Bachelorarbeit, 2015
52 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Blindheit und Sehbehinderung
2.1 Definition nach der International Classification of Diseases (ICD-10)
2.2 Definition im schulischen Kontext
3. Entspannung
3.1 Allgemeine Grundlagen
3.2 Entspannungsverfahren
3.3 Entspannung im Schulsport
4. Progressive Muskelrelaxation
4.1 Entstehung und Konzept
4.2 Ablauf
4.3 Wirkungsweise und Anwendungsbereiche
5. Entspannung für blinde und sehbehinderte Menschen
5.1 Körperschema und Körperbewusstsein
5.2 Spezifische Aspekte der Zielgruppe auf psychischer und physischer Ebene
5.3 Eignung von Progressiver Muskelrelaxation als Entspannungsverfahren für diese Zielgruppe
6. Konzeptionelle Umsetzung im inklusiven Sportunterricht
6.1 Didaktisch-methodische Überlegungen
6.2 Progressive Muskelrelaxation im Sportunterricht
7. Zusammenfassung und Ausblick
8. Literaturverzeichnis
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines handlungs- und erfahrungsorientierten didaktischen Konzepts, um die Progressive Muskelrelaxation (PMR) erfolgreich in den inklusiven Sportunterricht mit blinden und sehbehinderten Schülern zu integrieren. Es wird untersucht, wie Schüler ohne Sehsinn die Methode erlernen können, um eigenständig Anspannungszustände abzubauen und ihre Körperwahrnehmung zu stärken.
3.1 Allgemeine Grundlagen
Stress kann belastend sein. Sind diese Belastungen dauerhaft, können sie körperliche Veränderungen hervorrufen. Negativer Stress führt zu somatischen Symptomen aufgrund einer erhöhten Stresshormonausschüttung (Glukokortikoide und Katecholamine), die während dieser Belastungssituation die Energiebereitstellung im Körper sicherstellen. Gleichzeitig wird der Sympathikus aktiviert. Eine erhöhte Aktivierung kann auf physiologischer, affektiver, motorischer oder in kombinierter Form vorliegen (vgl. Antonovsky, 1997; Petermann & Petermann, 2000, S. 398; Schwegler und Lucius, 2011, S. 81f.).
„Ziel jeder Stressbewältigung ist es, die gestörte Selbstregulation und Selbstorganisation des Organismus wieder aufzulösen und eine physiologische Reaktion wieder herzustellen. Dies geschieht durch: 1. Stärkung der Bewältigungskompetenz, 2. Rückgewinnung der Kontrolle, 3. Rückgriff auf positive frühere Erfahrungen bei der Stressbewältigung sowie 4. Lernen und Problemlösung in kleinen Schritten“ (Fritzsche, 2003, S. 138).
Entspannungsverfahren können der Person helfen, die Auswirkungen von Belastungen zu verringern, indem die physiologische Erregung reduziert und ein autonomes Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Entspannung lässt sich, ausgehend von der professionellen Ebene, unterschiedlich definieren. Als Grundlage einer wissenschaftlichen Bestimmung wird zunächst die Definition im Dorsch – Lexikon der Psychologie herangezogen. Hier wird Entspannung als „kurzfristiger (phasischer) oder länger anhaltender (tonischer) Zustand reduzierter metabolischer, zentralnervöser und bewusster Aktivität“ beschrieben, der „auf subjektiv-verbaler, physiologischer und motorischer Ebene mess- und definierbar“ ist (Birbaumer, 2014, S. 485). Entspannung ist also nicht nur ein subjektives Gefühl einer Person, sondern wird objektivierbar durch körperliche Reaktionen, die messbar sind (z. B. durch Elektroenzephalografie (EEG), Elektromyografie (EMG)). Es treten zahlreiche allgemeine Veränderungen auf, die gut empirisch belegt sind. Allgemeine Veränderungen heißt, dass diese unabhängig vom Entspannungsverfahren sind und konstant auftreten. Es werden kurzfristige und langfristige Effekte unterschieden. Entspannungsreaktionen bestehen auf körperlicher Ebene, auf kognitiver (z. B. verbesserte Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnisleistung, „freier Kopf“) und emotionaler (z. B. weniger ärgerlich, ängstlich, Distanzierung), die sich auf die Verhaltensebene auswirken können (vgl. Petermann & Menzel, 1997, S. 245ff.; Vaitl, 2000, S. 30f.).
1. Einleitung: Erläutert die Relevanz von Entspannung im Kontext von Gesundheit und Stress sowie die besondere Ausgangslage sehbehinderter Schüler.
2. Blindheit und Sehbehinderung: Definiert Sehschädigungen sowohl klinisch anhand der ICD-10-Klassifikation als auch bildungspolitisch im schulischen Kontext.
3. Entspannung: Liefert wissenschaftliche Grundlagen zu Stress und Entspannungsmechanismen sowie eine Übersicht gängiger Entspannungsverfahren.
4. Progressive Muskelrelaxation: Beschreibt die Entstehung, den Ablauf und die psychophysiologische Wirkungsweise der PMR nach Jacobson sowie gängige Modifikationen.
5. Entspannung für blinde und sehbehinderte Menschen: Analysiert, wie Sehbeeinträchtigungen das Körperschema beeinflussen und begründet die Eignung der PMR für diese Zielgruppe.
6. Konzeptionelle Umsetzung im inklusiven Sportunterricht: Stellt das praktische Konzept vor, unterteilt in methodische Bausteine von der Vorübung bis zur eigenständigen Anwendung.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die Arbeit und diskutiert den Stellenwert von Entspannung als Bildungsziel im inklusiven Schulsport.
8. Literaturverzeichnis: Listet sämtliche in der Arbeit verwendeten Quellen auf.
Progressive Muskelrelaxation, PMR, Inklusiver Sportunterricht, Sehbehinderung, Blindheit, Entspannung, Körperwahrnehmung, Stressbewältigung, Körperkonzept, Sportdidaktik, Selbstwirksamkeit, Körperschema, Gesundheitserziehung, Inklusion.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines didaktischen Konzepts zur Einführung und Umsetzung der Progressiven Muskelrelaxation in inklusiven Sportklassen mit sehbehinderten und blinden Schülern.
Die zentralen Felder sind die physiologische Wirkung von Entspannung, die spezifischen Anforderungen der Zielgruppe (Körperwahrnehmung/Orientierung) und die methodische Umsetzung in einem erfahrungsorientierten Sportunterricht.
Ziel ist es, sehbehinderten Schülern eine eigenverantwortliche Methode zur Stressregulation und zur Stärkung des eigenen Körperbewusstseins an die Hand zu geben.
Es handelt sich um eine theoretisch-konzeptionelle Arbeit, die auf der Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes zur PMR sowie auf didaktischen Prinzipien der Inklusions- und Sportpädagogik basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Stress, PMR, Sehschädigung) und den praktischen Entwurf eines in Bausteine gegliederten Unterrichtskonzepts.
Die Arbeit zeichnet sich durch einen hohen Grad an Anwendungsorientierung aus, da sie barrierefreie Zugänge zur Entspannung schafft und den Fokus auf das selbsttätige Handeln der Schüler legt.
Das Körperschema dient als Grundlage für die Orientierung und Handlungssicherheit; die PMR nutzt gezielte Anspannung, um mentale Bezüge zu Körperteilen und räumlichen Dimensionen zu festigen.
In Anlehnung an ein erfahrungsorientiertes Modell erarbeiten sich die Schüler in Kleingruppen mittels taktiler Materialien selbstständig, wie die verschiedenen Muskelgruppen zur Entspannung kontrahiert werden können.
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