nathanael, genauso plötzlich wieder auf die spätere Narration wechselt, wirft die Erzählung den Leser erbarmungslos und wieder ohne jegliche Vorwarnung heraus. Dies hat zweierlei zur Folge: Einerseits ist der Leser unmittelbar am Geschehen beteiligt, sodass keine Distanzierung zum Geschehen möglich ist. Andererseits wird die Narration weiter, wie gewohnt fortgeführt, sodass der Leser auch da keine Distanzierungsmöglichkeit hat, um sich die Zeit zu nehmen über die Konsequenzen der zeitweiligen Beteiligung am Geschehen klar zu werden.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage, ob Nathanaels Begegnung mit dem "Sandmann" ein reales Ereignis oder eine Einbildung ist, und führt in die theoretische Methodik nach Gérard Genette ein.
2. Zeit der Narration: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen zeitlichen Ebenen des Erzählens und zeigt auf, wie der plötzliche Wechsel der Narrationstypen den Leser verunsichert.
3. Narrative Ebenen: Hier wird die Verschachtelung verschiedener Erzählebenen untersucht und dargelegt, wie die Rahmenerzählung des fiktiven Erzählers zur Ineinanderschachtelung der Geschichte beiträgt.
4. Stellung der narrativen Instanz zum Geschehen: Dieses Kapitel befasst sich mit der Charakterisierung von Nathanael, Clara und dem fiktiven Erzähler als narrative Instanzen und deren jeweiliger Rolle innerhalb der Erzählstruktur.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Unentschiedenheit der Deutung beabsichtigt ist und der fiktive Erzähler das Interesse des Lesers durch gezielte Verwirrung aufrechterhält.
E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Gérard Genette, Narrationstypen, narrative Ebenen, Erzählinstanz, Ineinanderschachtelung, Unentschiedenheit der Deutung, Wahnsinn, fiktiver Erzähler, Perspektivierung, Literaturwissenschaft, Erzähltheorie, Verwirrung, Identität.
Die Arbeit analysiert die Erzählstruktur von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", um zu verstehen, durch welche narratologischen Mechanismen eine bewusste Verwirrung des Lesers erzeugt wird.
Im Zentrum stehen die Kategorien der Stimme nach Gérard Genette, die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Wahn sowie die Rolle des Erzählers beim Ineinanderschachteln verschiedener Bedeutungsebenen.
Die zentrale Frage lautet, ob Nathanael sich den "Sandmann" und den damit verbundenen unheimlichen Spuk nur eingebildet hat und inwiefern diese Frage durch die gewählte Erzähltechnik gezielt unentscheidbar bleibt.
Die Arbeit nutzt die Erzähltheorie von Gérard Genette, insbesondere die Kategorie der Stimme, um das Verhältnis von Geschichte, Erzählung und Narration zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Zeitgestaltung, der narrativen Ebenen und der Stellung der Erzählinstanzen zum Geschehen, wobei Nathanaels Briefe und die Rahmenerzählung im Mittelpunkt stehen.
Wichtige Begriffe sind Erzähltheorie, Unentschiedenheit der Deutung, narrative Ebenen, fiktiver Erzähler und die Ineinanderschachtelung verschiedener Geschichten.
Dieser Wechsel erzeugt eine unmittelbare Identifikation mit dem Erlebten, die abrupt unterbrochen wird, wodurch der Leser keine Distanz zum Geschehen gewinnen kann und in einem Zustand der emotionalen und interpretatorischen Unsicherheit verbleibt.
Der fiktive Erzähler agiert nicht als objektive Instanz zur Klärung, sondern übernimmt Techniken Nathanaels und verweigert klare Kommentare, um die Spannung und die Zweideutigkeit der Erzählung bis zum Ende zu bewahren.
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