Magisterarbeit, 2014
94 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Traumwirklichkeiten als Genremerkmal
1.1 TRÄUMEN UND SCHREIBEN
1.2 KEHLMANNS GEBROCHENER REALISMUS
2. Gesteuerte Träume – Beerholms Vorstellung (1997)
2.1 SEMANTISCHE VERKNÜPFUNGEN DES WORTFELDES TRAUM
2.1.1 Geträumtes Leben
2.1.2 Der Traum als Quelle der Unsicherheit
2.2 MARKIERUNGEN DES TRAUMZUSTANDS
2.2.1 Semantische Markierungen
2.2.2 Komische Markierungen
2.3 BEERHOLMS RINGEN UM WIRKLICHKEIT
2.3.1 Vernunft
2.3.2 Anstrengung und Willenskraft
2.4 UNGEWISSHEIT ALS EINZIGE GEWISSHEIT
3. Antithetische Differenzen – Bankraub (1998)
3.1 SEMANTISCHE MARKIERUNGEN VON WIRKLICHKEIT
3.1.1 Das Gegensatzpaar Literatur und Arbeit
3.1.2 Transfer
3.2 WIRKLICHKEITSKONSTRUKTIONEN
3.3 SEMANTISCHE MARKIERUNGEN DER TRAUMSPHÄRE
4. Mahlers Traum – Mahlers Zeit (1999)
4.1 HALBSCHLAF ALS ZWISCHENFORM
4.1.1 Das Leben ein Traum – Der Traum eine Zeitmaschine?
4.1.2 Gedankenfluchten in Tagträumereien
4.2 DAS KOHÄRENZKRITERIUM
4.3 DER PROPHETISCHE TRAUM
4.4 DER TRAUM ALS SUBJEKT
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Traum und Wirklichkeit im Frühwerk von Daniel Kehlmann. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie die Grenze zwischen diesen beiden Zuständen narrativ durchlässig gestaltet wird und inwiefern dies eine zentrale postmoderne Ästhetik des Autors darstellt.
2. Gesteuerte Träume – Beerholms Vorstellung (1997)
In seinem Aufsatz Der Dichter und das Phantasieren bezeichnet Freud diejenigen Dichter, „die ihre Stoffe frei zu schaffen scheinen“, als „Träumer am hellichten Tag“ und vergleicht ihre „Schöpfungen mit Tagträumen.“ Auch wenn man dieser Deutung Freuds nicht zustimmt, lässt sich konstatieren, dass sich diese Doppelrolle in potenzierter Form in der Figur des Beerholm wiederfindet: So ist Arthur Beerholm in erster Instanz eine vom eigentlichen Autor eingesetzte Autorfigur, da Beerholm seine Lebensgeschichte zu Papier bringt. Gleichzeitig fungiert er als homodiegetischer Erzähler, der die Binnenhandlung aus seiner Perspektive berichtet. Überdies ist Beerholm aber auch ein träumender Erzähler, denn der eigentliche Plot beginnt erst von dem Moment an, an dem er berichtet, wie er sich am Abend vor seiner Abiturprüfung mit Fantasien von seiner Studienzeit abzulenken versucht und dabei vom Schlaf überschwemmt wird.
Da die Orte und Figuren, die er sich beim Einschlafen vorstellt, von nun an tragende Rollen in seinem Werdegang spielen, ist anzunehmen, dass der Leser einer langen Traumerzählung Beerholms folgt – nur scheinen Ursache und Wirkung der Geschehnisse im Laufe der Handlung ihre Seiten zu wechseln, denn paradoxerweise ist die Wachwirklichkeit des Protagonisten bereits in der Rahmenhandlung vom Traum eingeholt worden, da diese die Ausgangssituation des rückblickend erzählenden Beerholms konstituiert.
1. Traumwirklichkeiten als Genremerkmal: Dieses Kapitel verortet das Traummotiv in der Literaturgeschichte und führt in Kehlmanns spezifische Ausgestaltung des "Gebrochenen Realismus" ein.
2. Gesteuerte Träume – Beerholms Vorstellung (1997): Die Analyse zeigt, wie Beerholm durch aktive Traumgestaltung seine Wirklichkeit manipuliert und warum der Leser zwischen Fiktion und Realität im Unklaren gelassen wird.
3. Antithetische Differenzen – Bankraub (1998): Hier wird untersucht, wie die Kurzgeschichte den Kontrast zwischen der monotonen Alltagswirklichkeit und der durch literarische Einflüsse initiierten Traumsphäre semantisch konstruiert.
4. Mahlers Traum – Mahlers Zeit (1999): Dieses Kapitel beleuchtet, wie der Protagonist durch seine wissenschaftliche Arbeit und psychische Disposition Zeitstrukturen im Schlaf aufhebt und das Träumen zu einer bedrohlichen, eigenständigen Kraft wird.
Traum, Wirklichkeit, Daniel Kehlmann, Beerholms Vorstellung, Bankraub, Mahlers Zeit, Postmoderne, Gebrochener Realismus, Erzählstruktur, Identität, Imagination, Wahrnehmung, Schopenhauer, Fiktion, Metalepse
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktion von Traum und Wirklichkeit im frühen erzählerischen Werk von Daniel Kehlmann.
Im Zentrum stehen die Verschränkung von Realität und Fiktion, der Umgang mit Wahrnehmung sowie die Rolle des Erzählens als Konstruktionsakt.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kehlmann durch die Durchlässigkeit der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit eine spezifische Ästhetik schafft, die den Leser permanent in einem Zustand der Ungewissheit belässt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textnahe Interpretationen mit poetologischen und philosophischen Bezügen (z. B. zu Schopenhauer oder Platon) verknüpft.
Der Hauptteil ist in drei Kapitel gegliedert, die jeweils die Werke "Beerholms Vorstellung", "Bankraub" und "Mahlers Zeit" auf ihre spezifische Traum-Wirklichkeits-Thematik hin untersuchen.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Traum, Wirklichkeit, Gebrochener Realismus, Identitätsspaltung und narrative Metalepse.
Beerholm fungiert sowohl als Protagonist, der seine Geschichte aktiv imaginiert, als auch als erzählende Instanz, die diese Traumerlebnisse schriftlich fixiert und somit Wirklichkeit konstruiert.
Der Riss markiert den Übergang zwischen Wachen und Schlafen und steht symbolisch für die psychische Spaltung des Protagonisten sowie für das Eindringen traumatischer Kindheitserinnerungen in die Realität.
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