Diplomarbeit, 2004
122 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Die Anstaltserziehung im 19. Jahrhundert
1.1 Die Nachgehende Fürsorge im Rettungshaus von Johann Hinrich Wichern
1.2 Die Entwicklung rechtlicher Grundlagen der Fürsorgeerziehung
2. Entwicklungslinien des Betreuten Wohnens im Kontext von Kritik und Reformen der Heimerziehung des 20. Jahrhunderts
2.1 Die Fürsorgeerziehung in der Weimarer Republik
2.2 Das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt (RJWG) 1922/24
2.2.1 Die Fürsorgeerziehung im RJWG
2.2.2 Die Schutzaufsicht im RJWG
2.2.2.1 Die Schutzaufsicht in Niedersachsen
2.2.2.2 Ergebnisse einer Studie über die Schutzaufsicht
2.3 Die Fürsorgeerziehung im Nationalsozialismus
2.4 Die Entwicklung in der Heimerziehung nach 1945
2.5 Zwischenfazit
2.6 Das Gesetz für Jugendwohlfahrt (JWG) 1961
2.6.1 Die Heimerziehung und die Nachbetreuung im JWG
2.6.2 Die Schutzaufsicht im JWG
2.7 Die Heimkampagne und ihre Auswirkungen auf die Heimerziehung
2.7.1 Die Kritik an der Totalen Institution Heim
2.7.2 Der Zwischenbericht der Kommission Heimerziehung
2.7.3 Die Nachbetreuungs- und Verselbstständigungsdiskussion
2.7.3.1 Ergebnisse einer Studie zur psychosozialen Situation Heimentlassener volljähriger Frauen und Männer
2.7.3.2 Die Anerkennung des Betreuten Wohnens durch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und überörtlichen Erziehungsbehörden (BAGLJÄ)
2.7.4 Der achte Kinder- und Jugendbericht und zusammenfassender Wandel in der Heimerziehung
2.8 Zwischenfazit
3. Der gesellschaftliche Wandel
3.1 Strukturwandel der Jugendphase
3.2 Der Übergang vom Jugend- zum frühen Erwachsenenalter
3.3 Das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) 1990/91
3.3.1 Die Ziele und die Grundorientierung der öffentlichen Jugendhilfe im SGB VIII
3.3.2 Der Hilfeplan
3.3.3 Die rechtlichen Grundlagen des Betreuten Wohnens als Angebot der Heimerziehung im SGB VIII
4. Betreutes Wohnen als Form der Heimerziehung im 21. Jahrhundert
4.1 Die Definition des Betreuten Wohnens
4.2 Die Ziele des Betreuten Wohnens
4.3 Die Zielgruppen des Betreuten Wohnens
4.4 Die Aufgaben der Betreuung im Betreuten Wohnen
4.5 Betreuungsumfang und Betreuungsdauer
4.6 Die Mitarbeiterinnen im Betreuten Wohnen
4.7 Die Finanzierung des Betreuten Wohnens
4.8 Die Methoden im Betreuten Wohnen
4.8.1 Das Konzept der Lebensweltorientierung
4.8.2 Die Stellvertretende Deutung
4.8.3 Das Empowerment
4.8.4 Die Soziale Einzelhilfe
4.8.5 Die Methode des Sich-am-Jugendlichen-orientieren
4.9 Die statistische Entwicklung des Betreuten Wohnens
4.10 Die Forschungsergebnisse zum Betreuten Wohnen
5. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Betreuten Wohnens als spezifische Form der Heimerziehung, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Entwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen liegt. Ziel ist es, die Ursachen für die Einführung, Institutionalisierung und Professionalisierung dieser Hilfeform zu rekonstruieren und die heutigen Rahmenbedingungen kritisch zu reflektieren.
Die Nachgehende Fürsorge im Rettungshaus von Johann Hinrich Wichern
Die Leitidee der Rettungshäuser war der Gedanke, das einzelne Kind als erziehungsbedürftig anzusehen, dahinter stand u. a. der Gedanke, mit gezielten Erziehungsmaßnahmen die Folgen der Armut zu korrigieren. Von zentraler Bedeutung für die Rettungshausbewegung war der Theologe Johann Hinrich Wichern (1808-1881). Wichern gründete 1833 das auch heute noch bestehende Rauhe Haus in Hamburg. Wicherns Ziel war es, verwahrloste Kinder und Jugendliche aus ihrem verderbten Milieu herauszuholen und sie in den familienanalogen Gruppen des Rauhen Hauses zu nützlichen, produktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen. Zu Wicherns Erziehungsprinzipien gehörte vor allem die Freiwilligkeit – er nahm Kinder nur auf Antrag der Eltern auf.
Da die Unterbringung in einem Rettungshaus die Kinder und Jugendlichen aus dem gesellschaftlichen Leben herausnahm und ihnen in mancher Beziehung ein anderes, vor allem geschützteres Leben bot, wurden ihnen jedoch auch Erfahrungen im gesellschaftlichen Kontext vorenthalten. Dieser Mangel, so WICHERN, konnte in der Anstalt selbst nicht ausgeglichen werden, sondern nur in der Realität der Gesellschaft, jedoch weiter mit dem Schutz des Rauhen Hauses. Denn eine plötzliche und vollständige Selbstständigkeit, wie sie im gesellschaftlichen Leben gefordert war, musste diese Jugendlichen durch den Bruch des Auszuges aus dem Rettungshaus aufgrund ihres Mangels an Erfahrungen in der Gesellschaft überfordern. (LINDEMEIER, 1998: 269) So stellte WICHERN im Jahr 1846 fest:
„Es ist gewiß eine schwierige Aufgabe, das dem öffentlichen Leben entnommene Kind so zu bilden, dass ihm bei seinem späteren Eintritt in dasselbe die vollständige Unkunde aller Verhältnisse nicht zum Fallstrick werde.“ (WICHERN, 1846: 173)
Vor diesem Hintergrund dehnte Wichern die Fürsorge für die Jugendlichen auf die Zeit nach ihrer Entlassung aus und entwickelte die Nachgehende Fürsorge, mit dem Ziel, den jungen Menschen ein allmähliches Hineinwachsen in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und die Erziehungserfolge möglichst langfristig zu sichern.
1. Die Anstaltserziehung im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel zeichnet die Ursprünge der Heimerziehung in den Waisenhäusern und Rettungshäusern nach und beleuchtet die frühen rechtlichen Bestimmungen im Deutschen Kaiserreich.
2. Entwicklungslinien des Betreuten Wohnens im Kontext von Kritik und Reformen der Heimerziehung des 20. Jahrhunderts: Hier wird der Weg von der Fürsorgeerziehung in der Weimarer Republik über die NS-Zeit bis hin zur Heimkampagne und den Anfängen des Betreuten Wohnens in den 1970er Jahren dargestellt.
3. Der gesellschaftliche Wandel: Dieses Kapitel analysiert soziologische Aspekte wie den Strukturwandel der Jugendphase und die Auswirkungen auf junge Erwachsene, die eine notwendige Grundlage für das moderne Verständnis von Hilfen zur Erziehung bilden.
4. Betreutes Wohnen als Form der Heimerziehung im 21. Jahrhundert: Im Hauptteil werden Definition, Ziele, Zielgruppen sowie die Methoden und der rechtliche Rahmen im SGB VIII detailliert erläutert.
5. Schlussbemerkung: Dieses Kapitel resümiert die wesentlichen historischen Entwicklungslinien und stellt die Ergebnisse kritisch zur aktuellen Situation des Staates im Umgang mit heimentlassenen jungen Erwachsenen.
Heimerziehung, Betreutes Wohnen, Jugendwohlfahrt, Fürsorgeerziehung, SGB VIII, Jugendhilfe, Nachbetreuung, Sozialisation, Lebensweltorientierung, Empowerment, Hilfeplan, Professionalisierung, Jugendphase, Strukturwandel, Autonomie.
Die Diplomarbeit analysiert die historische Entstehung und die rechtliche sowie methodische Ausdifferenzierung des Betreuten Wohnens als eine spezifische Form der Heimerziehung in Deutschland.
Die zentralen Felder sind die Geschichte der Anstaltserziehung, der Wandel der Jugendhilfe-Gesetzgebung (RJWG, JWG, SGB VIII), soziologische Modernisierungsprozesse und die methodische Arbeit im Betreuten Wohnen.
Das primäre Ziel ist es, die historische Kontinuität und den Wandel der Nachbetreuung von ehemals Heimerzogenen zu verstehen und die heutige Ausgestaltung des Betreuten Wohnens wissenschaftlich einzuordnen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, historischen Rekonstruktionen sowie der Auswertung von Fachstudien zur Heimerziehung und deren rechtlichen sowie psychosozialen Auswirkungen.
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Entwicklungslinien des 20. Jahrhunderts, den gesellschaftlichen Wandel und eine detaillierte Beschreibung des Betreuten Wohnens im SGB VIII inklusive seiner spezifischen Methoden wie dem Empowerment und der Lebensweltorientierung.
Zu den prägenden Begriffen zählen: Heimerziehung, Betreutes Wohnen, Nachbetreuung, SGB VIII, Jugendhilfe, Empowerment und Lebensweltorientierung.
Von einer anfangs repressiven, auf Disziplinierung und Kontrolle ausgerichteten Nachbetreuung im RJWG entwickelte sich das Angebot hin zu einer unterstützenden, lebensweltorientierten Hilfe zur Selbstständigkeit im SGB VIII.
Diese Unterscheidung ist zentral, da die institutionelle Heimerziehung oft als „totale Institution“ kritisiert wurde, während ambulante Formen wie das Betreute Wohnen darauf abzielen, eine passgenaue, individuelle Verselbstständigung im eigenen Lebensumfeld zu ermöglichen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

