Bachelorarbeit, 2008
38 Seiten, Note: 2
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1. Einleitung
2. Warum würde man in die Karoo ziehen?
2.1 Kriminalität
2.2 Arbeitslosigkeit und Armut
2.3 Verdrängung der Afrikaner-Kultur
3. Orania als Grundlage eines „white homeland“
3.1 Historischer Exkurs
3.2 Afrikaner-Nationalismus und der Volkstaat-Gedanke
3.3 Die Gründung Oranias
3.4 Zur Ideologie der Bewohner
3.5 Verwaltung und politischer Status der Gemeinde
4. Orania – ein sozioökonomisches Paradies?
4.1 Wirtschaft
4.1.1 Volkseie arbeid
4.1.2 Der Ora
4.1.3 Ist Orania wirtschaftlich tragfähig?
4.2 Gesellschaft
4.2.1 Theoretischer Ansatz
4.2.2 Sozialstruktur und soziale Ungleichheit in Orania
4.2.3 Segregation
5. Wahrnehmung von Orania
6. Fazit
7. Literatur- und Quellenverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung, Ideologie und sozioökonomische Funktionsweise der südafrikanischen "Musterkommune" Orania. Ziel ist es zu analysieren, ob der Ort als zukunftsfähiges soziales und ökonomisches Modell für Afrikaner dienen kann, die sich den gesellschaftlichen Veränderungen im Post-Apartheid-Südafrika entziehen möchten.
3.3 Die Gründung Oranias
Obwohl in der Vergangenheit von verschiedenen Afrikaner-Gruppierungen Versuche einer Volkstaat-Gründung (z. B. Morgenzon, Vierfontein, Balmoral) unternommen wurden, existieren heute nur zwei in die Praxis umgesetzte Pioniergemeinden – Kleinfontein in der Provinz Gauteng und Orania im Nordkap. Orania erweist sich in seiner geographischen Abgeschiedenheit inmitten der Karoo-Halbwüste als ein durchaus interessanteres Untersuchungsobjekt als Kleinfontein, das im verflochtenen Gauteng-Ballungsraum eher wenig Aufmerksamkeit erregt.
Als das südafrikanische Ministerium für Wasserwesen in den 60er Jahren mit dem Bau des Vanderkloof-Staudamms und diverser Bewässerungskanälen begann, musste für die Unterkunft der Belegschaft ein Dorf gegründet werden. 1963 wurde die vorerst namenlose Siedlung am Ufer des Orange-Flusses, auf halbem Wege zwischen Hopetown und Petrusville, errichtet. Die Gemeinde wurde schließlich auf den Namen Vluytjeskraal getauft, später wurde jedoch ein Preisausschreiben für einen geeigneten Namen organisiert und es wurde Orania aus den zahlreichen Vorschlägen gewählt. Die Infrastruktur (Straßen, Kirche, Postamt, Klinik, Gästehaus, Kaufladen, Schule) musste von Grund auf neugelegt werden, sodass Orania schnell zum hochentwickeltsten Dorf in der Region wurde. Als jedoch zwanzig Jahre später der Bau der Bewässerungsanlagen abgeschlossen war, zog die gesamte Arbeiterschaft des Ministeriums aus und das Dorf begann sich zu einer verfallenen Geisterstadt zu entwickeln (Pienaar 2007, S. 57f.).
1. Einleitung: Einführung in die aktuelle Situation in Südafrika nach 1994 und Vorstellung der "Musterkommune" Orania als Gegenentwurf zur multikulturellen Gesellschaft.
2. Warum würde man in die Karoo ziehen?: Untersuchung der Push-Faktoren wie Kriminalität, Armut und das Gefühl der kulturellen Verdrängung der Afrikaner im neuen Südafrika.
3. Orania als Grundlage eines „white homeland“: Historische Einordnung des Volkstaat-Gedankens und Darstellung der Gründung sowie Ideologie der Gemeinde Orania.
4. Orania – ein sozioökonomisches Paradies?: Detaillierte Analyse der wirtschaftlichen Mechanismen wie der lokalen Währung "Ora" und der Sozialstruktur der Bewohner.
5. Wahrnehmung von Orania: Analyse der nationalen und internationalen Rezeption von Orania als Symbol der Apartheid oder als Zufluchtsort für Selbstbestimmung.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Zukunftsfähigkeit Oranias im Kontext der südafrikanischen Gesellschaft.
7. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Orania, Südafrika, Apartheid, Afrikaner, Volkstaat, Sozioökonomie, Segregation, Identität, Selbstbestimmung, volkseie arbeid, Migration, Karoo, soziale Ungleichheit, politische Ideologie.
Die Arbeit analysiert das Phänomen Orania, eine von weißen Afrikanern bewohnte Gemeinde in der südafrikanischen Karoo, die als Versuch einer räumlichen Abgrenzung und kulturellen Selbstbestimmung gilt.
Die zentralen Themen sind die historische Genese des Afrikaner-Nationalismus, die ökonomischen Bestrebungen nach Autarkie sowie die Untersuchung der sozialen Struktur und Segregation innerhalb der Siedlung.
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob Orania als sozioökonomisches Modell zukunftsfähig ist und wie es sich in den Kontext des post-Apartheid Südafrikas einfügt.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse sowie einer Auswertung soziologischer Daten und Experteninterviews zur Sozialstruktur von Orania.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Motive für die Ansiedlung, die theoretische und historische Herleitung des Volkstaat-Gedankens, die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die Analyse der gesellschaftlichen Schichtung.
Die wichtigsten Begriffe sind Orania, Volkstaat, Selbstbestimmung, Afrikaner-Kultur, soziale Segregation und sozioökonomische Autarkie.
Das Prinzip besagt, dass Bewohner ihre Arbeit selbst verrichten oder nur durch andere Afrikaner verrichten lassen dürfen, um Abhängigkeiten von anderen ethnischen Gruppen zu vermeiden.
Der "Ora" wurde als lokales Zahlungsmittel eingeführt, um den Handel innerhalb Oranias zu fördern und eine eigene ökonomische Identität zu stärken.
Nein, die Arbeit stellt fest, dass Orania mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, einer Überalterung der Bevölkerung und einer künstlich aufrechterhaltenen Sozialstruktur kämpft, die weit von einer idealen ökonomischen Unabhängigkeit entfernt ist.
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