Examensarbeit, 1995
130 Seiten, Note: 1,0
1. Vorwort - Erläuterungen zum Titel
2. Einleitung
3. Geschlechtsspezifische religiöse Sozialisation
3.1. Primäre geschlechtsspezifische religiöse Sozialisation
3.2. Geschlechtsspezifische Sozialisation in der Schule
3.3. Geschlechtsspezifische Sozialisation im Religionsunterricht
3.4. Konsequenzen für den Unterricht
4. Das Frauenbild der Bibel
4.1. Biblische Traditionsgeschichte
4.2. Weibliches Gottesbild
4.3. Das Frauenbild im Alten Testament
4.3.1. „Patroninnen“
4.3.2. „Mittlerinnen“
4.3.3. „Kriegerinnen“
4.4. Das Frauenbild im Neuen Testament
4.4.1. Frauen um Jesus
4.4.2. Frauen in der Urgemeinde
5. Biblische Frauengestalten im Religionsunterricht
5.1. Mirjam: Der Exodus aus der Sicht einer Frau
5.2. Wasti: Eine Geschichte vom Neinsagen
5.3. Die salbende Frau: Von Demut zu (De-)Mut
5.4. Die gekrümmte und die blutflüssige Frau: Jesus heilt, was patriarchale Strukturen Frauen antun
5.5. Frauen in der Urgemeinde
6. Religiöse Kinderbücher
6.1. Einzeluntersuchungen
6.2. Resümee
7. Nachwort
Ziel der Arbeit ist es, die einseitige, oft patriarchale Interpretation biblischer Frauengestalten kritisch zu hinterfragen und im Religionsunterricht der Grundschule neue, identitätsstiftende Zugänge zu eröffnen. Die Arbeit untersucht, wie durch die bewusste Thematisierung starker, eigenständiger Frauenfiguren und weiblicher Gottesbilder ein authentisches christliches Frauenbild vermittelt werden kann, das Mädchen zur Selbstbestimmung und Stärke ermutigt.
MIRJAM erzählt
Ich bin Mirjam, eine Israelitin, Schwester des Mose und Prophetin Gottes. Aufgewachsen bin ich in Ägypten. Das war damals nicht ungewöhnlich. Fast mein ganzes Volk lebte in Ägypten. Eine große Hungersnot hatte unsere Vorfahren aus der Heimat vertrieben. Die Ägypter hatten genug zu essen und nahmen uns auf. Deshalb sind wir geblieben. Aber die Zeiten änderten sich, und der neue Pharao haßte uns. Mein Volk wurde versklavt. Israeliten waren schlecht angesehen und wurden schlecht behandelt.
Ganz schlimm wurde es, als der Pharao heimlich unseren Hebammen befahl, unsere Söhne bei der Geburt sterben zu lassen. Aber unsere Hebammen waren mutige Frauen. Sie verrieten den Auftrag des Pharaos und taten alles, um ihn zu umgehen. So konnten viele Kinder gerettet werden. Schiffra und Pua, zwei der Hebammen kannte ich persönlich. Sie riskierten immer wieder ihr Leben, indem sie sich den Befehlen des Pharaos widersetzten. Ihnen verdankte ich auch das Leben meines Bruders Mose. Sie standen meiner Mutter bei der Geburt bei, warnten sie und halfen ihr, Mose eine Weile unentdeckt überleben zu lassen.
Da stand ich nun und hatte die Verantwortung für das Leben meines Bruders in meiner Hand. An mir lag es, ob er gerettet wurde oder sterben mußte. Ich hatte furchtbare Angst. Ich überlegte lange hin und her, und schließlich bastelte ich ein Weidenkörbchen, strich es mit Pech aus, so daß es wasserfest war, bettete Mose hinein, verabschiedete mich von ihm und setzte das Körbchen in den Nil. Nichts ist mir je wieder so schwer gefallen, wie dieser Abschied. Immerhin hatte er eine Chance, und ich vertraute auf Gott, auf Jahwe, der uns immer geholfen hatte. Das half mir.
1. Vorwort - Erläuterungen zum Titel: Die Autorin begründet die Wahl des Begriffs „HeldInnen“ und plädiert für eine neue, am Alltag orientierte Definition von Heldentum.
2. Einleitung: Es wird die Problematik patriarchaler Rollenbilder im Christentum dargelegt und die Chance des Religionsunterrichts zur ganzheitlichen Selbstwerdung hervorgehoben.
3. Geschlechtsspezifische religiöse Sozialisation: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss von Familie, Schule und Religionsunterricht auf die Entwicklung von geschlechtsrollenkonformen Erwartungen und Gottesbildern.
4. Das Frauenbild der Bibel: Eine kritische Untersuchung der Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte der Bibel zeigt die androzentrische Prägung auf und sucht nach weiblichen Spuren in Gott und Texten.
5. Biblische Frauengestalten im Religionsunterricht: Dieses Kapitel liefert methodische Überlegungen und Textvorschläge, um biblische Frauengestalten für Grundschülerinnen identifizierbar und relevant zu machen.
6. Religiöse Kinderbücher: Eine Analyse aktueller religiöser Kinderliteratur hinsichtlich ihrer Darstellung von Mädchen und Frauen und ihrer feministisch-theologischen Qualität.
7. Nachwort: Die Autorin resümiert ihre ambivalenten Gefühle gegenüber der Institution Kirche und formuliert den Wunsch nach einer lebendigen, geschlechtergerechten christlichen Praxis.
Religionsunterricht, Mädchensozialisation, Frauenbild, Bibel, Patriarchat, feministische Theologie, Gottesbild, Identitätsfindung, biblische Frauengestalten, religiöse Kinderbücher, geschlechtsspezifische Sozialisation, Ganzheitlichkeit, Vorbilder, Emanzipation, christliches Menschenbild.
Die Arbeit untersucht, wie ein authentisches, christliches Frauenbild im Religionsunterricht der Grundschule vermittelt werden kann, um Mädchen bei der Identitätsfindung zu unterstützen.
Zentrale Themen sind die geschlechtsspezifische religiöse Sozialisation, die kritische Bibelexegese hinsichtlich patriarchaler Strukturen sowie die didaktische Aufbereitung von Frauengestalten für den Unterricht.
Das Ziel ist es, durch die Dekonstruktion überkommener Rollenklischees und das Aufzeigen alternativer, biblischer Lebensentwürfe Mädchen zu stärken und zur selbstbewussten Lebensgestaltung anzuregen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse feministisch-theologischer Ansätze sowie auf religionspädagogischen Überlegungen zur Umsetzung dieser Erkenntnisse in der Grundschulpraxis.
Sie dienen als ergänzendes Unterrichtsmedium. Die Arbeit untersucht sie kritisch daraufhin, ob sie Mädchen unterrepräsentieren oder durch einengende Rollenbilder verstärken.
Es definiert sich durch den Mut zur Selbstfindung, Zivilcourage und die Verantwortung für den eigenen Lebensweg – unabhängig von medialen Superstar-Idealen.
Durch die Erzählung aus ihrer Sicht gewinnen Mädchen eine Identifikationsfigur, und Jungen erhalten Zugang zu weiblichen Gefühls- und Erfahrungswelten.
Sie wird als starke, eigenständige Frau und Schlüsselfigur der Jesusnachfolge dargestellt, deren Zeugenschaft für das Zentrum des christlichen Glaubens essenziell ist.
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