Magisterarbeit, 1999
83 Seiten, Note: Gut
A Einleitung: Parallelen zwischen den Türken der Frühen Neuzeit und den antiken Persern - Grundlagen, Ziele und Fragestellung der Arbeit
B Hauptteil: Perser und Türken - Frühneuzeitliche Herodot- -Übersetzungen
1. Geschichtliche Grundlagen aus der Zeit der Übersetzungen
1.1. Die türkischen Kriegszüge bis zum Ende des 16.Jahrhunderts
1.2. Türkenbild und Formen der antitürkischen Propaganda im 16.Jahrhundert
1.2.1. Die Haltung der Protestanten
1.2.2. Formen der antitürkischen Propaganda
1.2.3. Das Türkenbild der Reichsbevölkerung
2. Das Geschichtswerk Herodots
2.1. Die Rezeption Herodots in der Frühen Neuzeit
2.2. Herodots Perserbild
3. Die frühneuzeitlichen Herodot-Übersetzungen
3.1. Biographische Betrachtung der Übersetzer und der Drucker
3.1.1. Die Übersetzung von Hieronymus Boner
3.1.2. Die Übersetzung von Schwartzkopff
3.2. Die Widmungsvorreden
3.2.1. Die Dedicationen
3.2.2. Die Vorreden
3.3. Allgemeine Vorbemerkungen zu den Übersetzungen
3.3.1. Die Übersetzungstechnik
3.3.2. Die Übernahme frühneuzeitlicher Denkstrukturen
3.4. Perser und Griechen in den frühneuzeitlichen Übersetzungen
3.4.1. Die Komprimierung des Textes durch Boner
3.4.2. Die Darstellung der Perser und der Großkönige
a) Boner
b) Schwartzkopff
3.4.3. Die Darstellung des persischen Hellasfeldzuges
a) Boner
b) Schwartzkopff
C Schluß: Die frühneuzeitlichen Herodot-Übersetzungen - Reine Übertragungen oder verdeckte Propaganda ?
D Quellen- und Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der zwei einzigen aus der Frühen Neuzeit stammenden Übersetzungen der Historien des Herodot, ob die antiken Texte als verdeckte Propaganda gegen die osmanische Expansion im 16. Jahrhundert genutzt wurden. Im Zentrum der Untersuchung steht dabei die Frage, ob die Übersetzer die antiken Gegensätze zwischen Griechen und Persern auf die politische Situation ihrer eigenen Zeit übertragen haben.
Altertum und Frühneuzeit: Parallelen zwischen Türken und Persern - Grundlagen, Ziele und Fragestellung der Arbeit
Erst kürzlich fiel mir bei der Lektüre eines historischen Fachbuches folgende These des Altertumswissenschaftlers Ernst Kornemann auf: „Die Geschichte des Altertums ist eine Auseinandersetzung der griechisch-römischen Kultur mit dem Iraniertum.“ Er meinte damit natürlich nicht nur die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Europa und Asien (wie etwa die Abwehrkriege der Griechen im 5.Jahrhundert, der Eroberungszug Alexanders des Großen und - weit später - die Konflikte der Römer mit den Parthern und ihren Nachfolgern), sondern auch kulturelle und soziale Phänomene und Entwicklungen, die durch das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Lebensweisen entstanden.
Als einer der wichtigsten Orte des Austausches der Kulturen ist der Schmelztiegel Ionien zu sehen, dessen Lage zwischen griechischem Siedlungsraum und vom asiatischen Brauchtum geprägten Völkern eine rege Kommunikation der Kulturen von vornherein bedingte. So war die ionische Weltauffassung seit jeher eine der Aufgeschlossenheit gegenüber verschiedenartigsten Tendenzen und Formen der Lebensführung und nicht zufälligerweise ist schon bei Herodot (der ja dem ionischen Raum entstammt) die Auseinandersetzung mit den Kulturen deutlich erkennbar. Doch nicht nur in der griechischen Geschichte läßt sich immer wieder die gegenseitige Beeinflussung von Europa und Asien feststellen.
Geschichtliche Grundlagen aus der Zeit der Übersetzungen: Dieses Kapitel erläutert die osmanische Expansion im 16. Jahrhundert sowie das zeitgenössische Türkenbild und die Rolle der Propaganda.
Das Geschichtswerk Herodots: Hier wird die Rezeption Herodots durch die Humanisten sowie sein ursprüngliches Perserbild und die Beurteilung des griechischen Abwehrkampfes analysiert.
Die frühneuzeitlichen Herodot-Übersetzungen: Der Hauptteil analysiert die Übersetzer Boner und Schwartzkopff, ihre Arbeitsweisen, die Widmungsvorreden und die gezielte inhaltliche Anpassung der Texte an die frühneuzeitliche Lebenswelt.
Herodot, Frühneuzeit, Türkenkriege, Osmanisches Reich, Humanismus, Übersetzungstechnik, Propagandaforschung, Hieronymus Boner, Georg Schwartzkopff, Perserkriege, Antikerezeption, Türkenbild, Geschichtsschreibung, Ost-West-Gegensatz, politische Instrumentalisierung.
Die Arbeit untersucht, ob zwei frühneuzeitliche Übersetzungen des griechischen Geschichtsschreibers Herodot (von 1535 und 1593) dazu dienten, in der Bevölkerung Stimmung gegen die Bedrohung durch das Osmanische Reich zu machen.
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der türkischen Expansion, die Analyse des frühneuzeitlichen Türkenbildes, die Geschichte der Geschichtsschreibung und die textkritische Analyse der beiden genannten Übersetzungen.
Ziel ist es zu klären, ob die Übersetzer das bei Herodot angelegte Thema des Konflikts zwischen Europa und Asien bewusst aufgegriffen haben, um Parallelen zur politischen Bedrohung durch die Türken zu ziehen und so als verdeckte Propaganda zu fungieren.
Der Autor führt eine komparative Analyse zwischen dem griechischen Originaltext von Herodot und den frühneuzeitlichen Übersetzungen durch. Zudem wird der historisch-politische Kontext der Übersetzer und ihrer Zeit kritisch beleuchtet.
Der Hauptteil analysiert die Übersetzer Boner und Schwartzkopff, deren biographischen Hintergrund, die Widmungsvorreden, die Übersetzungstechniken sowie die spezifischen inhaltlichen Veränderungen, die den Text an die frühneuzeitliche Denkweise anpassten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Herodot-Rezeption, frühneuzeitliche Türkenfurcht, propagandistische Instrumentalisierung, Historien-Übersetzung und politisch-ideologische Einflüsse auf die Geschichtsschreibung charakterisieren.
Der Autor argumentiert, dass Boner dies aus konzeptionellen Gründen tat: Er wollte sich auf den Konflikt zwischen Persern und Griechen konzentrieren, der für sein politisches Ziel – die Mobilisierung gegen die Türken – relevanter war als geographische Exkurse zu Ägypten.
Während Boner den Text stark paraphrasierte und kürzte, um seine politische Botschaft zu betonen, zeichnet sich die Übersetzung von Schwartzkopff durch eine deutlich höhere Genauigkeit und Treue zum griechischen Original aus, wobei er dem Leser mehr Raum für eine eigene Urteilsbildung lässt.
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