Bachelorarbeit, 2014
34 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Utopie
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Typische Merkmale von Utopien
2.3 Unterscheidung zu Science-Fiction
3. Dystopie
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Entwicklung der Dystopie
3.3 Typologie von Dystopien
3.3.1 Aufbau und Form von Dystopien
3.3.2 Themen und Motive der Dystopie
3.3.2.1 Das Motiv des Außenseiters
3.3.3 Funktion von Dystopien
4. Analyse der ausgewählten Dystopien
4.1 Corpus Delicti. Ein Prozess
4.1.1 Merkmale dystopischer Gesellschaften
4.1.2 Mia Holl als Außenseiterin
4.1.3 Zwischenfazit: Corpus Delicti eine Dystopie?
4.2 Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
4.2.1 Dystopische Elemente
4.2.2 Der Protagonist
4.2.3 Zwischenfazit: IWHSISUIS eine Dystopie?
5. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Themen und Motive der Dystopie in der Gegenwartsliteratur, indem sie analysiert, wie sich das Genre entwickelt hat und inwieweit moderne Romane von klassischen Dystopie-Konzepten abweichen. Ziel ist es, durch eine exemplarische Analyse von Juli Zehs "Corpus Delicti. Ein Prozess" und Christian Krachts "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" zu prüfen, ob ein gemeinsamer dystopischer Kern existiert.
3.3.1 Aufbau und Form der Dystopie
Die klassische Dystopie stellt eine fiktionale Konstruktion einer zukünftigen Gesellschaftsform dar, die sich selbst als die Verwirklichung einer Utopie versteht, letztendlich aber als Schreckbild entlarvt wird, das die individuellen Freiheiten der Menschen einschränkt. Maßgeblich in den klassischen Dystopien ist ein "zentraler Konflikt zwischen einem als Sympathieträger fungierenden Protagonisten und dem die persönlichen Freiheiten negierenden System". Während in der klassischen Utopie ein Reisender als Außenstehender in die utopische Welt hineinblickt, stellt die Dystopie ein Mitglied der Gesellschaft in das Zentrum der Handlung. Dieser Protagonist wird aufgrund eines – nicht selten durch eine Liebesbeziehung eingeleiteten – Erkenntnisprozesses zum Außenseiter, da er die Fehler des Systems erkennt. Im Gegensatz zu der positiven Utopie ist der Protagonist der Dystopie somit kein Außenstehender der Gesellschaft, sondern ein persönlich betroffener, der zum Außenseiter wird, da der aufkommende Erkenntnisprozess ihn zu einer subversiv handelnden Figur werden lässt, woraus schließlich Konflikte mit dem Staat entstehen. Diese Abkehr von dem aus den klassischen Utopien stammenden Motiv des Reisenden zum persönlich betroffenen Handlungsträger wird von vielen Literaturwissenschaftlern als genrekonstituierendes Element von Dystopien betrachtet.
Die klassische Dystopie besteht aus drei Grundelementen. Den ersten Teil bildet eine Exposition, die die Darstellung aller wichtigen Bereiche der dystopischen Wirklichkeit durch die Schilderung der Alltagsbewältigung des Protagonisten darstellt. Die Dystopie beginnt in medias res, wobei der Leser die fremde Welt mit den Augen der Dystopiebewohner sieht. Der Protagonist ist in der Regel ein Intellektueller, der über besondere Sensibilität verfügt. Im Laufe des ersten Teils durchläuft er einen Erkenntnisprozess, in dem er die Ungerechtigkeit der bestehenden Ordnung durchschaut. "Somit verwandelt sich das Reise-Motiv der klassischen Utopie in eine spirituelle Suche, quest, nach der eigenen Wahrheit." Angestoßen wird dieser Prozess oftmals durch eine Liebesbeziehung, die im besonderen Kontrast zu dem unpersönlichen, die Leidenschaften unterdrückenden Staat steht.
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Ursprünge der Utopie und Dystopie und steckt den Rahmen für die Analyse der beiden zeitgenössischen Romane ab.
2. Utopie: Dieses Kapitel definiert den Begriff Utopie, beleuchtet deren Merkmale wie Selektion und Isolation und beschreibt die Verschiebung von der Raum- zur Zeitutopie.
3. Dystopie: Hier wird der Begriff der Dystopie etymologisch hergeleitet, die Entwicklung des Genres seit dem 20. Jahrhundert skizziert und eine Typologie hinsichtlich Aufbau, Themen und Funktionen erstellt.
4. Analyse der ausgewählten Dystopien: Dieser Hauptteil untersucht detailliert "Corpus Delicti" und "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" hinsichtlich ihrer dystopischen Elemente, Protagonisten und Gesellschaftssysteme.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass sich das Genre der Dystopie in der Gegenwartsliteratur hin zu einer flexibleren und offeneren Form weiterentwickelt hat.
Dystopie, Utopie, Anti-Utopie, Gegenwartsliteratur, Corpus Delicti, Juli Zeh, Christian Kracht, Außenseiter, Totalitarismus, Gesellschaftskritik, Individuum, Freiheit, Erkenntnisprozess, Kontrolle, Literaturanalyse
Die Arbeit analysiert die Entwicklung und Merkmale dystopischer Literatur mit einem besonderen Fokus auf zwei zeitgenössische deutschsprachige Romane.
Zu den zentralen Themen gehören die Abgrenzung von Utopie und Dystopie, die Rolle des Staates gegenüber dem Individuum und die Funktion des Außenseiters.
Das Ziel ist es, eine Typologie für Dystopien zu erstellen und anhand dieser zu prüfen, ob moderne Romane wie die von Zeh und Kracht den klassischen Dystopie-Definitionen entsprechen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Inhaltsanalyse angewandt, die auf einer theoretischen Typologie aufbaut und diese exemplarisch an den Werken anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Dystopie-Begriffs und eine detaillierte Analyse der Romane "Corpus Delicti" sowie "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten".
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Dystopie, totalitäre Systeme, Individuum, Freiheit und zeitgenössische Literatur beschreiben.
In Juli Zehs Roman ist die Protagonistin nicht von Beginn an eine aktive Widerständlerin, sondern wird erst durch eine persönliche Krise und die Entdeckung der Fehlbarkeit des Systems in diese Rolle gedrängt.
Der Roman spielt in einer fiktiven Realität, in der der Erste Weltkrieg nie endete und eine kommunistische Schweizer Sowjetrepublik existiert, was eine kontrafaktische Geschichtsschreibung darstellt.
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