Bachelorarbeit, 2009
42 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Der garstige Graben der Geschichte
3. Wunder aus theologischer Perspektive
3.1 Zur Terminologie der 'Zeichentaten' Jesu im Neuen Testament
3.2 Überlieferungsgeschichtliche Gesetzmäßigkeiten
3.3 Formale Aspekte neutestamentlicher Wundergeschichten
3.4 Der hermeneutische Wandel und das Wirklichkeitsverständnis von Wundergeschichten
4. Ein Grundriss soziokultureller und anthropogener Voraussetzungen von Schülern der Grundschule
4.1 Die religiöse Sozialisation des Kindes
4.2 Einblicke in kognitive und religiöse Entwicklungstheorien
4.2.1 Die kognitionspsychologische Entwicklung nach Jean Piaget
4.2.2 Die Entwicklung der religiösen Urteilsbildung nach Fritz Oser und Paul Gmünder
4.2.3 Die Stufentheorie der Glaubensentwicklung von James W. Fowler
4.2.4 Kritische Anmerkungen
4.3 Die Kindertheologie - Theologisieren mit Kindern
5. Ein Für und Wider im Gebrauch von Wundergeschichten im Primarbereich
6. Die Bedeutung von Wundergeschichten im Grundschulalter
6.1 Im Sinne von Hoffnungsgeschichten
6.2 Begrenzungsüberwindungen - Wundergeschichten vs. säkulare Heilsmythen
6.3 Wunder als Überlieferung des Glaubens
7. Didaktische Überlegungen zur Vermittlung der Zeichentaten Jesu innerhalb der Grundschulzeit
8. Wundergeschichten im sächsischen Lehrplan der Grundschule
9. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische und theologische Relevanz von Wundergeschichten im Religionsunterricht der Grundschule. Angesichts einer modernen, rational geprägten Welt, in der Kinder dennoch mit persönlichen Krisen und Ängsten konfrontiert sind, wird erforscht, inwieweit diese Erzählungen als hoffnungsstiftende Lebenshilfen dienen können, ohne dabei ein vorwissenschaftliches, naives Wunderverständnis zu zementieren.
3.3 Formale Aspekte neutestamentlicher Wundergeschichten
Innerhalb der Forschung existiert ein breites Spektrum an gattungsspezifischen Einordnungen neutestamentlicher Wundergeschichten. Pionierarbeit auf diesem Gebiet leisteten RUDOLF BULTMANN und MARTIN DIBELIUS. Wobei BULTMANN grob zwischen Heilungs- und Naturwundern unterschied und DIBELIUS die Einordnung zwischen Paradigmen und Novellen vornahm.32
Ich möchte mich im weiteren Verlauf auf die allgemein anerkannte Formbestimmung durch GERD THEIßEN stützen. Er konnte durch präzise Analyse der Themen und Motive eine kristallisierte Strukturmatrix entwickeln, die alle Gesichtspunkte beinhaltet. Hierbei geht er auf das Inventar der Themen, ihre Komposition und ihr gehaltreiches Feld ein. In diesem Rahmen untergliedert er das Feld der Themen wiederum in die auftretenden Personenkonstellationen (Dämon, Kranker, Wundertäter, Jünger, Menge und Gegner), die Objektbereiche (personenorientiert bzw. sachorientiert), die Perspektiven (dämonische, menschliche und göttliche) und die Grenzüberschreitungen als zentrales Thema der Wundergeschichten, in Bedrohung/Unterwerfung, Mangel/Schenken von Kraft bzw. Gaben und Verschlossenheit/Offenbarung.33 „Das formgeschichtliche Feld der Wunderthemen und -motive zeigt uns Ausschnitte aus der Struktur einer vergangenen, mythischen Sinnwelt, die eine erstaunliche Logik aufweist. Ihre literarischen Formen sind geronnene Akte, in denen die Wirklichkeit geordnet und gedeutet wird.“34
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Verstehenskonflikt von Kindern zwischen rationaler Alltagswelt und biblischen Wundererzählungen.
2. Der garstige Graben der Geschichte: Es wird die Differenz zwischen dem antiken, in ein göttliches Weltbild eingebetteten Wunderverständnis und der modernen, naturwissenschaftlich geprägten Sichtweise dargelegt.
3. Wunder aus theologischer Perspektive: Das Kapitel analysiert die neutestamentliche Terminologie sowie die formgeschichtlichen und hermeneutischen Aspekte der Wunderüberlieferungen.
4. Ein Grundriss soziokultureller und anthropogener Voraussetzungen von Schülern der Grundschule: Hier werden entwicklungspsychologische Stufenmodelle (Piaget, Fowler, Oser/Gmünder) auf ihre Bedeutung für das kindliche Glaubensverständnis hin untersucht.
5. Ein Für und Wider im Gebrauch von Wundergeschichten im Primarbereich: Diese Sektion zeichnet die religionspädagogische Kontroverse nach, ob und ab welchem Alter biblische Wundergeschichten sinnvoll thematisiert werden sollten.
6. Die Bedeutung von Wundergeschichten im Grundschulalter: Es wird erörtert, wie Wunder als Hoffnungsgeschichten und Mittel zur Begrenzungsüberwindung zur Bewältigung kindlicher Lebenserfahrungen beitragen können.
7. Didaktische Überlegungen zur Vermittlung der Zeichentaten Jesu innerhalb der Grundschulzeit: Der Autor skizziert methodische Ansätze, um Kinder als religiöse Subjekte ernst zu nehmen und ein metaphorisches Bibelverständnis anzubahnen.
8. Wundergeschichten im sächsischen Lehrplan der Grundschule: Abschließend erfolgt eine Überprüfung der unterrichtspraktischen Einbettung der Thematik in den sächsischen Lehrplan für Evangelische Religion.
9. Ausblick: Der Autor bekräftigt die Notwendigkeit, Wundergeschichten als existenzielle Chance zu begreifen, insbesondere im Umgang mit Leid und der Theodizee-Frage.
Wundergeschichten, Religionsunterricht, Grundschule, Jesus von Nazareth, Kindertheologie, Zeichentaten, Glaubensentwicklung, Hoffnung, Lebenswelt, Hermeneutik, Religionspädagogik, biblische Didaktik, symbolisches Verständnis, Elementarisierung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen und theologischen Herausforderung, wie biblische Wundergeschichten im Religionsunterricht der Grundschule vermittelt werden können, um Kindern in ihrer Lebenswelt und religiösen Entwicklung gerecht zu werden.
Zentrale Felder sind die historische Exegese, die Entwicklungspsychologie religiöser Urteilsbildung bei Kindern, die religionspädagogische Debatte über den Einsatz dieser Texte sowie die Analyse aktueller Lehrpläne.
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Schüler der Grundschule an Wundergeschichten partizipieren können, ohne in eine Überforderung oder eine naive, vorwissenschaftliche Sichtweise zu verfallen, und dabei deren hoffnungsstiftendes Potenzial zu erschließen.
Der Autor stützt sich auf eine Analyse religionspädagogischer und theologischer Literatur sowie auf die Auswertung aktueller Lehrpläne für das Fach Evangelische Religion.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Begründung, eine psychologische Fundierung durch Stufenmodelle, die kontroverse Fachdiskussion und eine didaktische Konkretisierung durch verschiedene methodische Ansätze.
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie "Kindertheologie", "Hoffnungsgeschichten", "elementare Zugänge" und "religiöse Sozialisation" charakterisiert.
Während in der Antike Wunder als natürlicher Einbruch des Göttlichen in das Weltbild integriert waren, werden sie heute durch die moderne Naturwissenschaft als Störung der bekannten Naturordnung wahrgenommen, was zu einem Entstehen von Verständnisproblemen führt.
Dieser Begriff verweist auf die zeitliche und weltbildliche Distanz zwischen dem Wirken Jesu und der heutigen rationalen Perspektive, die das Verständnis für die ursprüngliche Aussageabsicht der biblischen Texte erschwert.
Der Autor sieht darin den Maßstab eines modernen Unterrichts, da Kinder nicht als "unfertige" Empfänger, sondern als religiöse Subjekte mit eigenen Vorstellungen ernst genommen werden sollen.
Wundergeschichten können, wenn sie richtig vermittelt werden, Kindern als Modell dienen, ihr eigenes Leid (z.B. Verlust) vor Gott zu bringen und durch die biblischen Zeugnisse Trost und Perspektiven zur Bewältigung der Trauer zu finden.
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