Bachelorarbeit, 2016
32 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Grundlagen für das Verständnis eines „Projekt Linkspopulismus“
2.1. Antagonismus, Hegemonie und die Konstituierung des Volkes
2.2. Das Projekt radikaler und pluraler Demokratie
2.3. Die Herausforderungen für die postpolitische Vision
3. Das „Projekt Linkspopulismus“
3.1. Ein neuer Antagonismus im Register der Moral
3.2. Die Stärkung der europäischen Dimension
3.3. „Es gibt keine Demokratie ohne Repräsentation“
3.4. Pluralismus, Identitäten und der Begriff des politischen Handelns
3.5. Die populistische Dimension der Demokratie
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das „Projekt Linkspopulismus“ von Chantal Mouffe, um zu analysieren, ob es sich dabei um eine konsequente Weiterentwicklung ihrer Theorie der radikalen und pluralen Demokratie handelt oder ob diese Strategie hinter ihre früheren Positionen zurückfällt.
3.1. Ein neuer Antagonismus im Register der Moral
Im „Projekt Linkspopulismus“ setzt Chantal Mouffe nicht mehr darauf, rechtspopulistische Parteien können durch die Wiederbelebung echter Parteipolitik und die Wiederherstellung des Links-Rechts-Gegensatzes bekämpft werden, da die sozialdemokratischen Parteien „an den Mechanismen der neoliberalen Hegemonie eine zu große Mitschuld tragen, als dass sie eine Alternative zu bieten hätten“ (Mouffe 2015 ). Zudem können die durch die Umgestaltung des Kapitalismus entstandenen neuen demokratischen Forderungen nicht mehr auf der traditionellen Links-Rechts-Achse angesiedelt werden. Ihrem Plädoyer für einen neuen linken Populismus liegt eine neue Grenzziehung zugrunde: die antagonistische Zweiteilung des Raums erfolgt nicht mehr durch die die Artikulation demokratischer Forderungen in einer Äquivalenzkette, sondern durch die Festlegung eines Gegners: Auf der einen Seite steht das „progressive Volk“, auf der anderen Seite „die politischen und ökonomischen Kräfte des Neoliberalismus“ (Mouffe 2015). „Hier das wahre, gute Volk – dort die bösen Eliten, die es ausbeuten“ – so lässt sich nach Albrecht von Lucke die „neue linkspopulistische Kampfansage in Europa“ verstehen (Lucke 2015: 51). Erkannte Mouffe in „Über das Politische“ noch die Gefahren der „Politik im Register der Moral“ („Wenn nun die Wir-Sie-Konfrontation moralisch zwischen Gut und Böse statt politisch zwischen ‚Gegnern’ formuliert wird, dann kann der Gegenspieler nur als zu vernichtender Feind wahrgenommen werden“, Mouffe 2007b: 12), so erliegt sie mit ihrem Plädoyer für den Linkspopulismus eben diesen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krise der Europäischen Union und den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien als Folge des „Konsens in der Mitte“, wobei Chantal Mouffe als zentrale Theoretikerin für eine linke Antwort eingeführt wird.
2. Grundlagen für das Verständnis eines „Projekt Linkspopulismus“: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Basisbegriffe wie Antagonismus, Hegemonie, die Konstituierung des Volkes sowie das Modell der radikalen und pluralen Demokratie.
3. Das „Projekt Linkspopulismus“: Das Hauptkapitel analysiert kritisch Mouffes neue Strategie, insbesondere die moralisierte Grenzziehung, die europäische Dimension, das Repräsentationsverhältnis und die populistische Dimension innerhalb ihrer Theorie.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass Mouffe mit ihrem neuen Projekt teilweise hinter ihre eigenen früheren Postulate zurückfällt und durch die Moralisierung der Politik ein defizitäres Verständnis der konflikthaften Pluralität offenbart.
Linkspopulismus, Chantal Mouffe, Radikale Demokratie, Hegemonie, Agonismus, Antagonismus, Neoliberalismus, Repräsentation, Politische Theorie, Pluralismus, Kollektive Identität, Postdemokratie, Volk, Establishment, Europäische Union
Die Arbeit analysiert kritisch das „Projekt Linkspopulismus“ von Chantal Mouffe und prüft, inwiefern diese neue Strategie ihre bisherige Demokratietheorie weiterentwickelt oder schwächt.
Im Zentrum stehen die Konzepte des Agonismus, der Hegemonie, die Rolle von Parteien gegenüber sozialen Bewegungen und die moralische Dimension populistischer Grenzziehungen.
Ziel ist es zu untersuchen, ob Mouffes Plädoyer für einen Linkspopulismus ihre Theorie der „radikalen und pluralen Demokratie“ kohärent ergänzt oder ob sie durch eine moralisierte Unterscheidung zwischen „Volk“ und „Eliten“ demokratische Standards untergräbt.
Die Autorin nutzt eine theoriekritische Analyse, indem sie Mouffes frühere Schriften mit ihrem aktuellen „Projekt Linkspopulismus“ vergleicht und durch Einbeziehung anderer Theoretiker (wie Carl Schmitt oder Ernesto Laclau) auf Inkonsistenzen prüft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des neuen Antagonismus, die Bedeutung der europäischen Dimension, die Verteidigung der repräsentativen Demokratie sowie eine tiefgehende Kritik am Pluralismusverständnis in Mouffes populistischem Ansatz.
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Linkspopulismus, Hegemonie, Agonismus, Pluralismus und Radikale Demokratie definiert.
Die Kritik entzündet sich an ihrer Konstruktion eines „progressiven Volkes“, welches durch eine moralische Abgrenzung zu den „Eliten“ das Pluralitätsprinzip zugunsten einer homogenen kollektiven Identität opfert.
Die Autorin argumentiert, dass Mouffe aufgrund ihres Fokus auf den Kampf gegen den Neoliberalismus bereit ist, Koalitionen mit rechten Kräften (wie etwa ANEL in Griechenland) zu akzeptieren, solange das gemeinsame Ziel die Ablehnung des neoliberalen Establishments ist.
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