Examensarbeit, 2004
77 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Einordnung des Autors in den historischen Zusammenhang
1.3 Terminologische Bemerkungen zum "Chicano Movement"
2. Theoretische und definitorische Prämissen
2.1 Was bedeutet "postkolonial"?
2.2 James Clifford: Traveling Cultures - das Selbst als Reise(nder)
2.3 Gloria Anzaldúa: Borderlands - der Kultur- Raum der Grenze
2.4 Homi Bhabha: The Location of Culture: Kulturelle Hybridisierung als Aufbruch in die Zukunft
2.5 Zusammenfassung: Literarische Anwendungsmöglichkeiten der Begrifflichkeiten
3. Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya
3.1 Bless me, Ultima
3.1.1 Die Figur Antonio und ihr Selbstfindungsprozess
3.1.2 Die Familie Márez und die Familie Luna - Gegensätze vereinigen sich
3.1.3 Die Titelfigur Ultima: Heilerin und Wegweiser
3.1.4 Zwischenfazit
3.2 Heart of Aztlán
3.2.1 Clemente Chávez - der gebrochene Held
3.2.2 Jason - Bindeglied der Trilogie
3.2.3 Zwischenfazit
3.3 Tortuga
3.3.1 Tortuga: Heilung aus der Erstarrung
3.3.2 Salomón - der Mythenerzähler
3.3.3 Zwischenfazit
4. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht Rudolfo Anayas Romantrilogie unter einem postkolonialen Blickwinkel, um kulturelle Spannungsfelder und Emanzipationsmöglichkeiten der Protagonisten aufzuzeigen. Dabei wird erforscht, ob die Figuren an kolonialen Dichotomien festhalten oder hybride Identitäten entwickeln, die einen Aufbruch in eine neue, nicht-lineare Zukunft ermöglichen.
Die Figur Antonio und ihr Selbstfindungsprozess
Die Geschichte beginnt, als Ultima in Antonios Familie eintritt. Antonio ist zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Er ist es, der retrospektiv seine Erfahrungen wiedergibt, wobei die Perspektive eines Erwachsenen mit der eines Jungen alterniert. Mann könnte fast meinen, es fände im Erzählvorgang eine Regression statt, da beide Ebenen nicht klar voneinander getrennt werden.
Let me begin at the beginning. I do not mean the beginning that was in my dreams and the stories they whispered to me about my birth, and the people of my father and mother, and my three brothers - but the beginning that came with Ultima. (BU 1)
In dem Herbst, in dem Ultima kommt, soll er eingeschult werden, also aus der Sicherheitszone seiner Familie heraustreten und in die soziale Gemeinschaft des Ortes Guadalupe eingeführt werden. "This fall I would be going to school. My heart sank. When I thought of leaving my mother and going to school a warm, sick feeling came to my stomach." (BU 7)
Bis zu diesem Zeitpunkt war Antonio nur der spanischen Sprache mächtig. "[...], and I myself understood only Spanish. It was only after one went to school that one learned English." (BU 10)
1. Einleitung: Einführung in die postkoloniale Fragestellung und den Gegenstand der Untersuchung, die Romantrilogie von Rudolfo Anaya.
2. Theoretische und definitorische Prämissen: Erläuterung der verwendeten kulturtheoretischen Ansätze von Clifford, Anzaldúa und Bhabha als Analysewerkzeuge.
3. Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya: Hauptteil der Arbeit, der die Romane anhand der theoretischen Prämissen detailliert analysiert.
4. Zusammenfassung: Synthetische Gesamtschau der Analyseergebnisse und Reflexion der postkolonialen Entwicklungstendenzen in den Werken.
Postkolonialismus, Rudolfo Anaya, Chicano-Literatur, Hybridität, Identität, Borderlands, Magischer Realismus, Transkulturalität, Emanzipation, Kulturtheorie, Migrationserfahrung, Grenzerfahrung, Subjektivität, Repräsentation, Aztlán.
Die Arbeit untersucht Rudolfo Anayas Romantrilogie aus einer postkolonialen Perspektive, um zu analysieren, wie sich die Protagonisten in einem kulturellen Spannungsfeld positionieren.
Zu den zentralen Themen gehören die Auseinandersetzung mit Identitätsfindung, kultureller Hybridität, dem Konzept von Grenzen sowie die Überwindung kolonialer Denkmuster.
Ziel ist es, den "postkolonialen" Blickwinkel auf die Welt der Chicanos anzuwenden und aufzuzeigen, ob die literarischen Figuren sich aus kolonialen Dichotomien emanzipieren können.
Es werden kulturtheoretische Ansätze von James Clifford, Gloria Anzaldúa und Homi Bhabha als theoretischer Hintergrund für detaillierte Textanalysen der drei Romane herangezogen.
Der Hauptteil widmet sich der Anwendung der Kulturtheorien auf die Romane "Bless me, Ultima", "Heart of Aztlán" und "Tortuga" durch eine Analyse der zentralen Protagonisten und ihrer Entwicklungsräume.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Postkolonialismus, Chicano-Literatur, Hybridität, Identität, Borderlands und Magischer Realismus charakterisiert.
Er dient als Bindeglied zwischen Äußerem und Innerem der Protagonisten und als Verbindung zu mythischen bzw. kollektiven Unbewussten, was besonders bei Clemente und Tortuga hervorgehoben wird.
Die Arbeit kritisiert, dass weibliche Rollenmodelle bei Anaya im Vergleich zu männlichen als weniger modern eingestuft werden, da sie primär als Vermittlerinnen von Traditionen oder Helferinnen fokussiert bleiben.
Es bietet Antonio einen Raum, um seine Zerrissenheit zwischen christlicher Erziehung und heidnischer Naturerfahrung produktiv zu integrieren und einen eigenen, hybriden Weg zu finden.
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