Masterarbeit, 2016
123 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
(A) Theoretischer Teil
2 Individualverhalten bei Anwesenheit von Beobachtern
3 Individualverhalten in interagierenden Gruppen
3.1 Definition „Gruppe“
3.2 Prozessgewinne und Prozessverluste in Gruppen
4 „Social Loafing“
4.1 Definition und Begriffsabgrenzung
4.2 Forschungsgeschichte
4.3 Charakteristika und Einflussfaktoren auf „Social Loafing“
4.3.1 Charakteristika der Aufgabe
4.3.2 Merkmale der Gruppe und Situation
4.3.3 Eigenschaften der einzelnen Personen
4.4 Theoretische Einbettung von „Social Loafing“
4.5 Maßnahmen zur Vermeidung von „Social Loafing“
5 Aktueller Forschungsstand
5.1 „Social Loafing“ im Sport
5.2 Auswirkungen von Platzverweisen im Fußball
(B) Empirischer Teil
6 Hypothese und Fragestellung
7 Methoden
7.1 Spielanalyse – Datenerhebung und Varianzanalyse
7.2 Qualitative Inhaltsanalyse
8 Spielanalyse
8.1 Allgemein
8.2 Varianzanalysen: Die Veränderung des Spielstandes unter Berücksichtigung der Faktoren „Spielstandes zum Zeitpunkt des Platzverweises“, „Spielort“ und „Zeitpunkt des Platzverweises“
8.2.1 Deskriptive Statistik
8.2.2 Dreifaktorielle Varianzanalyse
8.2.3 Einfaktorielle Varianzanalysen
8.3 Zusammenfassung
9 Qualitative Inhaltsanalyse
9.1 Auswirkung
9.2 Faktor Spielort
9.3 Faktor Spielstand
9.4 Faktor Zeitpunkt
9.5 Soziales Faulenzen
9.6 Weitere Einflussfaktoren
9.7 Faktorengewichtung
9.8 Zusammenfassung und Interpretation
10 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Platzverweisen im professionellen Fußball unter besonderer Berücksichtigung des Phänomens des „Sozialen Faulenzens“ (Social Loafing). Ziel ist es zu analysieren, ob Mannschaften in Unterzahl durch ein geringeres Auftreten von „Sozialem Faulenzen“ und eine kompensatorische Leistungssteigerung den numerischen Nachteil ausgleichen können und wie sich dabei Faktoren wie Spielort, Spielzeitpunkt und Spielstand auswirken.
4.2 Forschungsgeschichte
„Social Loafing“ basiert auf dem ersten sozialpsycholgischen Experiment überhaupt. Dieses wurde bereits 1882 vom französischen Professor für Agraringenieurwesen Max Ringelmann (1861-1931) durchgeführt. Im Zuge seiner Forschungen über die Arbeitseffizienz bei landwirtschaftlichen Anwendungen stieß er zufällig auf das Phänomen, dass die Zugkraft von Gruppen geringer ausfällt als die Addition der individuellen Zugkräfte (beim Ziehen alleine) vermuten lässt und nicht proportional mit der Anzahl der ziehenden Personen ansteigt. Seine daran anknüpfenden Experimente, bei denen hauptsächlich das Tauziehen bei verschiedenen Gruppengrößen untersucht wurde, zeigten, dass der Einzelbeitrag jedes Gruppenmitgliedes mit steigender Gruppengröße abnimmt. Dieses Phänomen wird als „Ringelmann-Effekt“ bezeichnet. Wie in Abbildung 3 zu sehen, sinkt die von Ringelmann gemessene durchschnittliche Leistung pro Person in Relation zur Einzelleistung von 93% bei 2 Personen auf bis zu 49% bei 8 Personen.
1 Einleitung: Einführung in das Phänomen des „Sozialen Faulenzens“ und Darlegung der Forschungsfrage bezüglich der Auswirkungen von Platzverweisen im Fußball.
2 Individualverhalten bei Anwesenheit von Beobachtern: Erläuterung der psychologischen Grundlagen zur Leistungssteigerung oder -minderung in Anwesenheit von Beobachtern.
3 Individualverhalten in interagierenden Gruppen: Definition des Gruppenbegriffs sowie Einordnung von Prozessgewinnen und -verlusten bei Gruppenarbeit.
4 „Social Loafing“: Umfassende Definition, Forschungsgeschichte und Erläuterung der Einflussfaktoren sowie theoretische Einbettung des "Collective Effort Models".
5 Aktueller Forschungsstand: Darstellung existierender Studien zum „Social Loafing“ im Sport und vorangegangener Analysen zu Platzverweisen im Fußball.
6 Hypothese und Fragestellung: Formulierung der Arbeitshypothese sowie Ableitung der spezifischen explorativen Fragestellungen.
7 Methoden: Beschreibung der Datenerhebung für die Spielanalyse und des Ablaufs der qualitativen Experteninterviews.
8 Spielanalyse: Deskriptive und analytische Darstellung der erhobenen Spieldaten mittels Varianzanalysen.
9 Qualitative Inhaltsanalyse: Interpretation und Diskussion der Experteninterviews zur Einordnung der statistischen Ergebnisse.
10 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Fragestellungen und Diskussion der Ergebnisse im Kontext der Ausgangshypothese.
Soziales Faulenzen, Social Loafing, Platzverweis, Fußball, Gruppenleistung, Ringelmann-Effekt, Spielstandsanalyse, Mannschaftssport, Spielort, Laufleistung, Experteninterview, Motivation, Gruppenkohäsion, Collective Effort Model, Spielanalyse.
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen eines Platzverweises auf den Spielstand im Profifußball und analysiert, inwieweit das psychologische Phänomen des „Sozialen Faulenzens“ dabei eine Rolle spielt.
Die zentralen Themen umfassen die Sozialpsychologie in Gruppen, insbesondere das „Social Loafing“, sowie die sportwissenschaftliche Spielanalyse unter Einbeziehung quantitativer und qualitativer Methoden.
Ziel ist es zu klären, ob Mannschaften in Unterzahl in der Lage sind, diesen Nachteil durch eine Leistungssteigerung (basierend auf reduziertem „Sozialen Faulenzen“) auszugleichen, sodass sich der Spielstand nicht signifikant zugunsten der Überzahlmannschaft verändert.
Es werden sowohl statistische Verfahren (Varianzanalysen an einem Datensatz von 466 Spielen) als auch qualitative, problemorientierte Experteninterviews mit drei ehemaligen oder aktiven Fußballprofis angewendet.
Im Hauptteil werden Spieldaten der 1. und 2. Deutschen Fußball-Bundesliga (Saison 2009/2010 bis 2015/2016) statistisch ausgewertet und die Ergebnisse anschließend durch Interviews mit Benjamin Auer, Marcel Correia und Denis Linsmayer diskutiert.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Soziales Faulenzen, Platzverweis, Fußball, Gruppenleistung, Spielanalyse und Experteninterview charakterisieren.
Nein, die statistische Analyse zeigt, dass der Spielstand zum Zeitpunkt des Platzverweises keinen signifikanten Einfluss auf die weitere Veränderung des Spielstandes hat.
Der Zeitpunkt ist ein hoch signifikanter Faktor: Je früher der Platzverweis ausgesprochen wird, desto größer ist die statistisch feststellbare Veränderung zugunsten der vollzähligen Mannschaft, da bei späterem Ausschluss weniger Restspielzeit zur Kompensation oder Nutzung des numerischen Vorteils bleibt.
Ja, die Studie kommt zu dem Schluss, dass Heimmannschaften aufgrund der Unterstützung durch eigene Fans und höherer Motivation diesen Nachteil eher kompensieren können als Auswärtsmannschaften.
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