Diplomarbeit, 2009
106 Seiten, Note: 1,0
1 Grundlagen zum Spracherwerb
1.1 Begriffsdefinitionen: Kinder mit Migrationshintergrund, Mehrsprachigkeit und Spracherwerbstypen
1.2 Erkenntnisse der Hirnforschung zum Spracherwerb
1.2.1 Sprachentwicklung aus neurobiologischer Perspektive
1.2.2 Neurobiologische Unterschiede zwischen simultanem und nachzeitigem Zweitspracherwerb
1.3 Spracherwerbstheorien
1.4 Phasen des Spracherwerbs
1.4.1 Kognitive Entwicklung und Spracherwerb
1.4.2 Entwicklung von Wortbedeutungen
1.4.3 Sprachentwicklung und soziales Umfeld
1.5 Die zweisprachige Entwicklung
1.5.1 Lernersprache
1.5.2 Strategien zweisprachiger Entwicklung
1.5.3 Unterschiede zum monolingualen Spracherwerb
1.6 Zusammenfassung Kapitel 1
2 Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten – Mehrsprachigkeit, situationsorientierte Sprachförderung & interkulturelle Aspekte
2.1 Gesellschaftliche Aspekte von Mehrsprachigkeit
2.1.1 Migration und Mehrsprachigkeit in Deutschland seit den 1960er Jahren
2.1.2 Gesellschaftliche Einstellungen zur Mehrsprachigkeit
2.2 Mehrsprachigkeit in der Kindertagesstätte
2.2.1 Die Kindertagesstätte als frühkindliche Bildungsinstitution
2.2.2 Bedeutung der Erstsprache in der Kindertagesstätte – emotionale, intellektuelle und kommunikative Aspekte
2.2.3 Situationsorientierte Aspekte von Sprachförderung
2.2.4 Vom Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Kindertagesstätte
2.3 Interkulturelle Erziehung und Bildung – Umgang mit kultureller Vielfalt
2.3.1 Begriffsdefinition „Kultur“
2.3.2 Interkulturelle Aspekte in der Kindertagesstätte
2.3.3 Interkulturelle Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte
2.4 Zusammenfassung Kapitel 2
3 Sprachstandsverfahren und Sprachförderprogramme
3.1 Sprachstandsverfahren
3.1.1 Anforderungen an Sprachstandsverfahren
3.1.2 Verfahren zum Sprachstand – „Fit in Deutsch“ & „SISMIK“
3.1.3 Bewertung der Verfahren – testen vs. beobachten
3.2 Sprachförderprogramme für Kinder mit Migrationshintergrund
3.2.1 Anforderungen an Sprachförderprogramme
3.2.2 „Rucksack“
3.2.3 „KIKUS“ – Sprachförderung Deutsch & Erstsprachen im Vor- und Grundschulalter
3.2.4 „kon-lab“ – Neue Wege der sprachlichen Frühförderung von Migrantenkindern
3.2.5 Vergleich der Sprachförderprogramme – linguistischer vs. sozial-kommunikativer Schwerpunkt
3.2.6 Bedingungen und Empfehlungen für eine wirksame Sprachförderung
3.3 Zusammenfassung Kapitel 3
Die Arbeit analysiert die bestehende Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten unter linguistischen, sozialen und pädagogischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Bildungsbenachteiligungen durch gezielte, frühzeitige Sprachförderung kompensiert werden können, wobei die interdisziplinäre Bedeutung von Erst- und Zweitspracherwerb im Fokus steht.
1.2.1 Sprachentwicklung aus neurobiologischer Perspektive
Das menschliche Gehirn wiegt ca. 1,3 kg. Bei der Geburt beträgt das Gewicht des Gehirns lediglich ein Fünftel seines späteren Gewichts (vgl. Klatte 2007, S. 119).3 Dieses beachtliche Wachstum des Gehirns im Laufe der Entwicklung ist vor allem auf die Vernetzung der Neuronen untereinander zurückzuführen. Das Gehirn eines zweijährigen Kindes hat doppelt so viele Synapsen (Schaltstellen) wie das eines Erwachsenen und verbraucht doppelt so viel Energie (vgl. Butzkamm/Butzkamm 2008, S. 314).
Das Gehirn entwickelt sich bereits während der Schwangerschaft. So werden die meisten Nervenzellen in der ersten Schwangerschaftshälfte gebildet. In dieser Zeit entstehen 500.000 Nervenzellen pro Minute (vgl. Klatte 2007, S. 123). Die Nervenzellen können als Funktionsträger des Gehirns bezeichnet werden. Das menschliche Gehirn besitzt ca. 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die über Fortsätze (Dendriten und Axone) verfügen mit denen sie Kontakt untereinander, zu den Sinnesorganen oder dem Bewegungsapparat aufnehmen können (vgl. Nitsch 2007, S. 48).
Bei der Geburt ist das Gehirn aber noch weitaus unvollkommen, denn die Nervenzellen eines Neugeborenen stehen isoliert nebeneinander, sie können noch nicht miteinander kommunizieren (vgl. Klatte 2007, S. 123). Innerhalb der ersten drei Lebensjahre kommt es dann zu einem gewaltigen Wachstum von Verbindungen zwischen den Nervenzellen.
1 Grundlagen zum Spracherwerb: Dieses Kapitel erörtert die neurobiologischen, psychologischen und linguistischen Grundlagen des Erst- und Zweitspracherwerbs von Kindern, wobei auch theoretische Erklärungsmodelle vorgestellt werden.
2 Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten – Mehrsprachigkeit, situationsorientierte Sprachförderung & interkulturelle Aspekte: Hier werden soziale Bedingungen, institutionelle Rahmenbedingungen der Kitas sowie die Bedeutung der Erstsprache und interkultureller Kompetenz für die Integration behandelt.
3 Sprachstandsverfahren und Sprachförderprogramme: Der Schwerpunkt liegt auf der Vorstellung und kritischen Analyse verschiedener Verfahren zur Sprachstandserhebung sowie konkreter Sprachförderprogramme, ergänzt durch Empfehlungen für die Praxis.
Sprachförderung, Migrationshintergrund, Kindertagesstätte, Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Erstsprache, Zweitsprache, Sprachstandsverfahren, Interkulturelle Pädagogik, Bildungschancen, Integration, Hirnforschung, Sprachförderprogramme, Frühkindliche Bildung, Sprachkompetenz
Die Arbeit analysiert, wie Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert werden können, wobei linguistische, soziale und pädagogische Perspektiven interdisziplinär verknüpft werden.
Die Arbeit behandelt die Grundlagen des Spracherwerbs, institutionelle Rahmenbedingungen in Kindertagesstätten, die Rolle der Mehrsprachigkeit, Verfahren zur Sprachstandserfassung sowie verschiedene konkrete Sprachförderkonzepte.
Das primäre Ziel besteht darin, Bedingungen und Empfehlungen für eine gelingende Sprachförderung zu formulieren, die Kindern mit Migrationshintergrund bessere Bildungschancen ermöglicht.
Es handelt sich um eine darstellende Analyse bestehender Sprachförderansätze auf Basis der aktuellen Fachliteratur und unter Einbeziehung Erkenntnisse aus Linguistik, Neurobiologie, Pädagogik und interkultureller Pädagogik.
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen dargelegt, soziale Aspekte wie Mehrsprachigkeit im Kitalltag beleuchtet sowie verschiedene Sprachstandsverfahren (wie „Fit in Deutsch“ oder „SISMIK“) und Sprachförderprogramme („Rucksack“, „KIKUS“, „kon-lab“) detailliert vorgestellt und kritisch bewertet.
Zentrale Begriffe sind Sprachförderung, Migrationshintergrund, Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Interkulturelle Pädagogik und Sprachstandsverfahren.
Aus neurobiologischer Sicht gibt es sensible Phasen (insbesondere bis zum 3. oder 4. Lebensjahr), in denen das Gehirn Sprachen besonders effizient und in denselben Hirnarealen verarbeiten kann, was den frühen Kontakt zur Zweitsprache für den Lernerfolg maßgeblich macht.
Die Programme werden zwar positiv bewertet, die Autorin merkt jedoch kritisch an, dass kaum fundierte wissenschaftliche Evaluationen zur Wirksamkeit vorliegen und die Förderdauer oft zu kurz angelegt ist, um eine langfristige Bildungssprache (CALP) sicherzustellen.
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