Bachelorarbeit, 2016
44 Seiten, Note: 1,7
A. Einleitung
B. Allgemeines zu § 626 BGB
C. Der „wichtige Grund“
I. Zweistufiges Prüfungsschema der Rechtsprechung
II. Kritik an der Zwei-Stufen-Theorie
III. Strukturierung des wichtigen Grundes Bildung von Fallgruppen
1. Systematisierung nach Art der Kündigungsgründe
2. Systematisierung der Kündigungsgründe nach ihrer Auswirkung auf das Arbeitsverhältnis
D. Geringwertige Vermögensdelikte als „an sich“ wichtiger Grund
I. Wertungswidersprüche und die Einführung von Bagatellgrenzen
1. Wertungswidersprüche zum Strafrecht?
2. Wertungswidersprüche zur Zivilgerichtsbarkeit?
3. Wertungswidersprüche zur Verwaltungsgerichtsbarkeit?
4. Wertungswidersprüche zu anderen Kündigungsgründen?
5. Weitere Argumente für und gegen die Einführung einer Bagatellgrenze
II. Stellungnahme
E. Interessenabwägung bei geringwertigen Vermögensdelikten
I. Das Prognoseprinzip
II. Das Verhältnismäßigkeitsprinzip
1. Ordentliche Kündigung als milderes Mittel
2. Abmahnung als milderes Mittel
F. Fazit
Die Arbeit untersucht die rechtliche Zulässigkeit außerordentlicher Kündigungen von Arbeitnehmern bei pflichtwidriger Entwendung geringwertigen Arbeitgebereigentums. Im Fokus steht die kritische Analyse der bestehenden Rechtspraxis sowie die Diskussion darüber, ob eine starre Bagatellgrenze oder eine differenzierte Interessenabwägung im Einzelfall vorzuziehen ist.
A. Einleitung
„Wer klaut, der fliegt.“ So wurde zu Teilen die strenge Linie der Rechtsprechung seit dem grundlegenden „Bienenstich“-Urteil aus dem Jahre 1984 bei Kündigungen wegen geringwertiger Vermögensdelikte gegen das Arbeitgebereigentum interpretiert.
In den letzten Jahren häuften sich in den Medien Berichte über Fälle, in denen Arbeitnehmern wegen geringfügiger Vermögensdelikte gekündigt wurde. Diese Sachverhalte und insbesondere der sog. „Emmely“-Fall, in dem einer Kassiererin wegen des pflichtwidrigen Einlösen zweier Pfandbons im Wert von 1,30 EUR gekündigt worden war, lösten in der Gesellschaft eine Gerechtigkeitsdebatte aus. Die gesellschaftspolitische Diskussion gab zudem den Anstoß zu drei inzwischen gescheiterten parlamentarischen Initiativen der damaligen Opposition. Diese sahen alle im Wesentlichen vor, dass einer außerordentlichen Kündigung wegen eines geringfügigen Vermögensdelikts eine Abmahnung vorausgehen müsse.
A. Einleitung: Einführung in die Problematik der außerordentlichen Kündigung bei geringfügigen Vermögensdelikten und Darstellung der gesellschaftspolitischen Relevanz anhand prominenter Fallbeispiele.
B. Allgemeines zu § 626 BGB: Erläuterung der beendigungsrechtlichen Grundlage und des Prinzips der Vertragstreue als Ausgangspunkt für außerordentliche Kündigungen.
C. Der „wichtige Grund“: Analyse des unbestimmten Rechtsbegriffs sowie Darstellung des zweistufigen Prüfungsschemas und der Systematisierung von Kündigungsgründen.
D. Geringwertige Vermögensdelikte als „an sich“ wichtiger Grund: Kritische Untersuchung der Zulässigkeit solcher Kündigungen inklusive der Diskussion um Bagatellgrenzen und Vergleich mit anderen Rechtsgebieten.
E. Interessenabwägung bei geringwertigen Vermögensdelikten: Detaillierte Betrachtung der zweiten Prüfungsstufe unter Anwendung des Prognose- und Verhältnismäßigkeitsprinzips, insbesondere der Abmahnung.
F. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rechtspraxis mit dem Ergebnis, dass eine feste Bagatellgrenze abzulehnen ist und die Einzelfallprüfung Vorrang behalten sollte.
Außerordentliche Kündigung, § 626 BGB, Vermögensdelikte, Bagatellgrenze, Interessenabwägung, Verhältnismäßigkeitsprinzip, Abmahnung, Vertrauensverlust, Emmely-Fall, Arbeitsrecht, Pflichtverletzung, Prognoseprinzip, Rechtssicherheit, Kündigungsschutz, Eigentum.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der arbeitsrechtlichen Zulässigkeit einer außerordentlichen Kündigung, wenn ein Arbeitnehmer geringwertiges Eigentum seines Arbeitgebers entwendet hat.
Zentrale Themen sind die Auslegung des wichtigen Grundes gemäß § 626 BGB, die dogmatische Strukturierung von Kündigungsgründen und die Abwägung zwischen dem Vertrauensverlust des Arbeitgebers und den Interessen des Arbeitnehmers.
Ziel ist es, die aktuelle Rechtspraxis kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob die Einführung einer starren Bagatellgrenze zur Erhöhung der Rechtssicherheit sinnvoll oder dogmatisch vertretbar ist.
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Arbeit, die auf einer tiefgehenden Analyse der einschlägigen Gesetzestexte, der höchstrichterlichen Rechtsprechung (insbesondere des Bundesarbeitsgerichts) sowie der juristischen Fachliteratur basiert.
Der Hauptteil analysiert das zweistufige Prüfungsschema, vergleicht die Behandlung von Bagatelldelikten im Arbeitsrecht mit dem Straf- und Verwaltungsrecht und diskutiert die Erforderlichkeit einer Abmahnung im Rahmen der Interessenabwägung.
Wichtige Begriffe sind außerordentliche Kündigung, Vertrauensverlust, Bagatellgrenze, Interessenabwägung, Verhältnismäßigkeit und die Dogmatik des § 626 BGB.
Das Strafrecht verfolgt den Zweck der Sanktionierung von Fehlverhalten, während das Kündigungsrecht zukunftsgerichtet ist und primär darauf abstellt, ob das für das Arbeitsverhältnis notwendige Vertrauen zerstört wurde.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine starre Bagatellgrenze dogmatisch nicht sinnvoll ist, da sie die erforderliche Einzelfallgerechtigkeit verhindern würde, die § 626 BGB gerade vorsieht.
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