Magisterarbeit, 2004
95 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
1.1. Vorbedingung und Fragestellung
1.2. Vorgehensweise
2. DDR-SF in der Diskussion: zum Forschungsstand
2.1. Sekundärliterarische Auseinandersetzung um DDR-SF
2.2. Resümee und Perspektive
3. ‚Science Fiction’ als Untersuchungsgegenstand
3.1. Das Genreproblem
3.2. Definitionen im Diskurs
3.3. Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes
4. Zur literaturhistorischen Entwicklung von DDR-SF
4.1. Das Verhältnis von DDR-SF zum Utopischen
4.2. Traditionslinien von DDR-SF
5. Bezugssystem und Rezeptionsperspektive
5.1. Interpretationsansatz
6. ‚Perspektivbewußtsein’ in der DDR-SF der 50er und 60er Jahre
6.1. Der utopische Betriebsroman – Ultrasymet bleibt geheim (1955) von Heinz Vieweg
6.2. Die kommunistische Utopie – Heimkehr der Vorfahren (1966) von Eberhardt del’Antonio
6.3. Perspektivbewußt in die Zukunft – ein Fazit
7. Der Umbruch der Jahre 1972/73
7.1. Die neue literarische Qualität der DDR-SF: Textbeispiele
8. DDR-SF als Kritikmedium in den 70er und 80er Jahren
8.1. Die schein-eutopische Welt – Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI (1974) von Johanna und Günter Braun
8.2. Die dystopische Welt – Gert Prokops Timothy Truckle
8.3. Systemkritisches in der DDR-SF – ein Fazit
9. Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Science-Fiction-Literatur in der DDR zwischen 1945 und 1990 unter dem Aspekt ihrer gesellschaftlichen Funktion. Dabei wird analysiert, wie sich das Genre von einem Instrument zur Erziehung zu einem sozialistischen „Perspektivbewußtsein“ in der frühen DDR zu einem verschlüsselten Medium für Systemkritik ab den 1970er Jahren wandelte.
Die schein-eutopische Welt – Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI (1974) von Johanna und Günter Braun
Auch mit ihrem zweiten, ebenso parabelhaften SF-Roman nach Der Irrtum des Großen Zauberers nutzen die Brauns die Verfremdungsmöglichkeiten der SF, um gegenwärtige Mißstände zu kritisieren und satirisch aufs Korn zu nehmen. Den Mittelpunkt der Handlung bilden die Begebenheiten auf dem „ein gutes Stückchen hinter dem letzten Mond des Jupiters“ gelegenen Planeten Omega elf, dessen Bewohner sich selbst „Lichtmenschen oder, feiner ausgedrückt, Lumen“ nennen. Sie sind die Nachfahren von Auswanderern, die der Erde vor langer Zeit wegen eines Mangels an ‚Perspektive’ den Rücken kehrten, um in der neuen Heimat ihre Wunschgesellschaft zu konstruieren.
Langjährige, per Funk übermittelte Hilferufe der Lumen und Berichte über die unheimlichen, unkontrollierbaren und zerstörerischen Erscheinungsformen des Lebens veranlassen die Weltsicherheitsbehörde der Erde schließlich dazu, eine Expedition zu Omega elf zu senden. Die mathematisch-logische und grundzuverlässige Elektra Eulenn und Merkur Erdenson, dessen Stärken in seinem Phantasiereichtum und seinem Talent zur Improvisation liegen, bilden die kleine Expeditionsmannschaft. Beide ergänzen sich in ihren charakterlichen Anlagen und Fähigkeiten, lernen sich während des Fluges nicht nur kennen und lieben, sondern auch zusammenzuarbeiten, was sich später zur Lösung der Probleme auf Omega elf als notwendig erweist.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Vernachlässigung der SF durch die Literaturwissenschaft sowie deren Bedeutung für das Leserinteresse in der DDR.
2. DDR-SF in der Diskussion: zum Forschungsstand: Dieses Kapitel dokumentiert die späte und methodisch begrenzte literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit DDR-SF.
3. ‚Science Fiction’ als Untersuchungsgegenstand: Es werden die theoretischen Schwierigkeiten bei der Definition und Eingrenzung des Genres in der DDR dargelegt.
4. Zur literaturhistorischen Entwicklung von DDR-SF: Das Kapitel analysiert die Traditionslinien des Genres und dessen enge Verknüpfung mit dem Utopiebegriff.
5. Bezugssystem und Rezeptionsperspektive: Hier werden die spezifischen Produktions- und Rezeptionsbedingungen in der DDR erläutert.
6. ‚Perspektivbewußtsein’ in der DDR-SF der 50er und 60er Jahre: Eine Untersuchung der frühen, affirmativen Phase der DDR-SF anhand konkreter Beispiele wie Vieweg und del’Antonio.
7. Der Umbruch der Jahre 1972/73: Dieses Kapitel analysiert den quantitativen und qualitativen Paradigmenwechsel, der neue narrative Freiheiten ermöglichte.
8. DDR-SF als Kritikmedium in den 70er und 80er Jahren: Die zentrale Analyse zur Nutzung von SF als Medium für Systemkritik unter Verwendung von Verfremdung.
9. Zusammenfassung und Ausblick: Eine abschließende Synthese der Analyseergebnisse und Hinweise auf weiterführende Forschungsfragen.
DDR-Science-Fiction, Perspektivbewußtsein, Systemkritik, Utopie, Dystopie, Zensur, Literaturpolitik, Verfremdung, sozialistischer Realismus, Rezeptionsästhetik, Zukunftsroman, Kriminalgeschichte, DDR-Literatur.
Die Magisterarbeit untersucht die Rolle und Entwicklung der Science-Fiction-Literatur in der DDR und deren Funktion als Instrument der ideologischen Erziehung einerseits und als Medium der Systemkritik andererseits.
Die Schwerpunkte liegen auf der literaturhistorischen Einordnung, der Analyse der kulturpolitischen Rahmenbedingungen sowie der Untersuchung spezifischer Romane auf ihre gesellschaftlichen Wirkungspotentiale.
Das Ziel ist es, die spezifischen Strukturen und Funktionen der DDR-SF freizulegen, die es ermöglichten, trotz politischer Zensur kritische Inhalte zu transportieren.
Die Arbeit nutzt einen rezeptionsästhetischen Interpretationsansatz, der literarische Texte in ihrem jeweiligen historischen und gesellschaftspolitischen Kontext (DDR-Realität) betrachtet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der frühen, affirmativen SF-Texte und eine Analyse der späteren, systemkritischen Texte, die ab den 1970er Jahren vermehrt kritische Töne anschlugen.
Zentrale Begriffe sind DDR-SF, Perspektivbewußtsein, Systemkritik, Utopie, Verfremdung und DDR-Literaturpolitik.
Während die 50er Jahre durch Technikbegeisterung und einen naiven Zukunftsoptimismus geprägt waren, nutzten die Autoren der 80er Jahre die SF gezielt, um Widersprüche und Fehlentwicklungen des real existierenden Sozialismus zu spiegeln.
Zensur fungierte als indirekter Steuerungsmechanismus. Die Autoren entwickelten im Gegenzug Strategien der Verschlüsselung und des „Augenzwinkerns“, um in einer Nische kritisches Potenzial zu entfalten.
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