Examensarbeit, 2004
131 Seiten, Note: sehr gut
1. Begrifflichkeit und Phänomen
1.1 Der Begriff „Rechenschwäche“ / „Dyskalkulie“
1.1.1 Der Terminus „Dyskalkulie“
1.1.2 Verschiedene Definitionen
1.1.3 Grissemanns „Diskrepanzdefinitionen“
1.1.4 Grundformen der Rechenschwäche
1.1.5 Primäre und sekundäre Dyskalkulie
1.2 Erscheinungsformen der Rechenschwäche
1.2.1 Probleme bei der Sinneswahrnehmung
1.2.2 Häufige Wahrnehmungsstörungen
1.2.3 Defizite in den kognitiven Fähigkeiten
1.2.4 Typische Rechenprobleme
1.2.5 Wie rechnet das Kind?
1.2.6 Verhaltensauffälligkeiten
2. Denk- und lernpsychologische Grundlagen des Rechnens
2.1 Neuropsychologische Voraussetzungen für mathematisches Denken
2.2 Das Entwicklungsmodell nach Ayres
2.3 Entwicklung des operatorischen Denkens nach Piaget
2.4 Aeblis mathematische Operationstheorie
3. Ursachen für Rechenstörungen
3.1 Teilleistungsschwächen
3.2 Individuumsbezogene Ursachen
3.2.1 Kongenitale Ursachen
3.2.2 Neuropsychologische Ursachen
3.2.3 Psychische Komponenten
3.3 Soziokulturelle und familiäre Ursachen
3.4 Schulische Ursachen
4. Diagnostik
4.1 Aspekte der Diagnostik im basalen Bereich
4.2 Diagnostik im pränumerischen Bereich
4.3 Fehleranalyse
4.4 Informelle Diagnostik des Leistungsstandes
4.5 Formelle Testverfahren
5. Förderung von Kindern mit Rechenschwäche
5.1 Prävention
5.1.1 Vom zählenden Rechnen zur Abrufbarkeit der Basisfakten
5.1.1.1 Fallbeispiel
5.1.1.2 Hängen bleiben am zählenden Rechnen
5.1.1.3 Strukturgelenktes Rechnen
5.1.1.4 Rechenausdrücke als Handlungsanweisungen und als Namen für mathematische Objekte
5.1.1.5 Hinweise zum methodischen Vorgehen
5.1.2 Rechnen erlebt
5.1.2.1 Addition und Subtraktion
5.1.2.2 Multiplikation und Division
5.1.3 Edukinestetik im Unterricht
5.2 Intervention
5.2.1 Fallbeispiel
5.2.2 Beratung des Umfelds
5.2.2.1 Beratungsgrundsätze
5.2.2.2 Beratung von Lehrern
5.2.2.3 Beratung von Eltern
5.2.2.4 Grenzen der Beratung
5.2.3 Private Institute: A.L.F. e.V. in Nürnberg
5.2.4 Die Elterninitiative IFRK e.V.
5.3 Juristische Aspekte zur Förderung in Bayern
5.3.1 Unterstützung außerhalb der Schule
5.3.2 Schulrechtliche Gesichtspunkte
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit setzt sich intensiv mit dem Phänomen der Dyskalkulie auseinander. Das primäre Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die Erscheinungsformen, Ursachen und diagnostischen Möglichkeiten bei rechenschwachen Kindern zu entwickeln sowie effektive Förderansätze für den schulischen und außerschulischen Bereich aufzuzeigen.
Die ersten Anzeichen für eine mögliche Rechenschwäche
Die ersten Anzeichen für eine mögliche Rechenschwäche können sich schon im frühen Kindesalter zeigen, besonders, wenn die Ursache in Wahrnehmungsschwächen liegt. Wie sich dieses Problem vom Kleinkind bis zum Schulkind in der Entwicklung eines wahrnehmungsgestörten Kleinkindes zu einem rechenschwachen Schulkind äußern kann, schildert Monika Malchau (Schwarz 1999, 30f):
„Weil es sich auf seine Sinne nicht verlassen konnte, hatte es als Baby keinen Gefallen daran gehabt, mit dem Mund die Oberfläche, Struktur und Form seiner Spielsachen zu erforschen, es überging die Phase des Krabbelns und es versäumte dabei, aus der Sicht des Vierfüßlers die Dimension seiner Umgebung zu erforschen. Das Kind schaffte es mit zwei Jahren nicht, unter einem Stuhl durchzukrabbeln, ohne sich den Kopf zu stoßen, einen stabilen Turm zu bauen oder für eine Dose den dazugehörigen Deckel zu finden und sie damit zu verschließen. Mit drei Jahren fand es keinen Weg, ein Spielzeug aus dem obersten Schrankfach zu holen oder ein kleines Brot in eine kleine Tüte und ein großes Brot in eine große Tüte zu packen. Als Vierjähriges merkte es nicht, dass sein Bruder ihm von seinen fünf Bonbons eines weggenommen hatte, und glaubte, mit einem DIN-A4-Bogen einen Schuhkarton einwickeln zu können. Mit fünf Jahren malte es sich noch selbst als Kopffüßler ohne Finger und sagte zu ‚neulich’ ‚gestern’. Noch mit sechs Jahren übersprang es beim Abzählen einige Gegenstände und zählte andere doppelt. Mit sieben Jahren kam es zur Schule und konnte sich nicht merken, dass (+) ein Zeichen für ‚dazutun’ und (-) ein Zeichen für ‚wegnehmen’ ist. Als es acht Jahre alt war, wurde eine Rechenschwäche bei ihm festgestellt.“
Begrifflichkeit und Phänomen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Definitionsmöglichkeiten der Dyskalkulie und beschreibt die vielfältigen Erscheinungsformen der Rechenschwäche bei Kindern.
Denk- und lernpsychologische Grundlagen des Rechnens: Hier werden neuropsychologische Grundlagen sowie die Entwicklungsmodelle von Ayres, Piaget und Aebli dargestellt, um die Bedingungen für mathematisches Verständnis zu beleuchten.
Ursachen für Rechenstörungen: Das Kapitel analysiert verschiedene Ursachenfelder, darunter individuelle Voraussetzungen sowie soziokulturelle, familiäre und schulische Faktoren, die zur Entstehung von Rechenstörungen beitragen können.
Diagnostik: Dieser Teil widmet sich den diagnostischen Verfahren, von basalen und pränumerischen Tests bis hin zur Fehleranalyse und der Anwendung formeller Testmethoden.
Förderung von Kindern mit Rechenschwäche: Im Zentrum stehen präventive Maßnahmen gegen das zählende Rechnen, die Bedeutung der Intervention, die Beratung des Umfelds sowie rechtliche Aspekte zur schulischen Förderung.
Zusammenfassung: Das letzte Kapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit individueller Hilfen bei der Förderung rechenschwacher Kinder.
Dyskalkulie, Rechenschwäche, Rechenstörung, Mathematiklernen, Förderdidaktik, Neuropsychologie, Lernpsychologie, Diagnostik, Wahrnehmungsstörungen, Invarianz, Förderung, Intervention, Prävention, Teilleistungsschwäche, Schulerfolg
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem komplexen Phänomen der Dyskalkulie (Rechenschwäche) und untersucht deren theoretische Grundlagen, Ursachen sowie praktische Ansätze zur Diagnose und Förderung von betroffenen Kindern.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Definition des Begriffs, den lernpsychologischen Grundlagen des mathematischen Denkens, den vielfältigen Ursachen von Rechenstörungen sowie der praktischen Umsetzung diagnostischer und förderpädagogischer Maßnahmen.
Das Ziel der Arbeit ist es, Lehrkräften und Eltern ein fundiertes Verständnis für die Problematik der Dyskalkulie zu vermitteln und konkrete Wege für eine individuelle, auf das Kind abgestimmte Förderung aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Ansätze (z.B. von Piaget und Aebli) sowie diagnostische und therapeutische Konzepte aus der sonderpädagogischen Forschung zusammenführt.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des mathematischen Lernens, analysiert die Ursachenfelder von Rechenstörungen und widmet sich ausführlich den diagnostischen Verfahren sowie verschiedenen Förderstrategien, inklusive Fallbeispielen.
Zentrale Begriffe sind Dyskalkulie, Förderdidaktik, pränumerischer Bereich, Teilleistungsschwäche, diagnostische Verfahren und präventive Interventionsstrategien.
Zählendes Rechnen ist bei größeren Aufgaben zeitaufwendig, fehleranfällig und verhindert den Aufbau eines strukturellen Zahlverständnisses, da keine Beziehungen zwischen Zahlen verknüpft werden, was zu einer Überlastung des Arbeitsgedächtnisses führt.
Die Edukinestetik dient als ergänzender Baustein, um durch gezielte Bewegungsübungen (z.B. Überkreuzbewegungen) Entwicklungsschritte nachzuholen und Energieblockaden abzubauen, was wiederum die neurologischen Voraussetzungen für das Lernen verbessert.
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