Examensarbeit, 2000
147 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
1. Einleitung
2. Sexueller Mißbrauch von Kindern
2.1. Definitionen und Daten
2.2. Die Thematisierung von Kindesmißbrauch in der Öffentlichkeit
2.3. Gesellschaftsprofil
2.4. TäterInnenprofile
2.4.1. Tätermotiv: Macht
2.4.2. Tätermotiv: Einsamkeit
2.4.3. TäterInnenmotiv: Pädophilie
2.4.4. Frauen als Täterinnen
2.5. Opferprofile
2.5.1. Vertrauensverlust und Lähmung durch Widersprüche
2.5.2. Überlebensstrategien
2.5.3. Relevante Aspekte für das Ausmaß der Schädigung
2.5.4. Symptome
2.5.5. Familienstrukturen der Opfer
2.5.6. Jungen als Opfer
3. Mißbrauchsprävention
3.1. Theoretische Ansätze
3.2. Schulische Präventionsarbeit: Möglichkeiten und Probleme
3.3. Initiativen zur schulischen Präventionsarbeit
3.4. Ein Konzept zur schulischen Präventionsarbeit: Eltern aufklären - LehrerInnen fortbilden - Kinder stärken
3.4.1. Langfristige Forderungen
3.4.2. Organisation
3.4.3. Eltern aufklären
3.4.4. LehrerInnen fortbilden
3.4.5. Kinder stärken
4. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Möglichkeiten einer effektiven schulischen Präventionsarbeit gegen sexuellen Kindesmißbrauch. Ziel ist es, ein schulisches Präventionsmodell zu entwickeln, das die theoretischen und gesellschaftlichen Problematiken berücksichtigt und die Akteure (Eltern, Lehrkräfte, Kinder) gezielt in einen präventiven Prozess einbindet.
2.4.1. Tätermotiv: Macht
Viele AutorInnen geben den Vater-Tochter-Inzest bzw. den Mißbrauch durch einen Mann, der für das Opfer die Vaterrolle übernommen hat, als häufigste Form sexuellen Mißbrauchs an. Das Bild des typischen Mißbrauchers, das sich hierdurch in der Gesellschaft manifestiert hat, ist das des Mannes, der Kinder, vor allem Mädchen, immer wieder, über einen längeren Zeitraum hinweg und zum Teil sehr brutal mißbraucht, um sich selbst und allen anderen seine Macht zu beweisen. Inwieweit dies tatsächlich die häufigste Ursache für Mißbrauch ist, muß angesichts des sich beständig wandelnden Erkenntnisstands dahingestellt bleiben. Viele Biographien, Untersuchungen und Fachbeiträge sprechen jedoch zur Zeit noch dafür. So sieht beispielsweise Enders in Übereinstimmung mit einer Untersuchung Finkelhors „... die zentrale Bedeutung und Funktion der meisten sexuellen Mißhandlungen in der Befriedigung männlicher Dominanz- und Herrschaftsbedürfnisse [...], es (geht) also um die Ausübung von Gewalt und Macht.“
Aus dieser Perspektive wird deutlich, warum die Opfer Kinder sein müssen, häufig Mädchen aus dem engsten Familienkreis: „In keiner anderen Beziehung ist das Machtgefälle größer als zwischen Vater und Tochter“, hier kann der Täter sein Bedürfnis nach Bestätigung seiner Macht am sichersten ausleben, muß er am wenigsten mit Konsequenzen rechnen: Eine Tochter ist dem Vater nicht nur als Kind, sondern - zumindest in traditionellen Familienstrukturen - auch aufgrund ihres Geschlechts unterlegen. Brownmiller bemerkt diesbezüglich in ihrer Vergewaltigungsanalyse: „Men never rape equals in power. (Männer vergewaltigen niemanden, die/der sich in der gleichen Machtposition wie sie selbst befindet.)“ Ebenso stellten Kavemann und Lohstöter in ihren Interviews mit Vätern, die ihre Kinder mißbraucht haben, fest, „wie offen Männer ihr Bedürfnis nach Bewunderung und williger sexueller Passivität als Grund für ihren Schritt zum Mißbrauch der Tochter benannten.“ Gewalt, auch in sexueller Hinsicht, scheint hierbei als selbstverständliches Mittel zum Zweck akzeptiert zu sein.
1. Einleitung: Beschreibt das zunehmende öffentliche Bewusstsein für Kindesmißbrauch und die Schwierigkeiten bei der Implementierung effektiver Präventionsmaßnahmen.
2. Sexueller Mißbrauch von Kindern: Erörtert Definitionen, Häufigkeitsdaten, gesellschaftliche Profile sowie Täter- und Opferprofile, um die Komplexität des Phänomens zu beleuchten.
3. Mißbrauchsprävention: Analysiert theoretische Ansätze und existierende Präventionsmodelle an Schulen und leitet daraus ein eigenes Konzept ab.
4. Resümee: Führt die zentralen Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer institutionalisierten und ganzheitlichen Präventionsarbeit an Schulen.
Sexueller Kindesmißbrauch, Prävention, Schulische Präventionsarbeit, Tätermotive, Opferprofile, Familiendynamik, Geschlechtersozialisation, Selbstbewußtsein, Machtgefälle, Inzest, Lehrerfortbildung, Beratung, Aufklärung, Interventionsmöglichkeiten.
Die Arbeit untersucht, wie Schulen effektiv zur Prävention von sexuellem Kindesmißbrauch beitragen können, unter Berücksichtigung sowohl persönlicher als auch gesellschaftlicher Einflussfaktoren.
Die zentralen Felder sind die Analyse von Täter- und Opfermustern, die gesellschaftliche Tabuisierung des Themas und die Entwicklung eines konkreten schulischen Präventionsmodells.
Das primäre Ziel ist die Entwicklung und theoretische Begründung eines Präventionskonzepts für Schulen, das Eltern, Lehrkräfte und Schüler gleichermaßen stärkt.
Die Autorin nutzt eine tiefgehende Literaturanalyse und Synthese bestehender Studien zu den Themen Kindesmißbrauch, Sozialisationsforschung und Präventionsmodellen, um ein eigenes Konzept abzuleiten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Täter- und Opferprofile sowie eine kritische Untersuchung bestehender Präventionsinitiativen, die als Basis für das neue Modell dienen.
Charakteristische Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Machtmotiv", "Einsamkeit", "geschlechtsspezifische Sozialisation", "Vertrauensverlust" und "institutionelle Prävention".
Lehrkräfte haben eine Schlüsselrolle inne, werden aber derzeit oft allein gelassen; die Autorin fordert daher eine bessere Ausbildung, institutionelle Rückendeckung und regelmäßige Fortbildungen.
Das Dogma ist ein zentraler Mechanismus des Mißbrauchs; es verhindert, dass Opfer Hilfe suchen, und muss durch aktive Prävention, wie das Unterscheiden von guten und schlechten Geheimnissen, aufgebrochen werden.
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