Masterarbeit, 2017
71 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Methodik
3 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
3.1 Begriffsbestimmungen
3.2 Aktuelle Zahlen
3.3 Fluchtmotive
3.4 Psychosoziale Situation bei der Einreise
4 Migrationsrecht
4.1 Begriffsbestimmung
4.2 Historischer Überblick
4.3 Aufenthaltstitel
4.4 Einreisebestimmungen
4.4.1 Grenzpolizeilicher Umgang
4.4.2 Flughafenverfahren
4.5 Asylverfahren
4.5.1 Asylantrag
4.5.2 Anhörung
4.5.3 Flüchtlingsrechtliche Positionen
4.5.3.1 Asylberechtigung
4.5.3.2 Flüchtlingsschutz
4.5.3.3 Subsidiärer Schutz
4.5.3.4 Abschiebungsverbote
4.5.4 Entscheidungen des BAMF
4.6 Außerhalb des Asylverfahrens
4.7 Aufenthaltsbeendende Maßnahmen
5 Kinder- und Jugendhilferecht
5.1 Rechtliche Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe
5.2 Vorläufige Inobhutnahme
5.3 Verteilverfahren
5.4 Reguläre Inobhutnahme
5.5 Vormundschaften
6 Spannungsfeld zwischen Migrationsrecht und Kinder- und Jugendhilferecht
6.1 Handlungsaufträge der Rechtsgebiete
6.2 Spannungsfeld
7 Soziale Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
7.1 Arbeitsfelder
7.2 Herausforderungen für die Soziale Arbeit
7.3 Handlungsempfehlungen für die Praxis
7.3.1 Vernetzung
7.3.2 Politisch Position beziehen
7.3.3 Unsicherheiten ertragen
7.3.4 Aufenthalts- und asylrechtliche Kenntnisse
7.3.5 Interkulturelle Kompetenz
7.3.6 Psychosoziale Kenntnisse
7.3.7 Verselbstständigungsphase
7.3.8 Übergänge gestalten
7.3.9 Freizeitpädagogik
7.3.10 Reflexionsmöglichkeiten schaffen
8 Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Masterthesis untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Migrationsrecht und dem Kinder- und Jugendhilferecht hinsichtlich unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (umF) und analysiert die daraus resultierenden Herausforderungen für die Soziale Arbeit, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten.
3.1 Begriffsbestimmungen
In der Fachöffentlichkeit wird der Begriff unbegleitete minderjährige Flüchtlinge oft verwendet. Welche Personen aber genau unter der Begrifflichkeit unbegleitete minderjährige Flüchtlinge verstanden werden, bleibt oftmals unscharf. Eine präzise Begriffsbestimmung ist deshalb für die folgende Thematik unerlässlich.
Nach der sogenannten Qualifikationsrichtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates gelten als „unbegleitet“ Minderjährige, die ohne Eltern in das Gebiet der Bundesrepublik einreisen oder nach der Einreise von ihnen getrennt werden (vgl. Schmeglitz 2014, S. 14). Diese Qualifikationsrichtlinie definiert in Artikel 21 einen unbegleiteten Minderjährigen als
[...] einen Minderjährigen, der ohne Begleitung eines für ihn nach dem Gesetz oder der Praxis des betreffenden Mitgliedstaates verantwortlichen Erwachsenen in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates einreist, solange er sich nicht tatsächlich in der Obhut eines solchen Erwachsenen befindet; dies schließt Minderjährige ein, die nach der Einreise in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates dort ohne Begleitung zurückgelassen werden (Richtlinie 2011/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13.12.2011).
Als „minderjährig“ gilt gemäß den zivilrechtlichen Vorgaben des deutschen Rechts jede Person unter 18 Jahren, denn nach § 2 BGB tritt die Volljährigkeit mit der Vollendung des 18. Lebensjahres ein. Die Altersgrenze der Volljährigkeit in Deutschland korrespondiert auf internationaler Ebene mit der Altersgrenze der UN-Kinderrechtskonvention (vgl. Jordan 2000, S. 59). Nach der Definition der UN-Kinderrechtskonvention ist ein Kind jeder Mensch, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt (Art. 1 UN-KRK).
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (umF), Darstellung der Problemstellung und der zentralen Forschungsfragen der Masterthesis.
2 Methodik: Erläuterung der Literaturrecherche und Auswertung von Gesetzestexten als Basis der Arbeit sowie Darstellung der Entstehung der Forschungsfragen.
3 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Definition des Begriffs umF, Einordnung aktueller Zahlen, Beschreibung von Fluchtmotiven sowie Analyse der psychosozialen Ausgangslage bei Einreise.
4 Migrationsrecht: Erläuterung der für umF relevanten aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen, des Asylverfahrens, der verschiedenen Aufenthaltstitel sowie aufenthaltsbeendender Maßnahmen.
5 Kinder- und Jugendhilferecht: Analyse der rechtlichen Grundlagen des SGB VIII, der Abläufe der vorläufigen und regulären Inobhutnahme, des Verteilverfahrens sowie der Rolle der Vormundschaft.
6 Spannungsfeld zwischen Migrationsrecht und Kinder- und Jugendhilferecht: Darstellung der konträren Handlungsaufträge der Rechtsbereiche und der daraus resultierenden Konfliktpunkte im Umgang mit umF.
7 Soziale Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Identifikation von Arbeitsfeldern, Analyse der Herausforderungen für Fachkräfte und Ableitung von Handlungsempfehlungen für die praktische Sozialarbeit.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und Reformen im Kinder- und Jugendhilferecht.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, umF, Migrationsrecht, Kinder- und Jugendhilferecht, SGB VIII, Kindeswohl, Inobhutnahme, Asylverfahren, Vormundschaft, Soziale Arbeit, Fluchtmotive, Aufenthaltstitel, Sozialpädagogik, Interkulturelle Kompetenz, Jugendhilfe
Die Arbeit analysiert die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland, die sich im Spannungsfeld zwischen den rechtlichen Anforderungen des Migrationsrechts und den Schutzaufträgen des Kinder- und Jugendhilferechts befinden.
Die zentralen Themen sind das Asyl- und Aufenthaltsrecht, die gesetzlichen Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII sowie die psychosozialen Belastungen und pädagogischen Anforderungen bei der Betreuung junger Flüchtlinge.
Die Arbeit untersucht, welches Spannungsfeld sich zwischen Migrationsrecht und Kinder- und Jugendhilferecht ergibt, welche Herausforderungen daraus für die Soziale Arbeit resultieren und welche Handlungsempfehlungen für Sozialarbeiter abgeleitet werden können.
Die Masterthesis basiert auf einer fundierten Literaturrecherche sowie der Auswertung einschlägiger Gesetzestexte, um die rechtlichen Grundlagen und die aktuelle pädagogische Praxis zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriffsbestimmung, Fluchtmotive), eine rechtliche Einordnung (Migrationsrecht, Jugendhilferecht), eine Konfliktanalyse sowie einen praktischen Teil zur Sozialen Arbeit mit Handlungsempfehlungen.
Die wichtigsten Begriffe sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF), Kindeswohl, Spannungsfeld, SGB VIII, Asylverfahren, Inobhutnahme und Soziale Arbeit.
Das Spannungsfeld entsteht dadurch, dass das Migrationsrecht ordnungsrechtlich geprägt ist und staatliche Interessen verfolgt, während das Kinder- und Jugendhilferecht ein Leistungsrecht ist, das dem Schutz und der individuellen Förderung des Kindes verpflichtet ist.
Die Altersfeststellung ist problematisch, da oft medizinisch umstrittene Methoden angewandt werden, die als verletzend empfunden werden können, und eine Fehlbeurteilung gravierende Konsequenzen für den rechtlichen Schutzstatus und den Zugang zu Jugendhilfeleistungen hat.
Doppelidentitäten stellen Fachkräfte vor die Herausforderung, die Jugendlichen in ihrer Identitätsbildung zu unterstützen und gleichzeitig die (oft notwendige) Verheimlichung von Informationen zur Absicherung des Asylverfahrens professionell zu begleiten, ohne an deren Glaubwürdigkeit zu zweifeln.
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