Bachelorarbeit, 2014
57 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Hydraulic Fracturing
2.1 Das technologische Verfahren
2.2 Kosten und Nutzen von Fracking
2.2.1 Nutzen für die Volkswirtschaft
2.2.2 Kosten für die Volkswirtschaft
3. Die USA als Vorläufer der Förderung von unkonventionellem Erdgas und Erdöl
4. Die Option des Wartens
5. Von der Investitionstheorie zum Realoptionsmodell
5.1. Investitionstheorie
5.2. Optionspreismodelle
5.2.1. Die Bewertung von Optionen
5.3. Das Realoptionsmodell
6. Bewertung von Facking-Projekten im Realoptionsmodell
6.1. Das Investitionsmodell ohne Realoptionen
6.2. Die Realoption auf Aufschub
6.3. Sequentielle Realoptionen
6.4. Aufgabeoption des Projektes
7. Die Übertragung des Modells in die volkswirtschaftliche Perspektive
8. Schlussfolgerung
Die Arbeit analysiert die volkswirtschaftlichen Kosten und Nutzen der Einführung der Fracking-Technologie in Deutschland. Dabei wird untersucht, welchen Wert die "Option des Wartens" sowie weitere flexible Handlungsspielräume – modelliert durch den Ansatz der Realoptionen – bieten, um mit den Unsicherheiten und ökologischen Risiken der unkonventionellen Erdgas- und Erdölförderung umzugehen.
2.1 Das technologische Verfahren
Die Technik des Frackings selber ist relativ alt. Infolge technologischer Verbesserungen, die das Verfahren wirtschaftlich rentabler machten und vorangetrieben durch die Zunahme der internationalen Gas-und Ölpreise gelang Fracking Ende der 90er Jahre der kommerzielle Durchbruch.
Bis dahin wurde Erdgas und Erdöl nur auf konventionelle Weise aus Reservoiren gefördert, in denen Gas in hochporösen und hochdurchlässigen Sandsteinformationen gespeichert ist. Letzteres stellt jedoch nur einen Bruchteil der in der Erdkruste eingeschlossenen Vorräte dar. Denn in tiefen, dichten Gesteinsschichten (genauer in Permafrostböden und Tonschichten tausenden von Metern tief unter der Erde) liegen noch ungenutzte Lagerstätten. In diesen findet man Schiefergas (auch Shale Gas genannt), welches durch den Zerfall von Mikroorganismen im Segmentgestein eingeschlossen wurde und Tight Gas, bei dem dichte Sand- und Kalksteinformationen Gas gespeichert haben. Nach Schätzungen der IEA (International Energy Agency) befinden sich weltweit 921 Billionen Kubikmeter im Untergrund, was fünfmal so viel wie konventionelle Reservoirs sei.
Beim Fracking werden zunächst vertikale Bohrungen vorgenommen, die durch die grundwasserführenden Schichten zu dem gashaltigen Gestein in bis zu zwei oder drei Kilometern Tiefe reichen. Beim so genannten „kick off-point“ oder „Frac-Initiierungspunkt“, nach dem Eindringen in das Schiefergestein, beginnt die horizontale Bohrung. Wenn diese abgeschlossen ist, wird die Bohrführung von außen durch Beton und Stahl verschalt. So entsteht ein Rohr, in das ein Perforator eingeführt wird, der kleine Löcher entlang der Horizontalen sprengt. Dann wird unter enorm hohem Druck ein Fracfluid, also ein Gemisch aus Wasser, Quarzkügelchen (Sand) und vielen Chemikalien eingepresst. Der durch die Flüssigkeit erzeugte Druck muss die geringste im Gestein anliegende Spannung überschreiten, so dass Risse im Gestein entstehen. Danach wird der größte Teil des Fracfluids an die Oberfläche zurückgefördert. Der verbleibende Sand verhindert, dass sich die feinen Risse im Gestein nach Druckabnahme wieder verschließen. Nun kann das freigesetzte Gas über das Rohr an die Oberfläche befördert werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation der Arbeit dar, die gesamtwirtschaftlichen Vor- und Nachteile von Fracking in Deutschland unter Unsicherheit zu analysieren.
2. Hydraulic Fracturing: Das Kapitel beschreibt das technische Verfahren des Frackings sowie die ökonomischen Nutzen und Kosten für die Volkswirtschaft, wobei insbesondere negative Externalitäten wie Grundwasserverschmutzung hervorgehoben werden.
3. Die USA als Vorläufer der Förderung von unkonventionellem Erdgas und Erdöl: Es wird die Entwicklung der Schiefergasförderung in den USA seit 2005 und deren Auswirkungen auf die Energiepreise und die Re-Industrialisierung analysiert.
4. Die Option des Wartens: Dieses Kapitel motiviert, warum bei hoher Unsicherheit und ökologischen Risiken das Verschieben der Ressourcenextraktion eine wertvolle strategische Option darstellen kann.
5. Von der Investitionstheorie zum Realoptionsmodell: Hier werden die Grundlagen der Kapitalwertmethode kritisch betrachtet und das Konzept der Finanzoptionen als Basis für die Realoptionstheorie eingeführt.
6. Bewertung von Facking-Projekten im Realoptionsmodell: Das Kapitel bietet eine detaillierte Beispielrechnung, die aufzeigt, wie verschiedene Realoptionen (Aufschub, sequenzielle Investition, Aufgabe) den Wert eines Projektes unter volatilen Bedingungen beeinflussen.
7. Die Übertragung des Modells in die volkswirtschaftliche Perspektive: Das im Unternehmenskontext entwickelte Modell wird hier auf die volkswirtschaftliche Entscheidungsebene übertragen, um den Wert von Informationszuwachs zu diskutieren.
8. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine voreilige Einführung von Fracking aufgrund hoher Unsicherheiten vermieden werden sollte und ein abwartender, evidenzbasierter Ansatz effizienter ist.
Fracking, Hydraulic Fracturing, Realoptionen, Investitionsrechnung, Unkonventionelle Erdgasförderung, Schiefergas, Optionspreismodell, Kosten-Nutzen-Analyse, Externe Effekte, Flexibilität, Risiko, Rohstoffmärkte, Energiepolitik, Investitionsentscheidung, Deutschland
Die Arbeit betrachtet die mögliche Einführung von Fracking in Deutschland unter einer volkswirtschaftlichen Perspektive und nutzt das Realoptionsmodell, um Entscheidungen unter Unsicherheit zu bewerten.
Die zentralen Themenfelder sind die ökonomische Analyse der Fracking-Technologie, die Bewertung von Handlungsflexibilität in Investitionsprojekten sowie die Berücksichtigung von negativen Umweltfolgen und Unsicherheiten.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Unternehmen und Volkswirtschaften durch das Einräumen von Handlungsspielräumen (Realoptionen) besser mit den mit Fracking verbundenen Risiken umgehen können, anstatt voreilige, irreversible Entscheidungen zu treffen.
Die Arbeit verwendet das Realoptionsmodell, das auf Finanzoptionspreismodellen (insbesondere dem Binomialmodell) basiert, um den Wert von Flexibilität, wie z.B. Aufschub oder sequenzielles Vorgehen, mathematisch zu quantifizieren.
Der Hauptteil umfasst eine technische Einführung in Fracking, eine Fallstudie zum US-Markt, eine theoretische Herleitung von Optionsmodellen und eine konkrete, beispielhafte Kalkulation von Fracking-Projekten mit verschiedenen Realoptionen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fracking, Realoptionen, Investitionsrechnung, externe Effekte und Flexibilität charakterisiert.
In der durchgeführten Modellrechnung für ein beispielhaftes Fracking-Projekt beträgt der Wert der Aufschuboption etwa 86,5 Millionen US-Dollar, was die Bedeutung von Flexibilität bei der Investitionsentscheidung unterstreicht.
Bei der sequentiellen Realoption wird das Projekt in mehrere Stufen unterteilt, wobei der Entscheidungsträger nach jeder Stufe (z.B. nach einem Jahr) erneut auf Basis neuer Informationen entscheiden kann, ob das Projekt fortgesetzt oder abgebrochen werden soll.
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