Magisterarbeit, 2004
103 Seiten, Note: 1,85
1. Einleitung
1.1 Anmerkungen
1.2 Ausarbeitung und Eingrenzung des Themas
1.3 Was bedeutet „Macht“?
1.4 Machtdefinitionen in der Philosophie
2. Hauptteil
2.1 Die Macht der Handlanger
2.1.1 Wächter und Aufseher
2.1.1.1 Die Wächter und ihre Kleidung: Symbole der Macht
2.1.2 Der Prügler
2.1.3 Die Henker
2.2 Höhere Machtinstanzen
2.2.1 Die Advokaten
2.2.2 Der Kanzleidirektor
2.2.3 Untersuchungsrichter
2.3 Oberste Instanzen
2.3.1 Höhere und höchste Richter und das hohe Gericht
2.3.2 Das Gesetz
2.4 Die Macht der Gruppe
2.5 Josef K. und die Frauen
2.6 Schauplätze der Macht
2.7 Perspektive und Erzählweise
2.7.1 Die Perspektive des Protagonisten
2.7.2 Wirkung der Erzählweise auf den Leser
2.8 Schuld
2.8.1 Josef K.! Schuldig oder nicht schuldig?
2.8.2 Kafkas Verhältnis zur Schuld
2.8.3 Missbrauch und Unterstützung der Macht durch K.
2.9 Machttheorien im Modell
2.9.1 Machtsystem und Machtstruktur
2.9.2 Vertikales und horizontales Machtmodell
3. Schluss
3.1 Zusammenfassung und Auswertung
3.2 Versuche einer Machtdefinition
4. Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur
4.2.1 Nachschlagewerke
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Machtstrukturen in Franz Kafkas Roman „Der Proceß“. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich Macht im Roman äußert, welche Ausprägungen sie annimmt und welche direkten Auswirkungen sie auf den Protagonisten Josef K. hat, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen individueller Schuld und der Macht des Gerichts beleuchtet wird.
2.1.1.1 Die Wächter und ihre Kleidung: Symbole der Macht
Bisweilen besitzen die Figuren in „Der Proceß“ Abzeichen und nur selten Uniformen, die sie als Träger einer bestimmten Funktion auszeichnen. Der Wächter Franz trägt „ein anliegendes schwarzes Kleid, das ähnlich den Reiseanzügen, mit verschiedenen Falten, Taschen, Schnallen, Knöpfen und einem Gürtel versehen war und infolgedessen, ohne daß man sich darüber klar wurde, wozu es dienen sollte, besonders praktisch erschien.“ Worin liegt also die Funktion einer solchen (Ver-) Kleidung? Einen eindeutigen Sinn scheint diese nicht zu besitzen, der Zweck der vielen Taschen ist für Josef K. nicht zu erkennen. Es trägt auch nur einer der Wächter, Franz, solch ein „schwarzes Kleid“, selbst der Aufseher scheint in „zivil“ aufzutreten.
Peter Beicken bezieht die Verwendung des Substantivs „Reiseanzug“ sogar auf das Schicksal K.s: „Das Reisekleid des Wächters am Anfang drückt metaphorisch im Thema der Reise das Motiv der bevorstehenden Veränderung und Verwandlung aus.“ Kafka hat der Kleidung seiner Figuren immer große Aufmerksamkeit zukommen lassen, grundsätzlich sind dabei eng anliegende und weite Gewandungen zu unterscheiden. Die enge Kleidung des Wächters hat „eine Einschränkung der Beweglichkeit zur Folge“ und „[hindert] an der Arbeit; der Körper wird so nicht Werkzeug seines Besitzers, sondern der Macht.“ Die Uniform des Wächters Franz lässt somit eine symbolhafte Funktion erkennen, er ist nicht Herr seiner selbst, sondern wird von der Macht des Gerichts, beziehungsweise des Gesetzes geführt.
1. Einleitung: Hinführung zum Thema, Eingrenzung der Fragestellung und Definition des Machtbegriffs im philosophischen Kontext.
2. Hauptteil: Detaillierte Analyse der Machtinstanzen, beginnend bei den Handlangern über die Advokaten bis hin zu den obersten Instanzen, ergänzt um Untersuchungen zu Gruppenbildung, Frauenbild, Schauplätzen und Erzähltechnik.
3. Schluss: Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und abschließende Versuche einer Machtdefinition auf Basis der vorangegangenen Untersuchungen.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie herangezogener Nachschlagewerke.
Macht, Recht, Schuld, Franz Kafka, Der Proceß, Gericht, Machthierarchie, Unterdrückung, Machtapparat, Erzählperspektive, Gesetz, Machtstrukturen, Subjektivität, Individuum, psychologischer Druck
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktionsweise von Macht im Roman „Der Proceß“ von Franz Kafka.
Neben den Machtinstanzen im Gericht werden auch der Einfluss des Gesetzes, die Rolle der Frauen, räumliche Schauplätze sowie die Erzählperspektive und das Schuldmotiv thematisiert.
Ziel ist es zu ergründen, wie Macht im Roman manifestiert ist, welche Hierarchien herrschen und wie sich der Protagonist Josef K. im Spannungsfeld zwischen Macht, Schuld und eigener Ohnmacht bewegt.
Es wird eine textnahe Analyse unter Einbeziehung philosophischer Machttheorien (u.a. Foucault, Weber, Hobbes) und literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verschiedenen Instanzen (Handlanger, Advokaten, Richter), die Macht der Gruppen und Frauen, sowie die erzählerische Gestaltung des Machtbegriffs.
Zentrale Begriffe sind Macht, Schuld, Gesetz, Machthierarchie, Subjektivität, psychologischer Druck und das Gericht als Machtsystem.
Sie äußert sich durch physische Belastungen (schlechte Luft, Enge) in den Gerichtskanzleien und anderen Schauplätzen, die bereits unbewusst die Hoffnungslosigkeit des Prozesses spiegeln.
Die Kleidung der Wächter und Henker fungiert als Attribut ihrer Fremdbestimmung und Zugehörigkeit zum Machtapparat, wobei besonders enge Kleidungsstücke als Symbol für eingeschränkte Freiheit dienen.
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