Bachelorarbeit, 2013
60 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Der Stein von Noleby
2.1 Der Fundort und die damit verbundene Problematik
2.2 Die Runeninschrift
2.2.1 Zur Forschungsgeschichte
2.2.2 Die zeitliche Einordnung der Inschrift
3. Die Inschrift von Noleby im Kontext von Mythos und Jenseitsvorstellung
3.1 Die Deutung der Inschrift
3.1.1 runo fahi raginakudo
3.1.2 tojeka unaþou
3.1.3 suhurah susi
3.1.4 hwatin hakupo
3.2 Andere mutmaßliche draugr-Inschriften
4. Schlußbemerkung
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine inhaltliche Neuinterpretation der Noleby-Inschrift vorzulegen und diese wissenschaftlich zu begründen, indem sie bisherige Forschungsansätze kritisch prüft und den Runentext in einen breiteren mythologischen Kontext einbettet.
1. Einleitung
Die Inschrift auf dem Stein von Noleby gibt Rätsel auf. Das ist für eine Runeninschrift zunächst nichts außergewöhnliches, zumal für eine Inschrift im Älteren Fuþark. Allzu oft stellen diese den, der ihre Bedeutung ergründen will, vor eine Vielzahl von Problemen: Seien es schwer zu entziffernde Runenzeichen, scheinbar willkürliche Reihungen von Runen, die keine sinnvollen Wörter zu ergeben scheinen, und selbst wenn es gelingt, einzelne Wörter zu isolieren, ist es nicht immer einfach, die Wortbedeutung zu bestimmen. Doch auch wenn dies gelingt, ja, wenn sogar die gesamte Inschrift gelesen werden kann, so bedeutet das noch lange nicht, daß man auch ihre Bedeutung versteht. Denn für sich genommen ist jede Inschrift zu allererst ein Solitär, der aus sich selbst heraus nur einen begrenzten Informationswert besitzt. Um zu begreifen, was sie aussagen will, mit welcher Absicht sie geschrieben wurde, muß man das kulturelle Umfeld kennen, in der sie entstanden ist, oder um es mit Klaus Düwel zu sagen, ihren „Sitz im Leben“ ergründen.
Das ist aber gar nicht so einfach, sind doch die Runeninschriften die einzigen originären Schriftquellen jener Zeit und Region. Sicherlich können sie im begrenzten Maße zum gegenseitigen Verständnis herangezogen werden, man ist aber auch immer auf Hinweise, Überlieferungen und Quellen aus anderen Bereichen angewiesen. Da sind zum einen sprachliche Untersuchungen zu nennen, wobei der Etymologie einzelner Wörter eine besondere Bedeutung zukommt, hilft sie doch, dem Sinn von Wörtern einer Sprache, die, wenn sie auch am Anfang einer dokumentierten Entwicklung steht, so nur in den Inschriften überliefert ist, auf die Spur zu kommen. Zum zweiten liefert die Archäologie wichtige Hinweise. Sie ist aber in erster Linie eine Wissenschaft, die sich den materiellen Hinterlassenschaften widmet, alles, was darüber hinausgeht, überschreitet oft ihre Grenzen. Sie kann Kultplätze nachweisen, Gräber und Grabbeigaben, zuweilen sogar Opfergaben. Sie kann die Fundumstände einer Runeninschrift dokumentieren, ihren Kontext abklären und bei der Datierung helfen. Was sie selten kann, ist die Vorstellungen, die hinter diesen speziellen Funden stecken, zu erkunden.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Runeninterpretation und die Bedeutung des kulturellen Kontextes für das Verständnis von Runeninschriften.
2. Der Stein von Noleby: Detaillierte Betrachtung des Fundortes, der physischen Beschaffenheit der Runeninschrift sowie ein Abriss der bisherigen Forschungsgeschichte und Datierungsversuche.
3. Die Inschrift von Noleby im Kontext von Mythos und Jenseitsvorstellung: Hauptteil der Arbeit, der eine detaillierte linguistische und inhaltliche Analyse der einzelnen Textabschnitte der Inschrift vornimmt und diese in den Kontext nordischer Jenseitsvorstellungen und Totenkulte setzt.
4. Schlußbemerkung: Zusammenfassende Reflexion der gewonnenen Erkenntnisse und Einordnung der gewählten Interpretationsmethode.
Noleby-Inschrift, Runen, Älteres Fuþark, Skandinavistik, Jenseitsvorstellungen, Grabkultur, Draugr, Runenzauber, Archäologie, Forschungsgeschichte, Mythologie, Runenmeister, Fruchtbarkeitskult, Altisländische Literatur, Epigraphik
Die Arbeit behandelt die inhaltliche Neuinterpretation der Runeninschrift vom Stein von Noleby, um deren Bedeutung und den Kontext ihrer Entstehung besser zu verstehen.
Die Arbeit verknüpft epigraphische Analysen der Runen mit religionsgeschichtlichen Fragestellungen zu nordischen Jenseitsvorstellungen, Ahnenkult und der Rolle von Toten in der Gemeinschaft der Lebenden.
Das Ziel ist es, eine fundierte neue Deutung der Noleby-Inschrift vorzulegen, die über die bisherige Forschung hinausgeht und eine weitere interpretatorische Möglichkeit aufzeigt.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die philologische Textanalysen mit archäologischen Fundkontexten und literaturwissenschaftlichen Vergleichen (Edda, Sagas) verbindet.
Der Hauptteil gliedert die Inschrift in ihre Bestandteile und analysiert diese unter Einbeziehung von Fachdiskursen, um die magische oder rituelle Funktion der Inschrift zu hinterfragen.
Wesentliche Begriffe sind Noleby-Inschrift, Runenzauber, Draugr-Abwehr, Jenseitsvorstellung und interdisziplinäre Runenforschung.
Der Autor setzt sich kritisch mit der in der Forschung verbreiteten Annahme auseinander, dass Runeninschriften primär der Abwehr von Wiedergängern (Draugr) dienten.
Der Autor schlägt vor, dass die Passage von einer Perspektive ausgehen könnte, in der der Tote selbst für das Wohlbefinden der Lebenden oder seiner Nachkommen sorgt, anstatt nur eine Gefahr darzustellen.
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