Magisterarbeit, 2004
77 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1 Einleitung: Zum methodischen Umgang mit Nietzsches (Anti)system
1.1 Zur Terminologie im Umfeld des Subjekts
2 Erkenntniskritik + Sprache – Restriktion der Begrifflichkeit
2.1 Über den Ursprung der Sprache
2.2 Rhetorik
2.3 Intonation
2.4 Semiotik
3 Subjekttheorie bei Nietzsche
3.1 Die Konstrukte Subjekt und Objekt
3.1.1 Das Zerwürfnis mit dem Ich
3.2 Krisis und Erlösung: Das tanzende, singende, dichtende Selbst
3.3 Nietzsches fragwürdiger Ich-Erzähler
3.4 Die Maskerade des Selbst
4 Stil und Ästhetik als angewandte Sprachphilosophie
4.1 Aphorismen
4.2 Dialoge
4.3 Rhythmus
5 Nietzsches unauflösbare Widersprüche
5.1 Widerspruch versus Perspektivismus und Dialektik
5.2 Das Rätsel der Paradoxien
5.3 Die Methode hinter den Paradoxien
6 Das zurück gewonnene Selbst im Kunstideal
6.1 Der ideale Künstler und sein ideales Schaffen
7 Nietzsches postuliertes Subjekt
Die Arbeit untersucht das von Friedrich Nietzsche kritisierte und umgewertete Verständnis des Subjekts vor dem Hintergrund seiner radikalen Sprachskepsis. Das zentrale Ziel ist es, Nietzsches methodischen Umgang mit der Sprache zu entschlüsseln und aufzuzeigen, wie er das Individuum durch künstlerische Ausdrucksformen wie Musik und Tanz von der "Illusion" eines festen Ichs befreien will, um zu einem wahrhaftigen, stetig werdenden Selbst zu gelangen.
3.1 Die Konstrukte Subjekt und Objekt
Nietzsche verfolgt bei seiner Erörterung des Subjektphänomens einen anthropologisch-psychologischen Ansatz: Der Mensch, geprägt durch seinen Instinkt, fürchtet sich vor dem Unbekannten. Dies ist die überall bei Tieren vorzufindende notwendige Überlebenstaktik. Doch nicht alles ist für den Menschen bedrohlich. Vieles kann für sein Überleben sogar nützlich sein. Und so beginnt er, die Dinge zu benennen, damit sie nicht mehr bedrohlich erscheinen, sondern ihm vertraut und bekannt werden. Daher fragt Nietzsche rhetorisch, ob:
unser Bedürfnis nach Erkennen nicht eben dieses Bedürfnis nach Bekanntem [ist], der Wille, unter allem Fremden, Ungewöhnlichen, Fragwürdigen etwas aufzudecken, das uns nicht mehr beunruhigt? Sollte es nicht der I n s t i n k t d e r F u r c h t sein, der uns erkennen heisst?73
Der Mensch, der sich nun durch die Sprache als verschieden von den Objekten und auch von den anderen Subjekten begreift, sieht plötzlich hinter allem eine Ursache. Denn „unter der Verführung der Sprache (und der in ihr versteinerten Grundirrthümer der Vernunft), welche alles Wirken als bedingt durch ein Wirkendes, durch ein ‚Subjekt’ versteht und missversteht, ...“74 überträg er seine eigene generierende Kraft in der Benennung auf alle Bereiche. In der Verfeinerung der Sprache ist es schließlich die Grammatik, die durch Gewöhnung und Erinnerung ihr Übriges dazu beiträgt, die Vorstellung eines Ursache-Wirkung-Prinzips zu verfestigen: Die Einteilung in ein Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema impliziert und verlangt stets nach einem Täter, so auch ostentativ in der Verwendung des unbestimmten ‚es’. Wann immer die Ursache für ein Phänomen nicht sofort zu erfassen ist, greifen wir auf jenes unbestimmte ‚es’ zurück: Es regnet. Es gab einen Unfall. Es klopft an der Tür. Es geht ihr schlecht etc.
Ist es da noch verwunderlich, wenn der Mensch schließlich auf dem Zenit seiner Abstraktion – in seiner Verzweiflung und Verlegenheit über die Ursache des Lebens an sich nachdenkend – die Unendlichkeit75 erfindet, sich selbst in diese projiziert und damit zu (s)einem Theismus, diesem letzten und unanfechtbaren Urgrund für alles Unerklärliche76, gelangt?
1 Einleitung: Zum methodischen Umgang mit Nietzsches (Anti)system: Einführung in Nietzsches Ablehnung systematischer Philosophie zugunsten eines metaphorischen Stils, der den Leser verführen statt belehren will.
2 Erkenntniskritik + Sprache – Restriktion der Begrifflichkeit: Analyse der Sprachskepsis, die Sprache als bloßes, entfremdendes Konstrukt identifiziert, das der lebendigen Wirklichkeit nicht gerecht wird.
3 Subjekttheorie bei Nietzsche: Untersuchung der Dekonstruktion des Ichs und der Vorstellung, dass das Selbst hinter den grammatikalischen und sozialen Masken verborgen bleibt.
4 Stil und Ästhetik als angewandte Sprachphilosophie: Darstellung der Verwendung von Aphorismen, Dialogen und Rhythmus, um das starre Korsett der Schriftsprache aufzubrechen.
5 Nietzsches unauflösbare Widersprüche: Deutung von Nietzsches scheinbaren Widersprüchen als bewusste Methode, um den Leser aus der Gewissheit in den Zustand des Werdens zu führen.
6 Das zurück gewonnene Selbst im Kunstideal: Erörterung der Kunst als notwendigem Gegengewicht zum Leben, um Schein und Wirklichkeit in einer neuen, schöpferischen Weise zu verbinden.
7 Nietzsches postuliertes Subjekt: Schlussfolgerung über die moralische Notwendigkeit eines künstlerischen Daseins, das den Zirkelschluss der überlieferten Moral auflöst.
Nietzsche, Subjekttheorie, Sprachskepsis, Metaphorik, Ich-Konstrukt, Selbst, Perspektivismus, Musik, Tanz, Aphorismus, Kunstideal, Werden, Wille zur Macht, Sprachphilosophie, Dekonstruktion.
Die Arbeit untersucht Nietzsches kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Subjekttheorie und zeigt auf, wie er durch eine radikale Sprachkritik zu neuen Formen der Selbstverwirklichung gelangt.
Der Fokus liegt auf dem Spannungsfeld zwischen sprachlich konstruierter Identität (dem Ich) und dem verborgenen, lebendigen Selbst sowie auf der Rolle ästhetischer Praktiken bei Nietzsche.
Das Ziel ist es, Nietzsches "Anti-System" zu verstehen und zu zeigen, wie er durch einen spezifischen Sprachgebrauch versucht, das fixierte Subjekt aufzulösen.
Es handelt sich um eine philosophische und literaturwissenschaftliche Analyse, die Nietzsches Werke (insbesondere Zarathustra und seine sprachtheoretischen Fragmente) philologisch interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sprache, die Dekonstruktion des Subjekts, die Rolle des Stils und die Bedeutung der Widersprüche als methodisches Instrument.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Sprachskepsis, Perspektivismus, Maskerade, Metaphorik und das "Werden" geprägt.
Der Autor sieht das "Ich" bei Nietzsche als eine Art "Maskerade" oder notwendige Fiktion, die der Autor nutzt, um die Fragwürdigkeit stabiler Identitäten aufzuzeigen.
Musik und Tanz dienen als "kommunikative Ersatzformen", die eine Unmittelbarkeit ermöglichen, die dem starren, fixierten geschriebenen Wort verwehrt bleibt.
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