Diplomarbeit, 2005
104 Seiten, Note: 1,0
0 EINLEITUNG
I VORÜBERLEGUNGEN
1. Diagnostik und Deskription der Alkoholkrankheit
1.1 Die fünf Typen des Alkoholismus nach Jellinek
1.2 Die Phasen des Alkoholismus nach Jellinek
2. Alkoholismus als multifaktorieller Prozess
2.1 Individuelle Faktoren
2.2 Alkoholismus und Familie
3. Alkohol und Gesellschaft
3.1 Epidemiologie
3.2 Alkoholpolitik in Deutschland
3.3 Alkoholpolitik in den USA
3.4 Alkopops – der neue Einstieg zum Alkoholkonsum im Jugendalter
II VERSORGUNGSSTRUKTUREN
1. Therapeutische Versorgung von Alkoholikern
1.1 Traditionelle Suchtkrankenhilfe
1.2 Psychosoziale/psychiatrische Basisversorgung
1.3 Medizinische Primärversorgung
1.4 Behandlungsrealität
2. Behandlungsergebnisse
2.1 Prävention
2.2 Rückfall und Rückfallprophylaxe
2.3 Genesungsverlauf
3. Ressourcennutzung
3.1 Motivierung
3.2 Selbsthilfegruppen-Bewegung
III SUCHT UND SELBSTHILFE
1. Alkoholiker-Selbsthilfegruppen
1.1 Geschichte
1.2 Bedeutung
2. Anonyme Alkoholiker (AA)
2.1 Entstehung der AA
2.2 AA-Gruppen in Deutschland
2.3 Persönliche Genesung (12 Schritte)
2.4 Genesung durch die Gruppe (12 Traditionen)
2.5 Genesungsverlauf
IV EMPIRISCHE ERHEBUNG
1. Ausarbeitung der Fragestellung
1.1 Willensstärke versus Kapitulation
1.2 Kontrolliertes Trinken versus Abstinenz
1.3 Heilung versus Stillstand der Sucht
1.4 Expertenwissen versus Spiritualität
1.5 Kernfragen
2. Befragung
2.1 Qualitatives Interview (Leitfadeninterview)
2.1.1 Vorgehen im Interview
2.1.2 Interviewteilnehmer
2.2 Thesen
2.3 Ergebnis der Befragung
2.4 Auswertung des Interviews
2.4.1 These 1: Willensstärke versus Kapitulation
2.4.2 These 2: Kontrolliertes Trinken versus Abstinenz
2.4.3 These 3: Heilung versus Stillstand der Sucht
2.4.4 These 4: Expertenwissen versus Spiritualität
2.5 Stellungnahme
2.6 Fazit
V SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Wirksamkeit von Selbsthilfegruppen, insbesondere der Anonymen Alkoholiker (AA), bei der Genesung von Alkoholabhängigkeit. Das primäre Ziel ist es, den Genesungsprozess innerhalb der AA-Gemeinschaft zu analysieren und ihn mit dem professionellen Suchtkrankenhilfesystem in Deutschland zu vergleichen, um Potenziale für eine verbesserte Zusammenarbeit und Versorgung zu identifizieren.
3.1 Motivierung
Von welchen Grundüberlegungen zur Motivierung kann bei der Behandlung von Alkoholikern ausgegangen werden? Kernpunkt bei der Entwicklung der Behandlungs-, Veränderungs- und Abstinenzmotivation der Alkoholiker ist, dass es sich bei Alkoholismus um einen krisenhaften, fortschreitenden Prozess handelt. Kein Alkoholiker ist wie der andere, es gibt unzählige Wege in die Sucht hinein und ebenso viele wieder heraus. Das bedeutet für die professionellen Helfer, dass sie unterschiedlich auf die Alkoholiker einzugehen haben. Der Betroffene wird im Verlauf seiner Alkoholabhängigkeit mit den zunehmenden negativen Folgen seines exzessiven Trinkverhaltens konfrontiert. Eine mögliche differenzierte Motivierung könnte sich entlang des Krankheitsverlaufs mit folgenden Phasen bewegen:
• Krankheitsverleugnung
• Suche nach Hilfe
• Krankheitsakzeptierung
• erste Veränderung
• Reintegration in den Alltag (vgl. auch 2.3).
In der Phase der Krankheitsverleugnung und dem Umgang mit der Kränkung durch das Stigma "Säufer" wäre ein rücksichtsvoller, interessierter Umgang mit dem Alkoholiker von Vorteil. Hinweise für einen solchen Umgang erhielt man bei Patienten, die wegen alkoholbezogener Komplikationen eine Notfallambulanz in einem Allgemeinkrankenhaus aufsuchten. Mit dem intensiven Einsatz von Sozialarbeitern in der Ambulanz konnte die Quote derer, die nach der Alkoholbehandlung eine spezifische Suchtberatungsstelle aufsuchten, von 1% auf 65% gesteigert werden (Wienberg 1992, S. 173).
0 EINLEITUNG: Die Autorin legt die hohe gesellschaftliche Relevanz des Alkoholproblems in Deutschland dar und beschreibt ihr Interesse an den Arbeitsweisen der Anonymen Alkoholiker zur Genesung.
I VORÜBERLEGUNGEN: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Alkoholkrankheit durch Definitionen, Typologien nach Jellinek und die Betrachtung der Auswirkungen auf Familie und Gesellschaft.
II VERSORGUNGSSTRUKTUREN: Dieses Kapitel analysiert das professionelle Hilfesystem in Deutschland und zeigt Defizite in der Kooperation zwischen medizinischen und psychosozialen Sektoren auf.
III SUCHT UND SELBSTHILFE: Hier werden die Geschichte und Bedeutung der Selbsthilfegruppen-Bewegung beleuchtet sowie das spezifische Genesungsprogramm der Anonymen Alkoholiker eingeführt.
IV EMPIRISCHE ERHEBUNG: Der empirische Teil prüft anhand von Expertenmodellen und qualitativen Interviews mit AA-Mitgliedern zentrale Thesen zum Suchtausstieg und zur Bedeutung von Kapitulation und Spiritualität.
V SCHLUSSBETRACHTUNG: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Autorin plädiert für ein neues Verständnis in der Sozialarbeit, das ressourcen- und lösungsorientiert mit Selbsthilfegruppen kooperiert.
Alkoholismus, Selbsthilfegruppen, Anonyme Alkoholiker, Suchtkrankenhilfe, Genesung, Abstinenz, Kapitulation, Suchtprävention, Sozialarbeit, Co-Abhängigkeit, Spiritualität, Krankheitsverlauf, Krisenmanagement, Suchtmedizin, Ressourcenorientierung.
Die Diplomarbeit untersucht den Stellenwert von Selbsthilfegruppen, spezifisch der Anonymen Alkoholiker (AA), bei der Behandlung von Alkoholkrankheit und vergleicht diese mit den Ansätzen professioneller Institutionen.
Zu den zentralen Themen gehören die Definition der Krankheit, die Versorgungsstrukturen im Gesundheitssystem, das Modell der Suchtentwicklung und die Bedeutung von Eigenmotivation versus professioneller Unterstützung.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie professionelle Sozialarbeit von den Arbeitsweisen der Anonymen Alkoholiker profitieren kann, um die Versorgung von Alkoholikern zu verbessern.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse bestehender Versorgungsmodelle und einer qualitativen empirischen Studie, für die sechs Mitglieder der Anonymen Alkoholiker in einem halbstrukturierten Leitfadeninterview befragt wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in die deskriptive Analyse des Suchtgeschehens, den Vergleich verschiedener Versorgungsmodelle im Gesundheitswesen sowie die detaillierte empirische Auswertung der Interviews zu den AA-Prinzipien wie Kapitulation und Spiritualität.
Kernbegriffe sind Abstinenz, Kapitulation vor dem Alkohol, das 12-Schritte-Programm, der Genesungsprozess, professionelle Suchthilfe, Co-Abhängigkeit und ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit (Körper-Seele-Geist).
Die Kapitulation ist laut Anonymen Alkoholikern das Eingeständnis der Machtlosigkeit gegenüber dem Alkohol, was als unabdingbare Voraussetzung für einen erfolgreichen und nachhaltigen Ausstieg aus der Sucht definiert wird.
Spiritualität wird im 12-Schritte-Programm als "Höhere Macht" integriert, die dem Süchtigen hilft, Verantwortung abzugeben und einen spirituellen Genesungsweg zu finden, der über den reinen Verstand hinausgeht.
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