Examensarbeit, 2016
156 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Forschungsgeschichtliche Verortung und methodische Vorüberlegungen
3. Frauengestalten in der Ursprungsgeschichte Israels – ein kurzer Überblick
4. Frauen als tragende Figuren der Handlung
4.1 Sara – zwischen Verheißung und Warten auf Erfüllung (Gen 12-23)
4.1.1 Saras Unfruchtbarkeit und die Verheißung Gottes (Gen 11,26-12,9)
4.1.2 Preisgabe und Rettung Saras in Ägypten (Gen 12,10-20)
4.1.3 Saras Kinderlosigkeit und die Geburt von Ismael durch Hagar (Gen 15-16)
4.1.4 Erneute Verheißung einer großen Nachkommenschaft (Gen 17,1-22; 18,1-15)
4.1.5 Abermalige Preisgabe Saras in Gerar (Gen 20,1-18)
4.1.6 Die Geburt Isaaks und Verstoßung Ismaels (Gen 21,1-21)
4.1.7 Die Bindung Isaaks (Gen 22,1-19)
4.1.8 Saras Tod und ihre Beisetzung (Gen 23,1-19)
4.1.9 Zwischenfazit
4.2 Rebekka – eine Frau, die weiß, was sie will (Gen 24-28)
4.2.1 Die familiäre Herkunft Rebekkas (Gen 22,20-24)
4.2.2 Brautwerbung für Isaak (Gen 24,1-61)
4.2.3 Erste Begegnung Rebekkas mit Isaak (Gen 24,62-67)
4.2.4 Geburt der Zwillingssöhne und der Verkauf des Erstgeburtsrechts (Gen 25,19-34)
4.2.5 Preisgabe und Rettung Rebekkas in Gerar (Gen 26,1-11)
4.2.6 Erschleichung des Erstgeburtssegens mit Hilfe der Mutter (Gen 27,1-40)
4.2.7 Rebekkas letzter Auftritt (Gen 27,42-46)
4.2.8 Zwischenfazit
4.3 Rahel und Lea – Rivalität zwischen ungleichen Schwestern (Gen 29-35)
4.3.1 Jakob begegnet Rahel (Gen 29,1-14a)
4.3.2 Labans Betrug an Jakob (Gen 29,14b-30)
4.3.3 Rivalität und Gebärwettstreit zwischen den Schwestern (Gen 29,31-30,24)
4.3.4 Rahel und Lea solidarisieren sich gegen ihren Vater (Gen 30,25-31,54)
4.3.5 Rahels Tod bei der Geburt Benjamins (Gen 35,16-20)
4.3.6 Zwischenfazit
5. Frauen als Opfer struktureller, physischer und sexueller Gewalt
5.1 Hagar – eine Frau am Rande der Verheißung (Gen 16,1-16; 21,9-21)
5.1.1 Hagars Schwangerschaft, ihre Flucht und die Geburt Ismaels (Gen 16,1-16)
5.1.2 Die Vertreibung Hagars und das Leben im Exil (Gen 21,9-21)
5.1.3 Zwischenfazit
5.2 Die Töchter Lots – Frauen, die sich zu helfen wissen (Gen 19)
5.2.1 Lots Gastfreundschaft und die Preisgabe seiner Töchter (Gen 19,1-11)
5.2.2 Die Rettung von Lots Familie und die Flucht aus Sodom (Gen 19,12-29)
5.2.3 Inzest und Nachkommenschaft der Töchter Lots (Gen 19,30-38)
5.2.4 Zwischenfazit
5.3 Silpa und Bilha – die Leihmütter und Nebenfrauen Jakobs (Gen 30-33.35)
5.3.1 Stellvertretendes Gebären für Rahel und Lea (Gen 30,1-13)
5.3.2 Silpa und Bilha zwischen den Fronten der Brüder Jakob und Esau (Gen 33,1-16)
5.3.3 Ruben beschläft Bilha, die Nebenfrau seines Vaters Jakob (Gen 35,22a)
5.3.4 Zwischenfazit
5.4 Dina – stummes Opfer männlicher Verfügungsgewalt (Gen 34)
5.4.1 Dinas Geburt und ihre Rolle in den genealogischen Texten (Gen 30,21; 46,5-27)
5.4.2 Die Vergewaltigung Dinas durch Sichem (Gen 34,1-4)
5.4.3 Eheverhandlungen unter den Männern (Gen 34,5-19)
5.4.4 Die Rache der Söhne Jakobs an den Sichemiten (Gen 34, 20-31)
5.4.5 Zwischenfazit
5.5 Tamar – eine Frau kämpft hartnäckig für ihr Recht (Gen 38)
5.5.1 Judas Heirat und die Geburt seiner Söhne (Gen 38,1-5)
5.5.2 Tamars Leben in der Familie Judas und ihre Witwenschaft (Gen 38,6-11)
5.5.3 Judas Begegnung mit Tamar auf dem Weg nach Timna (Gen 38,12-23)
5.5.4 Tamars Verurteilung und die Gerechterklärung Judas (Gen 38,24-26)
5.5.5 Die Fortführung der Verheißungslinie des Hauses Juda (Gen 38,27-30)
5.5.6 Zwischenfazit
6. Zusammenfassung und Bewertung
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die Rolle weiblicher Figuren in der Ursprungsgeschichte Israels (Genesis 12-38) und prüft, inwieweit diese als „Geschichte starker Frauen“ interpretiert werden kann, entgegen der traditionell männlich geprägten „Väter-Erzählungen“.
4.1.2 Preisgabe und Rettung Saras in Ägypten (Gen 12,10-20)
Kaum sind Abraham und Sara im Land der Verheißung angelangt, kommt es zu einer schweren Hungersnot, die Abraham dazu veranlasst, das Land, in das er gerade erst von Gott geschickt wurde, wieder zu verlassen (Gen 12,10). Der masoretische Text grenzt die nun folgende Preisgabeerzählung von dem zuvor Erzählten mit einer Petucha ab, einem Zeichen, das den biblischen Text gliedert und bestimmte Einschnitte markiert.
Kurz vor der Ankunft im rettenden Land Ägypten bekommt Abraham jedoch Angst davor, dass die Fremdlinge seine schöne Frau Sara begehren und ihn deswegen aus dem Weg schaffen wollen und töten könnten. Diese Angst entspringt dem gängigen Vorurteil der sexuellen Haltlosigkeit sowie der hohen Gewaltbereitschaft von „Ausländern“ und wird nicht nur an dieser Stelle, sondern auch an weiteren alttestamentlichen Texten problematisiert. Aus mehreren ägyptischen Dokumenten ist inzwischen ersichtlich, dass „Fremde“ – vor allem Frauen – in Ägypten zwar geduldet und von der Bevölkerung weitestgehend akzeptiert wurden, jedoch keinerlei Bürgerrechte genossen und dadurch der Willkür der mächtigen Schutzherren mehr oder weniger ausgeliefert waren, wodurch die Angst Abrahams nicht ganz unbegründet erscheint.
Dieser Angst verleiht er schließlich auch Ausdruck und bittet Sara, seine Frau, sich als seine Schwester auszugeben, um so sein Leben zu retten. Seine Forderung ist dabei an Selbstbezogenheit kaum zu übertreffen: „Sag doch, du seiest meine Schwester, damit es mir deinetwegen gut geht und ich um deinetwillen am Leben bleibe“ (Gen 12,13).
1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die androzentrische Sichtweise der biblischen "Vätergeschichte" und legt den Fokus auf die unterschätzte Rolle der Frauengestalten in den Ursprungserzählungen Israels.
2. Forschungsgeschichtliche Verortung und methodische Vorüberlegungen: Es werden methodische Ansätze wie die narrative Analyse vorgestellt, um die Rolle der Frau jenseits der traditionellen "His-Story" zu beleuchten.
3. Frauengestalten in der Ursprungsgeschichte Israels – ein kurzer Überblick: Einleitender Überblick über die relevanten weiblichen Gestalten und ihre Verortung in den patriarchalischen Strukturen der Genesis.
4. Frauen als tragende Figuren der Handlung: Detaillierte Analyse der Rollen von Sara, Rebekka, Rahel und Lea als aktive Handlungsträgerinnen, die maßgeblich zur Entwicklung der Familiengeschichte beitragen.
5. Frauen als Opfer struktureller, physischer und sexueller Gewalt: Untersuchung von Texten, in denen Frauen wie Hagar, die Töchter Lots, Silpa, Bilha, Dina und Tamar Unterdrückung und Gewalt erfahren und wie sie darauf reagieren.
6. Zusammenfassung und Bewertung: Abschließende Synthese, die zeigt, dass die Geschichte der Ursprünge Israels weder rein männlich noch rein weiblich ist, sondern als Familiengeschichte im Spannungsfeld von Macht, Gewalt und Verheißung zu verstehen ist.
Ursprungsgeschichte Israels, Buch Genesis, feministische Exegese, Sara, Rebekka, Rahel, Lea, Tamar, Hagar, Dina, Vätergeschichte, Geschlechterrollen, patriarchale Gesellschaft, Verheißungsgeschichte, narrative Analyse
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Rolle von Frauen in der Ursprungsgeschichte Israels (Buch Genesis) und hinterfragt, ob diese Erzählungen primär als Geschichte von Männern ("Vätergeschichte") oder auch als Geschichte starker Frauen gelesen werden können.
Zentrale Themen sind die Analyse von Machtstrukturen, die patriarchale Gesellschaftsordnung, der Umgang mit Gewalt gegen Frauen (strukturell, physisch, sexuell) sowie die aktive Beteiligung von Frauen an der Erfüllung der göttlichen Verheißungen.
Ziel ist es, die in der Forschung oft marginalisierten Frauengestalten in den Fokus zu rücken und zu klären, inwieweit die Erzählungen der Genesis als "Geschichte starker Frauen" verstanden werden können, die aktiv die Volkswerdung Israels mitbestimmt haben.
Die Arbeit stützt sich primär auf die narrative Analyse biblischer Erzählungen (synchrone Methode), ergänzt um eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem soziokulturellen und geschichtlichen Hintergrund des Alten Orients sowie textkritische Erwägungen.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zunächst werden Frauen als tragende Handlungsträgerinnen (Sara, Rebekka, Rahel, Lea) analysiert, danach Frauenfiguren, die als Opfer von Gewalt oder struktureller Unterdrückung auftreten (Hagar, Töchter Lots, Silpa, Bilha, Dina, Tamar).
Wichtige Begriffe sind die "Erzväter-Erzählung", die feministische Exegese, die Unterscheidung zwischen "His-Story" und "Her-Story" sowie die differenzierte Betrachtung der Stellung der Frau in der Rechtsprechung und im familiären Leben.
Die Autorin analysiert Preisgabeerzählungen (z. B. Sara und Rebekka in Gerar) nicht nur als Männergeschichten, in denen die Frau Objekt ist, sondern arbeitet heraus, dass Sara und Rebekka selbst in diesen gefährlichen Situationen zentrale, wenn auch oft marginalisierte Akteurinnen bleiben.
Tamar wird als eine Frau analysiert, die sich hartnäckig für ihr Recht auf Nachkommenschaft einsetzt. Sie wandelt sich in der Erzählung vom passiven Opfer der patriarchalen Verfügungsgewalt Judas zum handelnden Subjekt, das durch List und Zielstrebigkeit ihren Platz in der Verheißungslinie sichert.
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